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Porzer machen Druck für Umgehungsstraße

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Ohne Vollanschluss müssten Autofahrer, die nach Bonn wollen, weiterhin die Auffahrt auf die A59 in Wahn nutzen.

Ohne Vollanschluss müssten Autofahrer, die nach Bonn wollen, weiterhin die Auffahrt auf die A59 in Wahn nutzen.

Porz –  Die Mitglieder der vernetzten Gemeinschaft Porzer und Poller Bürgervereine fordern nachdrücklich einen Vollanschluss der geplanten Umgehungsstraße L82n an die Autobahn 59, also eine Auf- und Abfahrt sowohl in Richtung Köln als auch nach Bonn. Aus der Verwaltung sei bisher zu hören, dass „es nur einen Autobahnanschluss von und nach Köln geben soll“, schreibt die Vernetzung in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Hintergrund der Forderung sind die Pläne zu einer Ortsumgehung für Zündorf.

Seit Jahren wünschen sich Bürger und Politiker aus Porz eine Entlastung für die Wohngebiete. Täglich ergießen sich Massen an Autos über die Viertel, die aus dem Rhein-Sieg-Kreis durch Porz in die Kölner Innenstadt rollen. An Werktagen sind die A 59, Frankfurter Straße und Mauspfad fast immer verstopft. Autofahrer suchen sich dann Schleichwege unter anderem durch die Wohnorte Libur und Zündorf. Die Bewohner müssen täglich Lärm und Dreck von tausenden von Pkw ertragen: eine ungeheure Belastung.

Nach Jahren der Diskussion um unterschiedliche Streckenverläufe für die Umgehung ist nun eine Trasse gefunden. Die neue L82n würde vor der Ortsbebauung Zündorf vom Loorweg abzweigen, Ranzeler und Wahner Straße kreuzen, ein Stück der bestehenden Poststraße mit der vorhandenen Bahnunterführung nutzen, die Frankfurter Straße kreuzen und zwischen Wahn und Elsdorf an die A59 anschließen. Genau diese Anschlussstelle an die Autobahn ist für die Mitglieder der Vernetzung entscheidend. Nur wenn eine Auf- und Abfahrt in beide Fahrtrichtungen der Autobahn realisiert werde, sei die Umgehungsstraße eine wirkliche Entlastung für die Stadtteile, glauben die Sprecher der Vernetzung Simin Fakhim-Haschemi und Hans Baedorf. Die Argumente der Stadt für lediglich einen Teilanschluss in Richtung Köln überzeugen sie nicht.

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Auf dem Stadtgespräch der Oberbürgermeisterin im Mai im Porzer Rathaus begründete Verkehrsdezernent Klaus Harzendorf die halbe Anschlussstelle unter anderem mit einer Verkehrszählung. Die habe gezeigt, dass das Verkehrsaufkommen in Richtung Bonn nur gering sei, erklärte Harzendorf. „Die Zahlen liegen uns leider nicht vor“, sagt Fakhim-Haschemi. Die Infrastruktur im Kölner Süden sei aber 40 Jahre lang vernachlässigt worden, also sollte man jetzt zukunftsorientiert denken, argumentieren die Vernetzungssprecherin. Schließlich prophezeiten alle Prognosen ein steigendes Verkehrsaufkommen und mit Wahn-West und Zündorf-Süd gebe es geplante neue Baugebiete, die in Zukunft ebenfalls mehr Verkehr erzeugen würden. „Auch aus diesem Grund ist unserer Meinung nach, eine Anschlussstelle auch in Richtung Bonn unerlässlich“, so Baedorf. Schon heute aber würden die Lkw der Saint-Gobain-Glaswerke an der Poststraße durch Wahn und Lind zur dortigen Autobahnanschlussstelle fahren.

Mit einem neuen Vollanschluss für die Umgehungsstraße würde dieser Schwerlastverkehr nicht mehr durch diese Stadtteile fahren müssen. „Sondern könnte auf dem kürzesten Weg auf die Autobahn geleitet werden“, so Baedorf. Auch ein weiteres Argument, das laut Stadt gegen einen Vollanschluss spricht, lassen die Sprecher der Vernetzung nicht gelten. Eine neue Anschlussstelle zwischen dem Kreuz Flughafen und der dicht darauffolgenden Anschlussstelle Wahn würde – wegen des kurzen Abstands – die Verkehrssicherheit gefährden, hieße es immer aus dem Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung, so Fakhim-Haschemi. „Verkehrsexperten vom Landesbetrieb Straßen NRW haben uns erklärt, dass man eine solche Anschlussstelle als kombinierte Ausfahrt mit zwei Abzweigungen konzipieren kann“, ergänzt Baedorf.

So wie das etwa in Klettenberg auf der A4 der Fall ist. Dort gibt es die Abfahrten Eifeltor und Klettenberg in kurzem Abstand hintereinander.

Auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestätigte das Verkehrsdezernat, dass momentan lediglich „ein Teilanschluss der L 82n an die A 59 (von und nach Köln)“ geprüft werde. Die Ergebnisse der dazugehörigen Machbarkeitsstudie werden im vierten Quartal 2019 erwartet. Aussagen, die Bezirksvertreter Lutz Tempel irritieren. „Wir haben vor rund zwei Jahren beschlossen, dass ein Vollanschluss geprüft werden soll“, so der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Eine Information darüber, dass ein solcher nicht machbar sei, habe man bis jetzt nicht erhalten, so Tempel.

Die schriftliche Antwort der Verwaltung auf die Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ legt aber genau das nahe. Dort heißt es: „Die Lage der geplanten Verknüpfung kann, bedingt durch die Nähe zur bestehenden Anschlussstelle Wahn, nicht die erforderlichen Verflechtungslängen zwischen zwei Anschlussstellen sicherstellen. Ein Vollanschluss würde somit geometrisch als nicht realisierbar angesehen.“

Für Tempel sind diese Aussagen ein Affront gegenüber der Porzer Bezirksvertretung: „Wir fühlen uns wie so oft missachtet und nicht ernst genommen. Porz wird von der Verwaltung weiterhin als Stiefkind behandelt.“

Lutz Tempel, SPD

Lutz Tempel, SPD