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Promis im Kölner RosenmontagszugEin Philosoph, ein Träumer und ganz viel gute Laune

4 min
Schauspieler Max von der Groeben, hier mit Freundin Louise Farina auf dem Zugleiter-Wagen im Kölner Rosenmontags-Zug, träumt davon, einmal Prinz zu sein im Kölner Karneval.

Schauspieler Max von der Groeben, hier mit Freundin Louise Farina, auf dem Zugleiter-Wagen im Kölner Rosenmontagszug, träumt davon, einmal Prinz zu sein im Kölner Karneval.

Lukas Kwasniok denkt nicht an gestern oder morgen, Max von der Groeben will Prinz sein, und Lili Paul-Roncalli kämpft mit ihrem Schirm.

FC-Coach Lukas Kwasniok denkt nicht an gestern oder morgen, nicht an die 1:3-Niederlage seines Teams gegen Stuttgart am Samstag und nicht an die nächste Partie des Fußball-Bundesligisten gegen Hoffenheim. „Ich will jetzt einfach dieses Ereignis genießen“, sagt er vor dem Rosenmontags-Bus des FC und gibt sich philosophisch: „Heute ist gestern Geschichte.“

Ein Satz, der die beiden FC-Profis Said El Mala und Ragnar Ache freut. „Dann ist das wohl die Ansage“, meint Shootingstar El Mala, bevor er grinsend auf die oberste Etage des Busses klettert. Dort will er erleben, was die Kollegen dem Debütanten-Duo laut Ache mit diesen Worten angekündigt haben: „Das ist einfach eine geile Erfahrung.“ Später schmeißt er mit viel Freude im Gesicht Kamelle in die Menge. 

FC-Profi Said El Mala wirft beim Kölner Rosenmontagszug Kamelle.

FC-Profi Said El Mala wirft beim Kölner Rosenmontagszug Kamelle.

Als die FC-Profis und der Coach ihren Bus besteigen, ist die Spitze des Kölner Rosenmontagszugs bereits seit dreieinhalb Stunden unterwegs. Ganz vorn begleitet Nathanael Liminski (CDU), NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, Christoph Kuckelkorn, den scheidenden Präsidenten des Festkomitee Kölner Karneval. „Ich bin ein Kind des Rheinlands und liebe den Karneval“, sagt Liminski, der mit neun Geschwistern im Sankt Augustiner Stadtteil Hangelar aufwuchs.

Schauspieler Max von der Groeben will einmal Kölner Karnevalsprinz sein

Ein Stück weiter suchte sich Schauspieler Max von der Groeben eine Position auf dem Zugleiter-Wagen. „Ich setze auf viele strahlende Gesichter, wenn wir schon keinen strahlenden Sonnenschein haben“, sagt der 34-jährige Kölner, der seine Freundin Louise Farina im Arm hat, die in neunter Generation im gleichnamigen Familienunternehmen tätig ist. Für von der Groeben war es die Premiere auf einem Wagen im Rosenmontagszug und er verriet, dass damit einer von zwei Karnevalswünschen für ihn in Erfüllung gegangen sei. Wunsch Nummer zwei lautet: „Einmal Prinz sein.“  

Als Gesicht der Kölner Olympiabewerbung im Rosenmontagszug dabei: die ehemalige Spitzenturnerin Sarah Voss.

Als Gesicht der Kölner Olympiabewerbung im Rosenmontagszug dabei: die ehemalige Spitzenturnerin Sarah Voss.

Ihre Premiere auf einem Wagen im Zoch erlebte auch die Kölner Spitzenturnerin Sarah Voss. „Eine Riesenehre“ sei das. Die Olympiateilnehmerin von 2024 fungiert als eines der Gesichter der Kölner Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele. „Olympia und Köln, das ist der perfekte Deckel zum Topf“, sagt Voss und wirbt mit Blick auf den Ratsbürgerentscheid am 19. April um eine breite Zustimmung in der Stadt: „Wir in Köln haben so viel Euphorie, wir können zusammenstehen, das sehen wir hier im Karneval – und das Gleiche könnten wir bei Olympischen Spielen spüren.“

Christoph Kuckelkorn (r.), scheidender Präsident des Festkomitee Kölner Karneval, und Nathanael Liminski (M.), NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, im Kölner Rosenmontagszug.

Christoph Kuckelkorn (r.), scheidender Präsident des Festkomitee Kölner Karneval, und Nathanael Liminski (M.), NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, im Kölner Rosenmontagszug.

Viel gute Laune versprühte auch die auf den Zugleiter-Wagen geladene Politiker-Riege: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat nicht mitgezählt, wie oft er schon auf einem Wagen im Rosenmontagszug mitgefahren ist: „Wenn ich es sage, lädt mich ja keiner mehr ein“, scherzt er und bekundet: „Es ist einfach herrlich, ich kann nicht genug davon kriegen. Ich bin ein begeisterter Karnevalist.“ Die andere Seite sei sein Beruf, da hoffe er, „dass alle Polizisten möglichst wenig zu tun haben“. 

Herbert Reul: „Ich kann nicht genug davon kriegen“

Katarina Barley (SPD), Vizepräsidentin des Europaparlaments, deponiert kurz vor dem Start des Wagens noch schnell ihren Thermobecher mit einem Heißgetränk an der Seitenwand. Das Wetter? „Ich habe einen Hut und viel Wärme im Herzen“, sagt sie. Barley war zum dritten Mal im Kölner Rosenmontagszug dabei, „als kölsches Mädchen im Exil ist das für mich die größte Freude und Ehre, es ist das Allerschönste auf der Welt“. An ihrer Seite stand Andrea Milz, in Düsseldorf Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt. Platz fanden auch noch Schauspielerin Liz Baffoe und die Rapper Cengiz und Mo-Torres. 

Artistin Lili Paul-Roncalli kämpft im Kölner Rosenmontagszug mit ihrem Regenschirm.

Artistin Lili Paul-Roncalli kämpft im Kölner Rosenmontagszug mit ihrem Regenschirm.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Ott (SPD), der bei den nächsten Landtagswahlen den NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) herausfordert, stand derweil mitten im Getümmel. Er schloss sich der Fußtruppe des Eduardus-Krankenhauses an, das in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. „Was kann es Besseres geben, als mit jenen Menschen unterwegs zu sein, die jeden Tag anderen helfen“, sagt er. 

Der Landtagsabgeordnete Jochen Ott (SPD) mit der Fußtruppe des Eduardus-Krankenhaus beim Kölner Rosenmontagszug. An seiner Seite: Martin Tölle, der Vorstandsvorsitzende der Josefs-Gesellschaft, die das Krankenhaus betreibt.

Der Landtagsabgeordnete Jochen Ott (SPD) mit der Fußtruppe des Eduardus-Krankenhaus beim Kölner Rosenmontagszug. An seiner Seite: Martin Tölle, der Vorstandsvorsitzende der Josefs-Gesellschaft, die das Krankenhaus betreibt.

Ganz in der Nähe des wartenden FC-Busses kämpft Artistin Lili Paul-Roncalli in einem der vielen Regenschauer an diesem Rosenmontag mit ihrem Regenschirm. „Der ist schon hin“, sagte die Tochter des Circus-Roncalli-Mitbegründers Bernhard Paul, während sie sich an der Reparatur versuchte. Mit ihrer Schwester Vivian fuhr sie auf einem extra zum 50-jährigen Bestehen des Zirkus' in den Zug aufgenommenen Roncalli-Wagen mit. „Ich freue mich riesig“, sagte sie. 

Köln OB Torsten Burmester „Kölsche Fründen Ossendorf 1995“ im Fußvolk des Rosenmontagszugs.

Köln OB Torsten Burmester „Kölsche Fründen Ossendorf 1995“ im Fußvolk des Rosenmontagszugs.

Zwischen dem Roncalli-Wagen und dem FC-Bus feierte Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) seine Zug-Premiere im Fußvolk. Im „Bob der Burmester“-Kostüm gesellte er sich zu den Kölsche Fründen Ossendorf 1995. Die Gruppe in Schiffs-Kostümen aus vier Jahrzehnten und dazu passenden historischen Kleidern hatte bei den Schull- un Veedelszöch am Sonntag den Goldenen Lappenclown 2026 gewonnen und durfte deshalb im Rosenmontagszug mitgehen.

„Ich werde in den zehn Jahren nie auf einem Wagen mitfahren“, stellte Burmester klar und setzte damit seine Bodenständigkeits-Offensive fort. Den Gedanken, dass für ihn bereits nach fünf Jahren und einer Amtszeit Schluss sein könnte als Kölner OB, lässt der 63-Jährige demonstrativ nicht zu. Und warum zu Fuß? „Das ist doch viel schöner, man kann direkt zu den Menschen gehen und sich unterhalten.“