Der Rettungsdienst verzeichnet in den Hitzetagen etwa ein Drittel mehr Einsätze. Der Kölner Rettungsdienstleiter Alexander Lechleuthner erklärt das.
Rettungseinsätze„Jogger brechen mit einer Körpertemperatur von 39 oder 40 Grad zusammen“

Die große Hitze führt zu mehr körperlichen Beschwerden und Notfällen.
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Wie kritisch die Lage wirklich ist, welche Gruppen besonders gefährdet sind, und was jeder Einzelne tun kann, um die Rettungskräfte zu entlasten – darüber spricht Alexander Lechleuthner, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln.
Köln stöhnt seit eineinhalb Wochen unter der Hitze. Welche Hitzeopfer beobachten Sie da besonders oft?
Wir wurden zum Beispiel mehrfach zu kollabierten Sportlern gerufen. Darunter waren auch sehr junge Leute – Mitte 20, die in der prallen Sonne joggen gingen und nicht bemerkt haben, dass sie überhitzen. Die brechen dann mit einer Körpertemperatur von 39 oder 40 Grad zusammen. Ich erinnere mich auch an Menschen mit Sonnenstich, die dann durchaus einige Tage in der Klinik verbringen, ehe sich das Hirnödem zurückgebildet hat.
Welchen Anteil haben denn die Hitzeeinsätze am Gesamtgeschehen?
So genau kann man das nicht sagen. Denn ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder ein Kreislaufkollaps kann natürlich auch bei kühleren Temperaturen auftreten. Aber bei langanhaltenden Hitzeperioden oder extremen Spitzenwerten, und momentan haben wir mit beidem zu tun, steigt die Wahrscheinlichkeit natürlich. Und in den gesamten Zahlen können wir sehen, dass die Einsätze in den vergangenen Tagen etwa um ein Drittel höher lagen als im Durchschnitt. Am Nachmittag, also dann, wenn die Temperatur Spitzenwerte erreicht, zum Teil sogar doppelt so hoch.

Alex Lechleuthner ist Chef des Kölner Rettungsdienstes. Er sagt: „Manche Senioren arbeiten auch bei der Hitze im Garten, vielleicht sogar ohne Kopfbedeckung. Vor solchen Überschätzungen muss man warnen.“
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Und sehen Sie, dass bestimmte Stadtteile oder Orte wie Schwimmbäder, Schulen oder Seniorenheime besonders betroffen sind?
Wir haben vermehrt Einsätze in der Innenstadt, Ehrenfeld, Mülheim. Das liegt ganz einfach an der Bevölkerungsdichte. Sonst verzeichnen wir keine Ausreißer. In Pflegeheimen hat sich die Lage meiner Meinung nach etwas verbessert. Dort hat man sich angewöhnt, die bettlägerigen Bewohner bei Hitzewellen mit subkutanen Infusionen zu versorgen. Das hat meines Erachtens viel gebracht.
Wie steht es sonst um die Senioren?
Die müssen auf jeden Fall besonders auf sich achten. Sie haben oft kein ausgeprägtes Durstgefühl mehr. Und manchmal ist das Gefahrenbewusstsein auch nicht groß genug. Dann arbeiten sie auch bei der Hitze im Garten, vielleicht sogar ohne Kopfbedeckung. Vor solchen Überschätzungen muss man warnen.
Sie sind ziemlich im Stress derzeit. Was kann die Bevölkerung tun, um sie zu entlasten?
Bei sportlichen Aktivitäten nicht übertreiben, schon gar nicht in der Nachmittagshitze. Auf keinen Fall im Rhein baden gehen. Immer eine Kopfbedeckung tragen, ausreichend zu trinken mitnehmen. Wer vorerkrankt ist, sollte sich zumindest in der Nachmittagshitze in Innenräumen aufhalten.
Sind Sie Verfechter einer Siesta auch für Köln?
Bei diesen Temperaturen auf jeden Fall. In den Ländern, in denen es schon immer so heiß ist im Sommer, ist das ja auch üblich. Warum sollte man davon nicht lernen?
