Das hat es lange nicht gegeben: Nach ergiebigen Regenfällen ist der Wasserstand des Rheins in Köln am vergangenen Sonntag binnen 24 Stunden um 32 Zentimeter gestiegen. Am Montag beschleunigte sich der Anstieg. Zwischen Mitternacht und 12 Uhr kamen weitere 30 Zentimeter dazu. Am Dienstagmorgen wurde um 6 Uhr ein Rheinpegel von 1,54 Metern gemessen. Damit herrschen für die Binnenschifffahrt nach monatelangen Einschränkungen durch Niedrigwasser derzeit wieder bessere Bedingungen. Fragen und Antworten.
Wie viel Wasser führt der Rhein aktuell?
Der Kölner Rheinpegel entspricht nicht der Wassertiefe des Rheins. Um die Tiefe der Fahrrinne in der Mitte des Flusses zu berechnen, nimmt man den aktuellen Wert des Kölner Pegels und addiert 1,11 Meter dazu. Bei einem Pegel von 1,54 Metern ist die Fahrrinne also 2,65 Meter tief. Somit hat die Fahrrinne nach den jüngsten Regenfällen wieder ihre vorgesehene Mindesttiefe von rund 2,50 Metern erreicht.
Was hat sich durch die steigenden Pegel verändert?
Zu den ersten, die die höheren Wasserstände des Rheins nutzten, zählten Auto- und Personenfähren, die zuvor wegen des Niedrigwassers teils wochenlang nicht verkehren konnten. Bereits am Sonntag nahm die Autofähre zwischen Dormagen-Zons und Düsseldorf-Urdenbach den Fahrdienst auf. Auch die Kölner Personenfähre „Krokodil“ zwischen Weiß und Zündorf fährt wieder, sie verkehrt bis 1. November täglich.
Die Autofähre von Köln-Langel nach Leverkusen-Hitdorf, die seit dem 5. September stillgestanden hatte, ist am Dienstagmorgen wieder in Betrieb gegangen. Das Team hat die Wartezeit für umfangreiche Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an dem historischen Fährschiff St. Michael aus dem Jahr 1954 genutzt. „Im Fokus standen dabei die Elektrik, die Klimaanlage, die Motorsteuerung sowie die Hydraulik“, teilte die Stadt Leverkusen mit, die die Fähre betreibt.
Was ist mit der Güterschifffahrt?
Die Branche kann zurzeit ein wenig aufatmen. Angesichts extremer Trockenheit waren die historischen Tiefststände des Rheins seit Juli wiederholt unterschritten worden. Der absolute Rekordwert wurde am 27. September mit nur noch 40 Zentimetern Kölner Pegel registriert. Frachter konnten kaum noch Ladung transportieren, Kunden am Oberrhein wurden teils gar nicht mehr per Schiff beliefert. In Köln und Bonn fuhren sich wiederholt Schiffe im Rhein fest. Im Vergleich dazu ermöglicht es der aktuelle Wasserstand, dass Güterschiffe wieder deutlich mehr laden können.
Wie wirkt sich das aus?
Die Schifffahrtsbranche hat umgehend auf die verbesserten Bedingungen reagiert. „Am Mittwoch erwarten wir im Niehler Hafen ein Schiff mit 1500 Tonnen Feuchthydrat, das mit der Eisenbahn zu einem Industriekunden im Kölner Westen weitertransportiert wird. Vor kurzem wurden solche Mengen wegen des Niedrigwassers noch mit zwei Schiffen angeliefert“, erläutert Christian Lorenz, Sprecher der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK). Ähnliches gelte für die Lieferung von Steinsalz aus Heilbronn. „Ende dieser Woche soll ein Schiff 900 Tonnen Steinsalz in den Hafen Godorf liefern. Zum Vergleich: Ende September konnten die Schiffe niedrigwasserbedingt nur 200 bis 350 Tonnen laden.“ Aber selbst bei solchen geringen Mengen sei der Schiffstransport immer noch wirtschaftlicher, als das Steinsalz per Lkw zu befördern, so Lorenz.
Ist die Niedrigwasserperiode jetzt vorbei?
Die Freude könnte nur von kurzer Dauer sein. Denn die Meteorologen sagen für das südliche Einzugsgebiet des Rheins für die nächsten zwei Wochen kaum Niederschläge voraus. Momentan fällt der Rheinpegel in Köln bereits wieder. Laut aktuellen Prognosen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wird er in den nächsten Tagen kontinuierlich sinken und könnte bereits um den 6. November wieder bei rund 80 Zentimetern liegen, also im Niedrigwasserbereich. Dann wäre auch für die Fähre Langel-Hitdorf Schluss. Sie muss den Betrieb ab einem Kölner Pegel von rund einem Meter einstellen.
Wie bewertet die Güterschifffahrt die Lage?
Da die gestiegenen Wasserstände gemäß den Prognosen nur wenige Tage anhalten würden, ergebe sich „keine wesentliche Änderung der Situation“, betont Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). „Für nachhaltig höhere Wasserstände wären ausgiebigere, länger anhaltende Niederschläge im Alpenraum und im Südwesten Deutschlands nötig.“ Die Binnenschifffahrt stehe ihren Kunden weiterhin als Dienstleister zur Verfügung, könne aber nur mit reduzierter Ladung fahren.
Die Fahrrinne sei im Mittelrheinabschnitt am schlechtesten ausgebaut, sodass dort die größte Einschränkung bestehe, erläutert Spieß. „Beim aktuellen Pegelstand in Kaub von rund 50 Zentimetern können Schiffe circa 25 bis 35 Prozent ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Um voll beladen fahren zu können, wäre dort ein Wasserstand von circa 200 Zentimetern nötig.“ Welchen volkswirtschaftlichen Schaden das Niedrigwasser verursache, werde im Nachgang von Wirtschaftsinstituten ermittelt.
Wie wirken sich die Pegelstände auf die Personenschifffahrt aus?
Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt (KD) war in der zurückliegenden Saison stark vom Niedrigwasser betroffen – ausgerechnet im Jahr ihres 200-jährigen Bestehens. Vor allem am Mittelrhein fielen zahlreiche Fahrten aus. Mit viel Flexibilität habe man den widrigen Bedingungen getrotzt, betont KD-Geschäftsführerin Nina Luig. „Wir haben sehr viel gelernt.“ Unter anderem habe man Schiffe getauscht. „Die Rhein-Galaxie wurde von Düsseldorf nach Köln verlegt, die Rhein-Fantasie von Köln nach Düsseldorf.“
In Düsseldorf habe die KD keine Einschränkungen gehabt, in Köln nur wenige. Teils fanden die Partys auf der Rhein-Magie in Köln am Schiffsanleger statt, weil die Fahrt nicht stattfinden konnte. „Wir haben aber keine einzige Party abgesagt“, betont Luig. Für das kommende Wochenende ist sie optimistisch. „Wir hoffen, dass unsere Partyfahrten am Freitag und Samstag dank des gestiegenen Rheinpegels stattfinden können.“
Wie groß der wirtschaftliche Schaden für die KD durch das Niedrigwasser in der Saison 2026 sei, könne sie bisher nicht beziffern, sagte Luig. Zuvor hatte sie allein für den Monat August von einem Umsatzverlust von zwei Millionen Euro gesprochen.
