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Kostenexplosion auf 160 MillionenPolitik übt scharfe Kritik an Planungen für die Nord-Süd-Stadtbahn

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Die Bonner Straße bleibt noch bis 2029 eine Baustelle.

Die Bonner Straße bleibt noch bis 2029 eine Baustelle.

Die Bauarbeiten für eine 2,1 Kilometer lange Gleistrasse mit vier Haltestellen werden 14 Jahre dauern – zu lange, sagen Ratsmitglieder.

Die Kostenexplosion beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße von 84 Millionen Euro auf mindestens 160 Millionen Euro hat im Rathaus für teils harsche Kritik an der Planung des Projekts gesorgt. Mehrere Fraktionen stellen die Arbeit des zuständigen Amts für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau infrage. Mobilitätsdezernent Ascan Egerer erklärt die deutliche Kostensteigerung, wie berichtet, vor allem mit der aufwendigen Suche nach Weltkriegsbomben und daraus resultierenden Verzögerungen.

Forderung nach mehr Transparenz

Lars Wahlen, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, verteidigt die Stadtverwaltung, nimmt die Verantwortlichen aber auch in die Pflicht, das Projekt jetzt erfolgreich zu Ende zu bringen. „Die Kostensteigerungen sind bitter, die Ursachen aber nachvollziehbar. Gerade die aufwendige Suche nach Weltkriegsbomben und andere nicht vorhersehbare Herausforderungen haben den Bau erheblich verzögert und die Kosten erhöht“, sagt er. Entscheidend sei jetzt, dass die aktuelle Kostenprognose belastbar bleibe, um das wichtige Infrastrukturprojekt ohne weitere Verzögerungen fertigzustellen. Dann sei der Kölner Süden endlich besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Scharfe Kritik übt Stefan Götz (CDU): „Diese Kostenexplosion ist ein Offenbarungseid für das Projektmanagement im Verkehrsdezernat. Wenn sich die Kosten für vier Haltestellen nahezu verdoppeln, ist das ein Skandal. Dass die Politik die volle Dimension erst erfährt, wenn praktisch nichts mehr zu ändern ist, ist ein massiver Vertrauensbruch noch dazu“, sagt er. Bereits im Jahr 2023 sei im Verkehrsausschuss von erheblichen Kostensteigerungen die Rede gewesen. Trotzdem habe das Dezernat nun offenbar Jahre gebraucht, um konkrete Zahlen vorzulegen. „Das ist absolut nicht hinnehmbar“, sagt Götz. Angesichts weiterer Kostensteigerungen bei anderen Projekten stelle sich die Frage, ob das Verkehrsdezernat überhaupt in der Lage sei, Projekte korrekt zu kalkulieren.

Verlängerung der Nord-Süd-Stadtbahn über die Bonner Straße

Verlängerung der Nord-Süd-Stadtbahn über die Bonner Straße

SPD-Verkehrspolitiker Lukas Lorenz nimmt Mobilitätsdezernent Ascan Egerer in die Verantwortung. „Die Kostenexplosion bei der Nord-Süd-Bahn ist mehr als ärgerlich. Dass in Köln viele Blindgänger-Bomben im Boden liegen, ist bekannt und darf nicht zu solchen Überraschungen führen. Wir erwarten vom Verkehrsdezernenten, dass bei künftigen Projekten umsichtiger und vorausschauender geplant wird“, sagt er. Erwartbare und unvermeidliche Kosten bei Bauprojekten müssten von Anfang an ehrlich transparent gemacht werden, damit politische Beschlüsse auf Grundlage realistischer Zahlen getroffen werden können. Die schwierige Haushaltslage der Stadt dürfe nicht durch weitere Fehlplanungen noch stärker in Bedrängnis gebracht werden.

Angela Bankert, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion, moniert die Kostensteigerung vor dem Hintergrund der aktuellen Sparkonzepte bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB). „Zu der Verdoppelung der Kosten auf dem Abschnitt Bonner Straße kommen die Kostensteigerungen bei den beiden Tunnelabschnitten hinzu. Wir liegen jetzt bei mindestens 1,1 Milliarden Euro Kölner Eigenanteil, die der städtische Haushalt über die letzten 20 Jahre zur Nord-Süd-Stadtbahn beitragen musste. Denn die Fördermittel sind gedeckelt“, sagt sie. „Damit hätte die Stadt 20 Jahre lang einen Betriebskostenzuschuss von durchschnittlich 50 Millionen Euro pro Jahr an die KVB geben können.“

Volker Görzel, Vorsitzender der FDP/KSG-Fraktion, warnt vor den politischen Folgen einer solchen Kostenexplosion. „Die Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße entwickelt sich immer mehr zu einem Paradebeispiel dafür, warum viele Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in die Fähigkeit der Stadt verlieren, große Infrastrukturprojekte erfolgreich umzusetzen“, sagt er. Zwischen Ratsbeschluss und geplanter Inbetriebnahme würden am Ende rund 14 Jahre liegen – für einen Streckenabschnitt von lediglich 2,1 Kilometern mit vier Haltestellen. Der Spruch „Zeit ist Geld“ sei für die Stadt Köln offensichtlich ein Fremdwort. „Diese Schlamperei kann man auch nicht mit sechs Monaten Kampfmitteluntersuchung erklären. Oftmals sind über Wochen, wenn nicht gar Monate, ohne Konsequenzen keinerlei Bauaktivitäten zu sehen“, so Görzel.