In unserer Serie „Köln früher und heute“ stellen wir wichtige Bauwerke, Plätze und Siedlungen in Köln vor. Diesmal: das Strandschlösschen in Rodenkirchen.
Köln früher und heuteAls das Rodenkirchener Strandschlösschen Schweizer Kuhmilch verkaufte

Das Strandschlösschen gehörte neben dem Strandbad zu Rodenkirchens Ausflugszielen, Abbildung von ca. 1920.
Copyright: „Köln auf alten Ansichtskarten“
Die Südsee war es zwar nicht, aber südlich von Köln ließ sich der Alltag auch für ein Weilchen vergessen. Mit der Straßenbahn in den Ortskern von Rodenkirchen, dann zu Fuß oder mit der Droschke weiter zur Uferstraße, wo das Badevergnügen im Rhein nicht mehr weit war. So sah für viele Kölner vor 100 Jahren ein gelungener Sommertag aus.
Die „Rodenkirchener Riviera“ befreite von der Enge der Großstadt. Wer es sich leisten konnte, nutzte die direkte Bootsverbindung zwischen Rodenkirchen und der Kölner Innenstadt.

Das Strandschlösschen Rodenkirchen heute.
Copyright: Martina Goyert
1912 nahm die Stadt Köln das Rodenkirchener Strandbad in Betrieb, Männer- und Frauenbereiche zunächst streng voneinander getrennt durch einen 400 Meter breiten Zaun. Für das Café-Restaurant Strandschlösschen bedeutete das viel Kundschaft. Errichtet 1904, steht das Gebäude noch heute am Ende der Uferstraße. Etwa 1914 folgte ein nahezu baugleiches Haus direkt nebenan.
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Das Strandschlösschen war auch eine frühe Milchbar
Viel sei nicht überliefert über die frühen Jahre der beiden sonderbaren Häuser, die architektonisch eher in den belgischen Raum passten als ins Rheinland, sagt Kulturhistoriker Cornelius Steckner. Sicher ist, dass das Strandschlösschen nicht nur ein beliebtes Ausflugsrestaurant war, sondern auch eine frühe Milchbar.

Postkarte vom Rodenkirchener Strandbad mit Werbung für die „Appenzeller Milchkuranstalt“.
Copyright: Digitalisat RES/ Karin Ahrens
Auf einer Postkarte mit badenden Strandbad-Gästen machte Besitzer J.B. Signer aus Appenzell Werbung für seine „Appenzeller Milchkuranstalt“. Während das Strandbad die Bevölkerung aus der „geistigen und räumlichen Enge der Stadt“ hinaus in die Natur führen sollte, lieferte das Strandschlösschen gute Schweizer Kuhmilch: „Das war eine Gesundheitsmaßnahme wie heute die Vitamin-D3-Tabletten“, sagt Steckner.
Heute wird das Gebäude als Veranstaltungsraum genutzt
Werbeanzeigen für das „idyllisch am Rhein gelegene“ Kaffee- und Gartenrestaurant an der Uferstraße 52 tauchen 1919 in Zeitungen auf. Cornelius Steckner geht davon aus, dass hinter dem Strandschlösschen sogar Schweizer Kühe weideten. Auch ein Melker aus Appenzell habe in Rodenkirchen gelebt und gearbeitet. 1939 sei er zurück in die Schweiz gegangen.
In diesem Jahr war es auch vorbei mit dem Strandbad: Der bademeisterlich betreute Rheinuferabschnitt ging kurz vor dem Zweiten Weltkrieg an die Kölner Universität zur „Wehrertüchtigung“ der Studenten. Aus dem Strandschlösschen wurde später ein Hotel. Heute betreiben Beate Wurm und ihr Mann hier eine Eventlocation mit demselben Namen.
Ihre Schwiegereltern hätten das Haus in den 1960er Jahren als Hotel-Restaurant fortgeführt und einen Anbau mit Saal für Veranstaltungen davorgesetzt. „Das hat dazu geführt, dass man nicht mehr sah, dass es mal ein altes Haus war“, sagt Beate Wurm. Im Jahr 2000 dann folgte die „Befreiungsaktion“: Der alte Anbau kam weg und wurde durch einen seitlichen ersetzt. Seitdem ähnelt das Strandschlösschen wieder seinem ursprünglichen Zustand.

