Wie die Stadtverwaltung das Lärmproblem am Brüsseler Platz endlich in den Griff kriegen will.
Satirischer WochenrückblickDraußen nur leise Getränke


Auf dem Brüsseler Platz darf ab sofort wieder bis 24 Uhr serviert werden.
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Na also. Vor dem Kölsch sind endlich wieder alle gleich. Auf dem Brüsseler Platz darf ab sofort bis Mitternacht gezecht werden. Die Stadt verzichtet darauf, dass jede Kneipe mit ihren Kellnern erst vor das Verwaltungsgericht ziehen muss, um ihr Recht auf Arbeit einzuklagen.
Damit die Anwohner wegen der zu erwartenden Lärmbelästigungen nicht gleich wieder senkrecht im Bett stehen, wird es Einschränkungen geben.
Analog zur EU-Lebensmittelinformationsverordnung, die es den Gastronomen vorschreibt, eine Liste von Allergenen und Unverträglichkeitsstoffen auf den Speisekarten anzugeben, arbeitet das städtische Rechtsamt bereits an einer Aufstellung lärmreduzierter Getränke, die nach 22 Uhr noch ausgeschenkt werden dürfen.
Auf dieser Fachinger-Liste stehen neben stillem Wasser mit oder ohne Zitronenscheiben vor allem Relaxation-Drinks, deren Inhaltsstoffe beruhigende Wirkung haben: Extrakte aus Melisse, Passionsblume, Lavendel, Baldrian und Kamille.
Fachinger-Liste und Schläfer-Kölsch
Und ja. Auch Hopfen fällt darunter. Damit das sogenannte Schläfer-Kölsch gemeint, nach dessen Genuss der Kopf unter Einsetzen eines leisen Schnarchens langsam auf die Tischplatte sinkt und das von den Räubern wegen dieser einschläfernden Wirkung mit dem Song „Wigga Digga“ geradezu hymnisch gefeiert wird. Ein Allerletztes, ein Allerallerletztes!
Die Stadt wird sich beim Versuch, den Brüsseler Platz endlich zu befrieden, aber nicht nur auf den passiven Lärmschutz beschränken.
Wenn der Verkehrsdezernent auf der Luxemburger Straße einfach so Tempo 30 anordnet, um die Bürger vor dem Krach zu schützen, kann das Ordnungsamt auch den Verzehr von besonders lauten Getränken unter freiem Himmel untersagen.
Champagnerkorken-Knallverbot
Knallende Champagnerkorken, auf St. Michael gerichtet, sind ebenso verboten wie Bierflaschen mit Porzellanbügel-Verschlüssen, deren Plop-Plop-Plop einem wirklich den letzten Nerv rauben kann. Das gilt auch für das angeblich leise Zischen beim Öffnen von Einweg-Getränkedosen mit Trendgetränken wie City Hugo, Fürst Uranov und Lynchburg Lemonade, das sämtliche Grenzwerte übersteigt.
Die Verwaltung erwägt überdies, bei der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin ein Gutachten zur Lärmreduzierung bei der Kölsch-Abfüllung in den menschlichen Körper in Auftrag zu geben. Sämtliche Kölsch-Sorten sollen dabei auf den sogenannten Bäuerchen-Faktor in Abhängigkeit vom Fassungsvermögen der Kölsch-Stange und ihres Benutzers untersucht werden. Je leiser die Töne während des Verzehrs und vor allem kurz danach, desto größer die Chance, eine Ausschank-Lizenz für den Außenbereich des Brüsseler Platzes zu bekommen.
Sollte das alles nichts nutzen und die juristischen Streitereien weitergehen, wird die Stadt knallhart durchgreifen, alle Getränke im Freien verbieten und nur noch Speisen zulassen, die vollkommen unverdächtig sind, Lebensmittelunverträglichkeiten auszulösen. Die dürfen dann serviert werden. Als Verwaltungsgericht.