Keiner hat es gemerkt, aber in Köln läuft gerade eine Kehrwoche.
Satirischer WochenrückblickKehrwoche mit neuem Besen


Kehrwoche in Köln: Oberbürgermeister Torsten Burmester lässt die Stadt aufräumen. Foto: Herbert Bucco
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Na, das wird ein Experiment. Mitten in der Session. Kölns neuer Oberbürgermeister hat eine Kehrwoche eingeführt. Nahezu unbemerkt. Vergangenen Mittwoch ging es schon los. Noch bis zum 21. Januar will Torsten Burmester für Ordnung und Sauberkeit in den Veedeln sorgen. Nach dem Motto: Neue Besen kehren gut. Aber keine Sorge. So schlimm wie im Schwabenland, wo die Bürger Feudel und Kehrblech selbst in die Hand nehmen müssen, wird es bei uns nicht.
In Kölle gibt es die Light-Version, eine Art Passiv-Kehrwoche. Unter dem Motto „Die Rückkehr der Heinzelmännchen“ wird das Ordnungsamt eine Woche lang „auf Fehlverhalten aufmerksam machen, Störungen und Belästigungen frühzeitig erkennen, das achtlose Wegwerfen von Abfällen und Kippen sowie Schrotträder im Blick haben“. Schrotträder, die unschuldige Fahrradständer blockieren.
Weil die Kehrwoche nicht viel kosten darf, ist die Stadtverwaltung gehalten, Synergieeffekte zu nutzen. So ist die Müllabfuhr angewiesen, mit den Weihnachtsbäumen am Straßenrand vor deren Entsorgung noch einmal kurz die Bürgersteige zu fegen. Sie glauben ja gar nicht, wie viel Dreck eine ausgewachsene Nordmanntanne auffangen kann, wenn sie bei Tempo 20 vom Sperrmüllwagen durch die Gassen unserer Veedel geschleift wird.
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Und noch etwas wird uns erfreuen. Die Müllabfuhr schafft 100 Papierkorb-Garagen an. Wenn in den Veedeln schon die Parkplätze einkassiert werden, sollen es wenigstens die großen Abfalltonnen mit einem Fassungsvermögen von 240 Litern gemütlich haben.
Eine Papierkorb-Garage besteht aus verzinktem und lackiertem Stahl für den Rumpf und aus Edelstahl für die Haube. Sie sollte über vier umlaufende Einwurf-Öffnungen, eine rechts angeschlagene Tür mit Dreikant-Schloss zum Leeren, eine pyramidale Dachkonstruktion mit Zigaretteneinwürfen und Aschenkästchen sowie eine stabile Bodenbefestigung verfügen.
Ob sie auch in der Lage sein muss, rückwärts eingeworfenen Müll zu schlucken, wird noch diskutiert. Im Grunde ist sie eine Art Kehrpaket, das für eine „angenehme und sichere Lebensqualität in allen Stadtteilen sorgen soll“. Das ist für unseren Oberbürgermeister eine echte Herzensangelegenheit.
Ich finde das wirklich prima. Kippen, die man im Blick behält, sollten in der Passiv-Kehrwoche auch nur von Passiv-Rauchern entsorgt werden. Weil die bestimmt besonders dankbar sind, dass der Glimmstängel nicht mehr glimmt. Beim Schrottrad verhält es sich ähnlich. Jeder Autofahrer würde es sicher gerne nutzen, wäre es doch nur fahrbereit. Egal. Am Ende zählt doch der gute Wille. Und den haben die Kölschen allemal. Und zwar reichlich.


