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Kommentar

Schulen in Köln
Hitzefrei ist keine Dauerlösung – wir hinken hinterher

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3 min
Zwei Kinder laufen mit ihren Büchertaschen im Sonnenschein. Sehr hohe Temperaturen führen an Schulen zu Hitzefrei – aber das ist keine Dauerlösung. (Symbolbild)

Zwei Kinder laufen mit ihren Büchertaschen im Sonnenschein. Sehr hohe Temperaturen führen an Schulen zu Hitzefrei – aber das ist keine Dauerlösung. (Symbolbild)

Hitzefrei. Als Kind klang das für mich nach Freiheit und Wassereis. Heute löst dasselbe Wort vor allem eine Frage aus: Wie soll das gehen?

Köln, 11.40 Uhr, 31 Grad. Mein Kind kommt aus der Schule nach Hause. Die Haare kleben an der Stirn, das T-Shirt am Rücken. „Boah“, stöhnt der Achtjährige. Er strampelt die Schuhe ab, lässt den Ranzen fallen und setzt sich wortlos vor den Ventilator.

Seine Grundschule hat Hitzefrei nach der vierten Stunde angeordnet. Es ist zu heiß zum Lernen. Ich weiß noch, wie sehr ich mich als Kind über Hitzefrei gefreut habe, wie wir mitgefiebert haben, ob die magischen 28 Grad erreicht werden. In den 90ern war bei mir und vielen anderen aber noch ein Elternteil zu Hause.

Es geht um Verantwortung, Vorschriften – und Ventilatoren

Im Rundbrief der Schule heißt es, die Kinder würden im Offenen Ganztag (OGS) „selbstverständlich“ weiter betreut. Gleichzeitig bittet die Schulleitung die Eltern, zu prüfen, ob sie ihren Nachwuchs früher abholen können. Nicht nur an einem Tag, sondern bis einschließlich nächste Woche Donnerstag.

Natürlich möchte ich mein Kind bei diesen Temperaturen nicht bis zum Nachmittag in der OGS lassen. Wer einmal die erschöpften, hochroten Gesichter der Kinder gesehen hat, würde das auch nicht wollen. Aber was ist die Alternative?

Hitze macht den Menschen in Köln und ganz Deutschland zu schaffen. (Symbolbild)

Hitze macht den Menschen in Köln und ganz Deutschland zu schaffen. (Symbolbild)

Die meisten Eltern können nicht einfach mittags die Arbeit verlassen. Termine, Konferenzen, Aufträge verschwinden nicht, weil das Thermometer steigt. Also bleibt oft nur die OGS oder der ganze Nachmittag in der Kita. Und ein schlechtes Gefühl im Bauch. Das Gefühl von Schuld.

Im Klassenzimmer gibt es nicht mal einen Ventilator. Im vergangenen Jahr habe ich spontan ein Gerät für die Klasse meines Kindes mitgebracht. Eine kleine Hilfe, dachte ich. Doch den Ventilator musste ich wieder mitnehmen: zu viele Vorschriften, Haftungsfragen, Bürokratie. 

Kinder, Alte, Kranke schwitzen: Deutschland im Klimastress

Seit Jahren reden wir über den Klimawandel. Seit Jahren werden die Sommer heißer. Trotzdem sitzen Kinder in überhitzten Klassenräumen und Kitas, liegen Kranke und Ältere in aufgeheizten Zimmern, während viele Erwachsene in klimatisierten Büros arbeiten. Dabei gehören Kinder, alte Menschen und Kranke zu den besonders gefährdeten Gruppen. Sie müssten zuerst vor der Hitze geschützt werden, nicht zuletzt.

Und es gibt längst technische Lösungen. Wärmepumpen können heizen und kühlen. In Verbindung mit Solaranlagen können sie einen Teil ihres Energiebedarfs selbst decken. Das kostet Geld. Und ausgerechnet jetzt wird in Köln angekündigt, Schulbauprojekte günstiger zu planen. Einsparpotenzial sieht man unter anderem bei: Lüftungsanlagen.

Manchmal ist es zu heiß zum Lernen. Diese Tage werden eher häufiger als seltener. (Archivbild)

Manchmal ist es zu heiß zum Lernen. Diese Tage werden eher häufiger als seltener. (Archivbild)

Gewerkschaften, Ärzte, Klimaforschende und Verbände fordern seit Jahren mehr Hitzeschutz. Die Warnungen liegen auf dem Tisch, die Sommer liefern den Beweis. Was fehlt, ist der politische Wille, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Wenn mein Sohn an einem heißen Tag erschöpft vor dem Ventilator sitzt, während ich am Küchentisch arbeite, dann ist das kein individuelles Problem einer Familie. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir auf eine Zukunft nicht vorbereitet sind, die längst begonnen hat.

Als Kind habe ich auf Hitzefrei gehofft. Heute hoffe ich, dass wir endlich Schulen bauen und sanieren, sodass Hitzefrei ausstirbt. Denn wenn es zur Regel wird, haben wir alle ein größeres Problem als einen ausgefallenen Schultag.