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Serie „Kölner Plätze“Von der Gräberstraße zum Herzstück der Südstadt

4 min
Straßenbahnen und Kutschen vor mehr als 100 Jahren auf dem Chlodwigplatz

Straßenbahnen und Kutschen vor mehr als 100 Jahren auf dem Chlodwigplatz

In einem Keller am Chlodwigplatz fanden Bewohner die Trümmer eines riesigen Grabmals.

Der Platz lag schon in der Römerzeit an einer wichtigen Verkehrsader: An der Fernstraße nach Bonn – heute ist der Verlauf noch in der Bonner Straße zu erkennen. Bewohnt war die Gegend damals aber wohl eher spärlich, lag sie doch damals ganz am Rand der Stadt. 1180 wurde mit den Bauarbeiten für die neue Stadtbefestigung begonnen und dafür in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch die Severinstorburg errichtet. Als man viele Jahrhunderte später, um 1880, die mittelalterliche Stadtmauer samt der Tore beseitigen wollte, blieb die Severinstorburg glücklicherweise stehen – heute ist sie eine von nur noch vier erhaltenen Stadttorburgen.

1883 wurde der Platz nach dem Merowingerkönig Chlodwig I. benannt. Chlodwig (466-511 n. Chr.) wird nachgesagt, dass er sehr grausam war. Er gilt als Begründer des Frankenreiches. Die Namensgebung folgte einem historischen Konzept: Die verschiedenen Teile der Kölner Ringe, die dem Verlauf der beseitigten Stadtmauer folgten, wurden nach bedeutenden historischen Herrschern in chronologischer Reihenfolge benannt.

Das Poblicius-Grabmal steht im Römisch-Germanischen Museum

Gräbt man unter dem Chlodwigplatz, stößt man auf überall auf historische Spuren. So wurden zum Beispiel die Reste des Bollwerkes vor der Severinstorburg beim Bau der U-Bahn 2004 bis 2006 ausgegraben. Die Rekonstruktion einer Mauer kann man heute in der U-Bahnstation sehen. Außerdem stieß man auf ein großes römisches Gräberfeld samt Skelett. Entscheidende Informationen über die Geschichte des Platzes brachte auch ein Ereignis im Jahr 1965. Damals fanden Bewohner bei Vorarbeiten zur Erweiterung ihres Hauses am Chlodwigplatz 24 (heute ein Schuhgeschäft) im Keller riesige Steinquader, manche verziert und mit Inschriften – die Fragmente eines römischen Grabmals, wie sich später herausstellte.

Die Söhne der Familie Gens gruben zusammen mit Freunden bis 1967 etwa 17.000 Stunden lang bis zu neun Metern Tiefe Steine aus und präsentierten anschließend über 70 Quader. Dieses „Privatmuseum“ wurde von den Kölnern begeistert besucht. Es sollen 15.000 Menschen gekommen sein, um die Steine zusehen. Inwieweit das mit dem Segen der Stadt geschah – darüber gibt es unterschiedliche Darstellungen. Schließlich gelang es Archäologen, die Funde für das geplante Römisch-Germanische Museum zu gewinnen. In der Ausstellung „Römer am Rhein“ wurden 1967 erste Stücke gezeigt. Für 510.000 Mark kaufte die Stadt 1970 schließlich alle ausgegrabenen Steine. Das Grabmal, so die Fachleute, war wohl in der Antike eingestürzt, möglicherweise durch Hochwasser im Rhein. Und dann vergessen worden.

Josef Gens entdeckte das Poblicius-Grabmal unter dem Haus seiner Eltern.

Josef Gens entdeckte das Poblicius-Grabmal unter dem Haus seiner Eltern.

Heute ist das rekonstruierte, 14,70 Meter hohe Grabmal des Poblicius im Römisch-Germanischen Museum zuhause. Allerdings ist es wegen der Sanierungsarbeiten derzeit abgedeckt und teilweise abgebaut. Josef Gens, einer der Ausgräber von damals, hält noch heute Vorträge über das archäologische Abenteuer. Er beschreibt die damalige Umgebung des Chlodwigplatzes als die „Via Appia Kölns“ – die Bonner Straße und die Severinstraße seien ähnlich wie die berühmte römische Via Appia eine breite Gräberstraße mit prächtigen Grabbauten gewesen.

Das „Früh em Veedel“ steht unter Denkmalschutz

Wie mehr als 100 Jahre alte Fotos zeigen, wurde der Chlodwigplatz nach dem Wachsen der Stadt über die ehemaligen Stadtmauergrenzen hinaus schnell zum Verkehrsknotenpunkt. Eine Pferdebahn- und später eine Straßenbahnhaltestelle bestand hier bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. An der Form des Platzes hat sich kaum etwas geändert, auch wenn kaum noch ein historisches Gebäude steht. Eine Ausnahme ist das „Früh em Veedel“. Das 1886 erbaute Haus steht unter Denkmalschutz. Es wird in Anlehnung an den Pariser Bau, den Napoleon für Kriegsheimkehrer errichtete, „Invalidendom“ genannt, da sich früher hier die Rentner und Veteranen schon früh morgens trafen.

Bundesweit bekannt wurde der Platz durch das „Arsch Huh“-Konzert am 9. November 1992, als sich etwa 100.000 Menschen hier versammelten und mit kölschen Musikstars gegen Rassismus und Neonazis protestierten.

Leseraufruf zur Serie

Unsere Serie „Kölner Plätze“ rückt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Fokus. Wir erklären, wieso der Platz heute so aussieht, wie er aussieht. Wir sprechen mit den Menschen, die dort wohnen und arbeiten. Daraus entsteht eine To-do-Liste: Die Menschen, die an dem Platz leben, können nicht nur am besten beschreiben, was ihn zu einem essenziellen Teil Kölns macht. Sie sehen auch jeden Tag, wo es Verbesserungsbedarf gibt.Reden auch Sie mit uns über den Chlodwigplatz: Wie erleben Sie ihn? Was hält Sie hier? Was fehlt? Ergänzen Sie die Aufgabenliste! Vielleicht haben Sie eine besondere Geschichte zu erzählen, die Sie mit dem Chlodwigplatz verbindet. Oder haben Sie besonders schöne, auch bezeichnende oder historische Fotos des Platzes? Dann senden Sie eine Mail an ksta-koeln@kstamedien.de.