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Sechs Millionen Euro im JahrSicherheit an Karneval kostet Stadt Köln deutlich mehr Geld

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11.11.2025, Köln: Die Jecken feiern auf dem Heumarkt. Elfter im Elften, Sessionseröffnung in der Altstadt. Foto: Uwe Weiser

11.11.2025, Köln: Die Jecken feiern auf dem Heumarkt. Elfter im Elften, Sessionseröffnung in der Altstadt. Foto: Uwe Weiser

Auch wegen mehr Anschlägen auf Großveranstaltungen will die Stadt Köln mehr für das Risikomanagement im Straßenkarneval ausgeben.

Die Kosten für Sicherheit an Karneval steigen für die Stadt Köln massiv an. Etwa sechs Millionen Euro gibt die Verwaltung jährlich für den Straßenkarneval am 11.11. und von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag aus. So steht es in der Ausschreibung, mit der die Stadt eine Sicherheitsfirma sucht. 2019 lagen die Ausgaben noch bei einem Sechstel der Summe: unter einer Million Euro.

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was wird teurer?

Das Risikomanagement erhöht sich laut Stadt, das bedeutet: mehr Überwachung, mehr Sicherheitskräfte vor allem in der Altstadt, dem Kwartier Latäng und der Südstadt, und mehr Orte sollen ausgeleuchtet werden. Gibt es weniger dunkle Ecken, begehen Feiernde weniger Ordnungswidrigkeiten wie Wildpinkeln und Straftaten, so die Theorie. Auch müssen Sicherheitskräfte das Glasverbot kontrollieren, das in diversen Straßenzügen gilt, und Sperrungen im Straßenverkehr rund um die Feier­zonen aufbauen und überwachen. Die Straßensperren sind in den vergangenen Jahren mehr und umfassender geworden. Auch in Köln kommen Überfahrsperren zum Einsatz, die Menschenmassen vor Autos und LKW schützen.

Eingerechnet in die sechs Millionen Euro sind auch die verkehrliche Absicherung des Rosenmontagszugs und der Schull- und Veedelszöch am Sonntag. Dazu gibt es mehr und größere Messerverbotszonen und eine verstärkte Videoüberwachung der Feierbereiche: An fast 30 Standorten will die Stadt mit Kameras besser den Überblick behalten. Und die Uniwiesen werden weiter mit Platten abgedeckt, weil sie trotz ihres Status als Landschaftsschutzgebiet für den Straßenkarneval rund um die Zülpicher Straße am 11.11. und an Weiberfastnacht genutzt werden.

25.02.2025, Köln: Vorbereitungen für Weiberfastnacht auf der Zülpicher Straße.

Foto: Michael Bause

25.02.2025, Köln: Vorbereitungen für Weiberfastnacht auf der Zülpicher Straße. Foto: Michael Bause

Wieso gibt die Stadt Köln überhaupt so viel für Feiern auf den Straßen aus?

Die Stadt Köln ist als Ordnungsbehörde zur Gefahrenabwehr verpflichtet und identifiziert selbst den Straßenkarneval als „potentiell massive Gefahr für die Sicherheit und Ordnung (insbesondere auch Leib und Leben der Feiernden selbst, aber auch aller anderen in den Bereichen befindlichen Dritten)“. Für den Karneval das Risikomanagement zu erhöhen, habe sich mehrfach bestätigt. Die Stadt setzt dafür schon länger auf die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister, der dem Ordnungsamt die Koordination abnimmt. Das entlaste die städtischen Mitarbeitenden, die dafür verstärkte Präsenz im öffentlichen Raum zeigten, teilt die Stadt mit.

Solch einen Dienstleister will sie mit einer neuen Ausschreibung für die kommende Session erneut suchen, zunächst für ein Jahr. Aber es soll die Option zur dreimaligen Verlängerung geben. Auswahl und Beauftragung sollen im Juli und August dieses Jahres erfolgen. Dazu sucht sie noch weitere Dienstleister für mobile Toiletten und Überfahrsperren, die Menschenmengen vor Autos schützen. Für die Sicherheit im Straßenkarneval kalkuliert die Stadt Köln so von 2026 bis 2030 Kosten von insgesamt rund 25 Millionen Euro ein. Am Donnerstag soll der Stadtrat die Summe freigeben.

Wie war die Entwicklung in der Vergangenheit?

Schon ab 2018/2019 stiegen die Kosten: Damals lagen sie für die städtischen Sicherheitsdienstleistungen an Karneval bei 0,89 Millionen Euro. Im Vorjahr war am 11.11.2017 die Feierei auf der Zülpicher Straße zum ersten Mal eskaliert. Seitdem übernimmt ein externes Unternehmen die Bewachung unter anderem der Zülpicher Straße am 11.11. und von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag.

Nur in der Corona-Pandemie 2020/2021 betrugen die Kosten lediglich 0,46 Millionen Euro, bevor sie zur Session 2022/2023 auf 2,99 Millionen Euro explodierten, unter anderem wegen der Nutzung der Uniwiese als Ausweichfläche. Die Abdeckung zu ihrem Schutz kostete 2023 allein eine halbe Million Euro.

Gibt es denn ein verschärftes Gesetz, das die Stadt dazu verpflichtet, strenger auf die Sicherheit zu achten?

Nein. Das teilte das Innenministerium des Landes NRW mit: „Es gibt keine verschärfte gesetzliche Regelung.“ Demnach erfolgt die individuelle Planung und Genehmigung von Veranstaltungen jeweils vor Ort in der Kommune. „Das Ministerium des Inneren NRW macht keine Vorgaben zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen – etwa zur Abwehr terroristischer Anschläge. Über Sicherheitskonzepte und konkrete Sicherheitsmaßnahmen ist vor Ort unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten zwischen den Beteiligten zu entscheiden.“

Warum änderte sich dann die Herangehensweise und die Ausgaben steigen?

Einen Hinweis gibt eine Passage in einem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes von 2023, dort heißt es: „Mit dem Loveparade-Unglück im Juli 2010 in Duisburg entwickelte sich ein neues Gefahrenbewusstsein für die Durchführung von Großveranstaltungen. Für die Stadt Köln als fiktive Veranstalterin der Großveranstaltung Karneval steht die öffentliche Sicherheit und Gefahrenabwehr im Vordergrund. Diese zu gewährleisten ist äußerst personalintensiv.“

Eine Rolle spielen mittlerweile auch Attentate der vergangenen Jahre. Die Stadt Köln begründet die gestiegenen Kosten aktuell unter anderem so: „Bedingt durch Anschläge auf Großveranstaltungen im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren wurden sogenannte Messerverbotszonen bestimmt und regelmäßig technische Sperren (gegen Überfahrtaten) eingerichtet, um Menschen bestmöglich vor Angriffen zu schützen.“

2025 verschärften sogar einige Städte noch kurzfristig im Januar die Sicherheitsanforderungen an Karnevalsumzüge, nachdem in Magdeburg auf dem Weihnachtsmarkt ein Mann mit seinem Auto sechs Menschen getötet und knapp 300 verletzt hatte. Züge in NRW wären fast ausgefallen, etwa weil die Organisatoren jede Zufahrt mit quer geparkten Privatautos hätten absichern sollen, die Auflagen aber kaum erfüllen konnten.

Wie äußern sich andere?

Geschäftsführer Andreas Wohland vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen allgemein zu den gestiegenen Kosten für Städte: „Wir appellieren, verhältnismäßige Lösungen anzustreben, die nicht den Anschein erwecken, eine hundertprozentige Sicherheit zu gewährleisten, die es nicht gibt. Es ist überhaupt nichts gewonnen, wenn Brauchtumsveranstaltungen ausfallen, weil sie unbezahlbar geworden sind. Wir können diese Schraube nicht jedes Jahr weiterdrehen und übers Ziel hinausschießen.“ Laut Wohland geht der Besuch einer Großveranstaltung auch mit einem gewissen Lebensrisiko einher, dessen sich die Menschen bewusst sein sollten.

Der Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen ist ein Zusammenschluss von 361 der 396 Kommunen im Bundesland Nordrhein-Westfalen, Köln gehört nicht dazu.