Silvester in KölnSo planen Stadt und Polizei ein sicheres Neujahrsfest

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Eine Visualisierung der geplanten Lichtinstallation am Dom.

Köln – Stadt, Polizei und Bundespolizei haben am Montag das Sicherheitskonzept für die Kölner Silvesternacht 2016 vorgestellt.Die Schwerpunkte: viel Licht, keine Böller, Kameraüberwachung und massiver Personaleinsatz – Das Motto: „Fröhlich und sicher Silvester feiern in Köln“.

Wer sorgt für Sicherheit?

Ein Koordinierungsstab wird aus dem Spanischen Bau des Rathauses den Einsatz an Silvester abstimmen. Neben den Polizeibehörden und der Stadt sind hier auch Hilfsorganisationen und Sicherheitsdienste vertreten. Auf der Straße sollen rund 2400 Personen dafür Sorge tragen, dass die Silvesternacht friedlich abläuft: Die Kölner Polizei ist zehnmal so stark vertreten wie im vergangenen Jahr – mit etwa 1500 Beamten.

300 von ihnen werden in Dreierteams unterwegs und für die Menschen ansprechbar sein. „Für diejenigen, die trotz aller Warnungen nach Köln kommen, um im Gedränge Straftaten zu begehen, wird die Silvesternacht bei der Polizei enden“, sagt Polizeipräsident Jürgen Mathies. Die Behörde wird von rund 350 Kräften des Ordnungsamtes und 250 Ordnern privater Sicherheitsdienste unterstützt. Hinzu kommen etwa 300 Bundespolizisten am Hauptbahnhof und am Bahnhof Deutz. In den Bahnhöfen und Zügen sind auch Taschendiebstahlfahnder der Bundespolizei unterwegs. „Wir werden alles dafür tun, dass die Bürger und Besucher friedlich und sicher auf Kölner Straßen, Plätzen und Brücken feiern können“, sagt Mathies. Das alles soll funktionieren, „ohne den Menschen die Freude am Feiern durch massive Sicherheitsvorkehrungen zu nehmen“. Oberbürgermeisterin Henriette Reker möchte ein klares Signal senden: „Köln ist wieder die sichere Stadt, die sie vor über einem Jahr war, heute sogar noch sicherer.“

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Wie beobachtet die Polizei die Lage in der Nacht?

Noch in dieser Woche wird mit der Montage von Kameras auf dem Bahnhofsvorplatz begonnen. Die Bilder werden in der Silvesternacht direkt ins Polizeipräsidium übertragen. An weiteren Orten werden mobile Kameras eingesetzt. Die Bundespolizisten werden zusätzlich auch noch Körperkameras, sogenannte Bodycams, tragen.

Hat die Polizei noch andere Maßnahmen ergriffen?

Ja, als weitere „lokale Schwerpunkte“ bezeichnet sie die Partymeile auf den Ringen. Ebenso das Studentenviertel rund um die Zülpicher Straße. Neben letzterer sollen der Bahnhofsvorplatz, der Breslauer Platz, das Domumfeld und der Rheingarten durch zusätzliche Beleuchtung erhellt werden. Der Rheinboulevard wird nur im oberen Bereich geöffnet. Die Sitzstufen bleiben geschlossen und bilden den Rahmen für ein bengalisches Feuerwerk.

Welche Brücken und Bereiche werden gesperrt?

Anders als in den Vorjahren wird die Hohenzollernbrücke in beiden Richtungen für Fußgänger gesperrt. Auch die Zoobrücke, die Deutzer Brücke und die Severinsbrücke sind von den Sperrungen betroffen. Darüber hinaus sind je nach Besucheraufkommen auch Sperrungen für das Rheinufer, die Ringe und das Zülpicher Viertel vorgesehen.

An wen können sich hilfesuchende Personen wenden?

Das Amt für Kinder, Jugend und Familie setzt 20 Streetworker ein, die vor allem hilfesuchenden Jugendlichen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen sollen. Sie sind flexibel einsetzbar, ihr Einsatzort liegt aber vornehmlich um den Dom herum sowie in der Altstadt. Ein Beratungsmobil der „Kölner Initiative gegen sexualisierte Gewalt“ fungiert als Anlaufstelle für Frauen und Mädchen. Von Gewalt betroffene Frauen erhalten hier professionelle Beratung und Unterstützung und werden auch zur Polizei oder ins Krankenhaus begleitet. Jürgen Mathies und Henriette Reker betonen, dass Menschen auf der Suche nach Hilfe alle Einsatzkräfte ansprechen können, egal, ob sie von der Polizei oder der Stadt kommen.

Wie wird die Schutzzone rund um den Dom gestaltet?

Im Domumfeld sind Feuerwerkskörper in diesem Jahr nicht erlaubt. Diese „böllerfreie“ Zone gilt ab 17 Uhr und wird durch ein hüfthohes Drängelgitter gesichert. An etwa 50 Eingangsschleusen werden die Besucher kontrolliert, wer Pyrotechnik bei sich hat, wird nicht eingelassen. Die Domplatte mit dem Roncalliplatz wird zum Schauplatz verschiedener künstlerischer Angebote.

Wie attraktiv ist das kulturelle Programm im Domumfeld?

Am Nachmittag singt der Chor „Grenzenlos“ oberhalb der Domtreppe. Er wird gebildet aus Mitgliedern des Jugendchors St. Stephan, der Gruppe „Lucky Kids“ und jungen Flüchtlingen im Alter von 14 bis 25 Jahren. In Englisch, Deutsch, Kölsch und ihren Muttersprachen wollen sie für ein harmonisches Miteinander singen und werden dabei von Initiator Henning Krautmacher unterstützt. Danach startet die Lichtinszenierung „Dein Wort für Köln“ des Künstlers Philipp Geist, der die Besucher in das Kunstwerk einbeziehen möchte. Die Projektion greift Wortzusendungen Kölner Bürger auf und soll bewusst nicht den Dom in den Mittelpunkt stellen, sondern die Fläche und die Menschen. „Die Kölner sollen sich ihren Platz rund um den Dom zurückerobern“, sagt Henriette Reker zu den Plänen. Bis in den frühen Neujahrsmorgen ist die Installation zu sehen. Noch vor Mitternacht singt der Chor „Gospelcologne“ auf einer kleinen Bühne vor dem Dom, auch hier sind die Kölner zum Mitmachen eingeladen.

So planen andere NRW-Städte die Sicherheit in der Silvesternacht

Im NRW-Innenministerium ist man sehr zurückhaltend, was die Einsatzpläne für die Silvesternacht angeht. Die Politiker im Innenausschuss des Landtags wurden in der vergangenen Woche in nicht-öffentlicher Sitzung über die Details informiert, Einzelheiten sollen nicht an die Öffentlichkeit dringen. Fest steht: Zum Jahreswechsel werden  18 Einsatzhundertschaften mit je 138 Beamten unterwegs sein, fünf davon allein in Köln.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“  haben darüber hinaus die Polizeipräsidenten von Düsseldorf, Bielefeld und Münster Verstärkung angefordert. Der Schwerpunkt liegt also eindeutig auf den Großstädten des Landes.

In Düsseldorf werden zwei Hundertschaften stationiert, in Münster und Bielefeld je eine. Weitere stehen in Recklinghausen, Bochum, Aachen und Bonn bereit. Nach der bisherigen Bewertung der Lage werde man damit auskommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die meisten Polizeibehörden des Landes hätten mitgeteilt, dass sie den Einsatz mit ihren eigenen Kräften bewältigen können und keine Verstärkung benötigen. Auf mögliche Hilferufe aus den Städten könne man jederzeit reagieren.

Bundespolizei erhöht ihre Präsenz

Auch die Bundespolizei, die für die Überwachung der Züge und Bahnhöfe zuständig ist, wird ihre Präsenz an Silvester deutlich hochfahren. „Wir haben uns intensiv auf den Großeinsatz vorbereitet und werden insbesondere in Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet mit starken Einsatzkräften in den Bahnhöfen und Zügen präsent sein“, sagte Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizei in Sankt Augustin.

In Nordrhein-Westfalen werden insgesamt 800 Bundespolizisten und 250 Security-Mitarbeiter der Deutschen Bahn unterwegs sein. Neben den uniformierten Kräften werden nach Angaben von Wurm auch Zivilbeamte im Einsatz sein, unter ihnen vor allem Taschendiebstahlsfahnder. Auf den Vorplätzen des Kölner Hauptbahnhofs und der Bahnhofs Köln-Messe/Deutz werden mobile Wachen der Bundespolizei eingerichtet, die als Ansprechstellen dienen sollen. Falls erforderlich, können an beiden Bahnhöfen auch die Schnelle Zugangskontrolle eingerichtet werden.

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