Niedrigwasser und hohe Temperaturen im Rhein bereiten vielen Fischarten zurzeit Probleme. Aber es gibt auch positive Entwicklungen.
Fische leiden unter ExtremwetterSo wirken sich Hitze und Dürre auf den Rhein aus

Für Lachse sind die momentanen Wassertemperaturen des Rheins zu hoch.
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Die gute Nachricht zuerst: Der Maifisch ist zurück. Die Heringsart, die im Rhein jahrzehntelang als ausgestorben galt, ist dank der Wiederansiedelungsprogramme wieder häufiger in Köln und weiter stromaufwärts zu finden. Im Juni 2025 wurden in Poll 50.000 Maifischlarven im Rhein ausgesetzt, um die Bestände zu stärken – ähnliche Maßnahmen finden seit Jahren auch an der Sieg sowie in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg statt. Das zeigt langsam Erfolg.
„Wir verzeichnen dieses Jahr eine absolute Rekordmenge an aufsteigenden Maifischen“, berichtet Biologe Matthias Scholten von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). An der Fischaufstiegsstation in die Mosel bei Koblenz seien bis Ende Juli bereits mehr als 100 Maifische gezählt worden. „Das ist schon etwas Besonderes.“ Vergangenes Jahr hatte man dort insgesamt nur 32 Exemplare erfasst.
Maifische wandern im Frühjahr den Rhein hinauf
Aus der Nordsee kommend wandern Maifische im Frühjahr den Rhein hinauf, um im Fluss und seinen Nebengewässern zu laichen. Auch am Oberrhein habe man dieses Jahr etliche Maifische gezählt, erläutert Scholten. „Wir sehen hier positive Effekte der systematischen Wiederansiedelung des Maifisches im Rhein.“ Biologe Armin Nemitz vom Rheinischen Fischereiverband in Siegburg bestätigt die Entwicklung.
„Im April und Mai hat der Rhein genug Wasser geführt, und es war noch vergleichsweise kühl. Deshalb hatten wir dieses Jahr viele Maifische.“ Die im Frühjahr geschlüpften Larven reifen im Fluss zu Jungfischen heran und schwimmen im Sommer bis Herbst in die Nordsee. Sind sie nach drei oder mehr Jahren geschlechtsreif, kehren sie zum Laichen zurück in den Rhein.

Ein junger Maifisch im Rhein. In Poll wurden voriges Jahr 50.000 Maifischlarven ausgesetzt.
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Jahrhundertelang war der Maifisch in Köln und am gesamten Rhein ein wichtiger Speisefisch. Wie erfolgreich seine Wiederansiedelung sein wird, hängt von vielen Faktoren ab, darunter das Wetter. Die Hitze und Dürre der vergangenen Wochen haben im Rhein zu extremem Niedrigwasser geführt und die Wassertemperatur stark ansteigen lassen. Das hat Folgen für das gesamte Ökosystem – für viele Fischarten werden die Lebensbedingungen schlechter.
„Zurzeit messen wir im Rhein im Tagesmittel Temperaturen von rund 26 Grad Celsius. Der bisherige Spitzenwert in diesem Jahr wurde am ersten Juli-Wochenende mit 29,0 Grad erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord von 28,2 Grad Tagesmittelwert aus dem Jahr 2006 übertroffen“, erklärt BfG-Experte Matthias Scholten.
Bei Wassertemperaturen über 25 Grad wird es den Fischen zu warm
Jenseits der 25 Grad werde es den meisten Fischarten zu warm, so der Biologe. Mit zunehmender Wassertemperatur seien sie anfälliger für Krankheiten, weil sich Erreger leichter vermehren können. Außerdem sinke der Sauerstoffgehalt des Wassers. „Die Fische verbrauchen viel mehr Energie und geraten dadurch unter Hungerstress. Bei Wassertemperaturen von 30 Grad und mehr können viele Arten hitzebedingt sterben.“ Der optimale Temperaturbereich für typische Rheinfische wie Aland, Döbel, Flussbarsch und Rotauge liege im Sommer bei maximal 24 bis 25 Grad. „Andere Arten wie Aal, Hasel und Nase mögen es deutlich kühler.“ Für sie könnten schon Wassertemperaturen ab 26 Grad lebensgefährlich sein.
Auch für den Lachs, der aus dem kühlen Atlantik in den Rhein und weiter in die Sieg und andere Nebenflüsse wandert, wird es bei steigenden Flusstemperaturen kritisch. „Lachse, die im Frühjahr bei uns in der Region geschlüpft sind, bleiben ein bis zwei Jahre hier, bevor sie in den Atlantik wandern. Sind die Wassertemperaturen in Rhein und Sieg im Sommer zu hoch, hören die Jungfische auf zu fressen, erreichen die erforderliche Größe nicht und kommen schlechter über den Winter“, weiß Armin Nemitz. „Dagegen gehört der Maifisch zu den Rheinfischen, die mit höheren Temperaturen etwas besser klarkommen.“
Entscheidend für eine erfolgreiche Vermehrung der Lachse sei auch der Wasserstand. „Wenn die Flüsse nicht genug Wasser führen, stellen die erwachsenen Lachse das Wandern ein. Sie brauchen erhöhte Abflüsse als Auslöser für ihre Wanderung zu den Laichgründen.“ Diese finde in NRW vornehmlich von Mitte September bis November statt. „Für den Lachs wird es also darauf ankommen, ob der Rhein im Herbst wieder normale Pegelstände aufweist oder ob die Dürre weiter anhält.“

Im Juni 2025 setzte NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (rote Jacke) gemeinsam mit Schulkindern in Köln-Poll 50.000 Maifischlarven im Rhein aus.
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Der Klimawandel verändere das Ökosystem der Flüsse nachhaltig, so Nemitz. „Wir erleben eine Mediterranisierung der Flüsse, bei der kälteliebende heimische Fische zunehmend unter Stress geraten oder auch von zugewanderten Arten zurückgedrängt werden.“ So sei etwa die Äsche im Rheingebiet durch veränderte Umweltbedingungen „hochgradig gefährdet“. Vielen Beständen setze auch die Vermehrung ihrer Fressfeinde zu. Dazu zählen etwa der Kormoran, dessen Bestände seit den 1990er-Jahren am Rhein und seinen Nebenflüssen stark zugenommen haben, sowie der Europäische Wels. „Dieser große Raubfisch ist thermophil, also wärmeliebend. Er profitiert von den höheren Temperaturen.“
Fische können bei Niedrigwasser von Schiffsschrauben verletzt werden
Das aktuelle Niedrigwasser belaste die Fischpopulation im Rhein auf mehrfache Weise, betont BfG-Experte Matthias Scholten. „Einerseits führt der niedrige Wasserstand dazu, dass sich der Rhein durch die Sonneneinstrahlung schneller aufheizt. Andererseits verlieren Fische sowie andere Wasserorganismen zunehmend ihren Lebensraum und konzentrieren sich bei Niedrigwasser in der verbleibenden Fahrrinne. Hier besteht die potenzielle Gefahr für Fische, durch Schiffsschrauben verletzt zu werden. Aber eine wissenschaftliche Untersuchung dazu gibt es bislang nicht.“
Ein weiteres Problem: Die hohen Temperaturen haben das Pflanzenwachstum im Rhein kräftig angekurbelt. Manche Stellen im Uferbereich sind mit Wasserpflanzen und Algen regelrecht zugewachsen. Das sei vor allem in flachen Nebenarmen mit geringem Wasseraustausch ein Problem, so Scholten. „Wenn die Algen nachts Sauerstoff verbrauchen, kann der Sauerstoffgehalt kritische Werte unterschreiten. Dann sterben viele Organismen ab.“ Im Rhein selbst sei der Sauerstoffgehalt des Wassers dank der Strömung aber bislang ausreichend. Dadurch könnten auch Weichtiere wie die aus Asien eingeschleppte Körbchenmuschel im Fluss überleben.

Schalen der Körbchenmuschel am Rheinufer in Niehl. Die invasive Art wurde aus Südostasien eingeschleppt.
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Seit der Sandoz-Katastrophe in Basel 1986, die ein verheerendes Fischsterben auslöste, habe sich die Fischpopulation im Rhein grundsätzlich gut entwickelt, betont der Experte. „Durch häufigere Hitze- und Dürreperioden beschleunigt sich jedoch die Ausbreitung invasiver Arten.“ Dazu zähle etwa die Schwarzmaul-Grundel, die mit Ballastwasser von Schiffen über den Main-Donau-Kanal aus dem Schwarzmeerraum eingeschleppt wurde. „Sie frisst Laich heimischer Arten und greift so in die Bestände ein.“ Weitere zugewanderte Arten sind die Quaggamuschel, der Höckerflohkrebs und die Chinesische Wollhandkrabbe.
Wie sich die Lage im Rhein in nächster Zeit entwickeln wird, vermag der Biologe nicht vorherzusagen. „Zwar ist es derzeit kühler, doch können auch im August noch sehr hohe Wassertemperaturen auftreten, das hat sich 2022 gezeigt.“ Empfehlenswert sei, in den nächsten Jahren die Gehölzentwicklung entlang der Ufer der Nebenflüsse des Rheins stärker zu fördern, um für mehr Schatten und damit kühlere Wassertemperaturen zu sorgen. Für die momentan schwierige Situation des Ökosystems Rhein gebe es nur eine Lösung: „Es muss tagelang regnen“, so Scholten.
