Seit Jahren steht eine Genehmigung für den dauerhaften Betrieb aus. Nun darf die Location auch nicht mehr einen NRW-Erlass anwenden, der 25 Events pro Jahr ohne Bauantrag zulässt.
„Infam“Stadt Köln untersagt Events an der Südbrücke – So reagieren Betreiber und Clubszene

Konzert der Band DoNots an der Südbrücke von 2025
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Bereits geplante Veranstaltungen im Juli und August müssen in der Location Südbrücke in Poll bis auf Weiteres ausfallen. Die Stadt hat per Ordnungsverfügung die Events an der Open-Air-Fläche untersagt, teilt die Klubkomm, der Verband der Kölner Clubs und Veranstalter, mit. Hintergrund seien „plötzliche, nicht nachvollziehbare Änderungen in der rechtlichen Bewertung der Genehmigungslage durch die Stadtverwaltung“, so die Klubkomm.
Ein Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen erlaubt seit 2024, dass Veranstalter für bis zu 25 Events im Jahr mit unter 5000 Besuchern keine Einzelgenehmigung der Bauaufsicht brauchen, sofern alle Gutachten wie etwa zu Schall- und Umweltschutz sowie Sicherheitskonzepte vorliegen. Wie viele andere nutzte auch die Südbrücke diese Regelung im Jahr 2025. Doch seit diesem Jahr darf die Südbrücke laut Klubkomm als einzige Kölner Location von dem Erlass nicht mehr Gebrauch machen. Die Beweggründe seien nicht nachvollziehbar.
Auf Nachfrage der Redaktion teilt die Stadt mit, dass sie sich auf einen Beschluss des Kölner Verwaltungsgerichtes von 2026 beziehe. Auf welchen konkret, teilt sie nicht mit. „Demnach gilt der Runderlass vom 17.06.2024 nur für Ausnahmefälle der vorübergehenden oder einmaligen Nutzung von baulichen Anlagen für Veranstaltungen, ohne zugrunde liegendes Ziel der Etablierung einer dauerhaften Veranstaltungsfläche.“
Südbrücke Köln wartet seit Jahren auf Dauergenehmigung
Da die Location Südbrücke aber ein klar abgegrenztes Veranstaltungsgelände sei, mit dem Ziel einer dauerhaften Nutzung, sei der „Erlass zur Verfahrensfreiheit von temporären Sonderbauten hier nicht anwendbar“, so die Sprecherin.
Boris Witschke von der Südbrücke zeigt sich entrüstet. „Von einem Tag auf den anderen wird uns jegliche Planungssicherheit und damit wirtschaftliche Sicherheit entzogen. Es ist für uns nicht ersichtlich, weshalb wir in diesem Jahr nicht auf Grundlage des Erlasses 25 Veranstaltungen durchführen können“, sagt er. Man habe sich, um guten Willen zu zeigen, jedoch auf die Forderung der Stadt eingelassen, einzelne Bauanträge einzureichen.

Südbrücken-Betreiber Boris Witschke mit Kira Wolter auf dem Open-Air-Gelände
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Boris Witschke von der Südbrücke: „Da hängen Existenzen dran“
Ein Open-Air-Event im Juni mit den Kölner Rappern Lugatti&9ine sollte als Blaupause für die folgenden Einzel-Anträge gelten. „Die Anträge sind im Prinzip deckungsgleich und sie hatten uns versprochen, zügig zu genehmigen. Die Stadt Köln hat sich aber als ein unzuverlässiger Partner erwiesen“, sagt Witschke. Trotz des Versprechens, so Witschke, dass sie die Einzelgenehmigungen erhalten, komme die Stadt nun nicht hinterher. Die Folge: Events müssen abgesagt werden. Witschke bezeichnet das intransparente Vorgehen der Stadtverwaltung als „infam“, das „Stringenz“ vermissen lasse.
„Da hängen Existenzen dran. Wir haben vier Personen ohne festen Wohnsitz eingestellt, weil wir auch ein sozial nachhaltiges Projekt sind“, sagt Witschke. „Wir fordern sofort unsere Dauergenehmigung. Seit fünf Jahren liegt die auf dem Tisch.“
Die Südbrücke ist Kölns größte nicht-städtische Open-Air-Fläche und bietet Platz für Konzerte, Märkte und Partys, aber auch für Theateraufführungen sowie soziale Projekte. Über mangelnde Flächen im dicht bebauten Köln gibt es seit Jahren Streit: Die Lokalpolitik setzte sich daher das Ziel, Freiluftflächen zu erschließen. Doch sind potenzielle Open-Air-Locations einmal identifiziert, stehen oftmals komplizierte Genehmigungsverfahren an.
Mit Ausnahme von neuen Zwischennutzungen wie auf dem Max-Becker-Areal oder dem neuen Quartier Bickendorf (wir berichteten) konnte das Ziel jedoch bisher nicht erreicht werden. Läge der Südbrücke eine Dauergenehmigung vor, müssten die Betreiber erst gar nicht jedes Event einzeln genehmigen lassen oder sich auf den NRW-Erlass stützen wollen. Warum die Genehmigung für den dauerhaften Spielbetrieb so lange dauert, sagt die Stadt mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.
Vor Rückschlägen stand die Location immer wieder: Im Sommer 2022 schien das Projekt aufgrund einer dort lebenden Zauneidechse und der nicht vorgesehenen kulturellen Nutzung der Fläche im Bebauungsplan vor dem Aus. Von der Stadt hieß es damals, die Südbrücke sei nicht genehmigungsfähig. Dann die Kehrtwende. Die Eidechsen sind mittlerweile umgesiedelt, doch die Südbrücke wartet noch immer. Was die Betreiber nun tun können? „Die Kolleginnen und Kollegen beim Bauaufsichtsamt bemühen sich immer, eine gute Lösung zu finden. Es wurde besprochen, dass weitere Einzelbauanträge für Folgeveranstaltungen eingereicht werden sollten und kurzfristig bearbeitet würden, sofern sie prüffähig sind“, so die Sprecherin.

Hier finden auch Foodmärkte statt.
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Bürgermeisterin Brigitta von Bülow stellt sich hinter die Südbrücke
Die Klubkomm wirft der Stadt eine „sprunghafte Auslegung der Bauvorschriften“ vor. Sie fordert unter anderem „die Anwendung des Erlasses und eine Gleichbehandlung aller Veranstalter und Veranstalterinnen durch die Bauaufsicht“.
Brigitta von Bülow von den Grünen und Bürgermeisterin der Stadt Köln kritisiert nicht nur den veränderten Umgang mit dem NRW-Erlass, sondern auch die Kurzfristigkeit der Ordnungsverfügung: „Man muss den Betreibern die Chance und die Zeit geben, die Voraussetzungen zu erfüllen.“ Die Südbrücke sei eine „große Open-Air-Fläche in Köln, die aus Eigeninitiative entstanden ist, an der ganz unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden und ganz viel passieren kann. „Zu Corona-Zeiten gab es den Anstoß, mehr Open-Air in Köln an den Start zu bringen und zu ermöglichen. Die Südbrücke ist ein sehr guter Ort, um das umzusetzen. Wenn das nicht klappt, wird Köln unheimlich viel vorenthalten“, so von Bülow.
