Abo

Für 150 Millionen EuroStadt Köln will Heinrich-Böll-Gesamtschule neubauen lassen

3 min
Die Gesamtschule in Chorweiler umfasst 31.800 Quadratmeter Fläche.(Archivbild)

Die Gesamtschule in Chorweiler umfasst 31.800 Quadratmeter Fläche.(Archivbild)

Die neue Gesamtschule soll bis 2031 fertig sein und moderne Lerncluster schaffen. Während des Baus wird weiter im alten Gebäude unterrichtet.

Die Stadt Köln lässt die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Chorweiler für 150 Millionen Euro abreißen und neu bauen. Das geht aus einer Ausschreibung hervor, in der die städtische Gebäudewirtschaft einen Totalunternehmer für das Vorhaben sucht.

Baubeginn soll noch dieses Jahr sein, zwischen Juli und September. Fertig werden soll das neue Gebäude fünf Jahre später, im Jahr 2031. Die Schülerinnen und Schüler sollen währenddessen weiter im alten Gebäude zum Unterricht gehen. Nur der Sportunterricht wird in einen Übergangsbau auf einem Grundstück nordwestlich der Schule verlegt. Die alte Halle soll erst abgerissen werden, wenn diese Alternative steht. 

Entstehen soll eine Clusterschule mit offenen Lernräumen für einen gesamten Jahrgang anstelle des alten Schulgrundrisses mit einzelnen geschlossenen Klassenzimmern auf langen Fluren. Sie soll vier bis fünf Geschosse hoch und durch eine Sporthalle mit sechs Feldern ergänzt werden. 

1660 Schülerinnen und Schüler besuchen Chorweiler Gesamtschule

Das jetzige Gebäude der Gesamtschule an der Merianstraße stammt aus dem Jahr 1974/1975, ist also 50 Jahre alt. Konzipiert wurde es für 3100 Schülerinnen und Schüler, derzeit besuchen 1660 die Schule in acht Klassen pro Jahrgang.

Der Abbruch, der Neubau und die Außenanlagen sollen alle aus einer Hand geplant und gebaut werden, die gesamte Projektsteuerung übernimmt also ein Totalunternehmer. Die Stadt Köln erklärt zu diesem Vorgehen, das sie mittlerweile standardmäßig für den Schulbau wählt: „Uns als öffentlicher Bauherrin Stadt Köln bleibt eine zeitlich sehr aufwändige sowie terminlich wie kostenriskante Vergabe nach Einzelgewerken erspart.“ Auch nach der Vergabe bleibe sie Herrin des Verfahrens, Kontrollinstanz sowie Eigentümerin der Objekte.

Der Totalunternehmer soll die BIM-Methodik anwenden, die Buchstaben stehen für „Building Information Modeling“: Er soll einen digitalen Zwilling des echten Gebäudes erstellen, in dem die einzelnen Räume samt ihrer Technik wie Lüftung und Elektroleitungen modelliert sind. Das soll die Planung leichter koordinieren lassen und auch etwa später nötige Sanierungen erleichtern.

„Im Technikraum tropft es von der Decke“

Die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte die Oberstufe der Heinrich-Böll-Gesamtschule für ein Gespräch über Kommunalpolitik kurz vor der Ratswahl im September besucht. Eine Schülerin hatte gefragt: „Viele Schulen sind marode, im Technikraum tropfte es schon von der Decke, als ich da saß, und wir konnten unsere Turnhalle nicht nutzen. Warum ist das nicht früher angegangen worden?“

Reker hatte zugestimmt: Man habe nicht darüber nachgedacht, dass man Schulen und Brücken sanieren muss. „Als ich ins Amt kam, war mir klar, dass da viel auf uns zukommt.“ Heute investiere Köln mehr in Schulbau als alle anderen deutschen Städte. 

Für die Heinrich-Böll-Gesamtschule ließ die Stadt 2023 eine Machbarkeitsberechnung anstellen, mit der man herausfinden wollte, ob eine Sanierung oder ein Neubau wirtschaftlicher ist. Zusammen mit der Generalsanierung der Gesamtschule Holweide und des Kaiserin-Theophanu-Gymnasiums in Kalk ging die Stadt von Kosten von fast 700 Millionen Euro aus, wodurch 4200 Schulplätze gesichert werden sollten.

Hohe Kosten für den Schulbau belasten den städtischen Haushalt aber zunehmend. Das Porzer Gymnasium, das derzeit gebaut wird, soll die Stadt in den kommenden 30 Jahren mindestens rund 334 Millionen Euro kosten. Es gehört anders als die Gesamtschule Chorweiler nicht der Stadt selbst, sie lässt das Gebäude bauen, um es dann zum genannten Betrag für den Zeitraum zu mieten. Derzeit plant und baut Köln 60 Projekte an 30 Standorten im Rahmen eines Schulbaumaßnahmenpakets, das insgesamt 2,8 Milliarden Euro umfasst.