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Starke Allianz hilft schwachen Herzen

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Köln – Die 70-jährige Patientin litt unter einer so schweren Herzschwäche, dass Medikamente oder Defibrillatoren-Einsatz nichts mehr ausrichten konnten. Für eine Herztransplantation kam sie nicht in Frage – aus Altersgründen und weil es einen dramatischen Mangel an Spenderorganen gibt. Dass die Frau seit einem Jahr mit einem implantierten Kunstherz einen normalen Alltag leben kann, verdankt sie der guten Vernetzung im Kooperativen Herzzentrum beidseits des Rheins. Sie wurde im Krankenhaus Porz am Rhein in der Klinik für Kardiologie und Rhythmologie unter Leitung von Professor Marc Horlitz untersucht, die Ergebnisse teilte der Kardiologe digital mit dem Herzchirurgen Professor Jan Gummert, Partner des Herzzentrums und Klinikdirektor der renommierten Herzchirurgie in Bad Oeynhausen. Dort wurde die 70-Jährige aufgenommen und erfolgreich operiert.

In Vorbereitung des 13. Herz- und Gefäßtages, mit dem das Kooperative Kölner Herzzentrum Patienten und medizinisch Interessierte über Neuigkeiten in der Herzmedizin, über Vorbeugung und Heilung aufklärt, sprach Horlitz über die künftig deutlich verstärkte Zusammenarbeit der Herz-Mediziner in Köln. Sämtliche 16 mit Herzerkrankungen befassten Kölner Kliniken und alle hier niedergelassenen Kardiologen arbeiten künftig eng zusammen, um bei Herzschwäche deutlich besser zu helfen. „Künftig gilt der Entlassungsschein aus dem Krankenhaus nach einer Herzschwäche-Behandlung als direkte Einlasskarte zum Kardiologen“, berichtet Privatdozent Detlef Gysan, der das neue Netzwerk bei der Veranstaltung präsentieren wird. Ausgebildete Herzinsuffizienz-Mitarbeiter nehmen sich beim Kardiologen der weiteren, fachgerechten Betreuung an und integrieren die Patienten in ein Langzeit-Überwachungssystem. So soll die Überlebenschance deutlich erhöht werden.

„Patienten mit Herzinsuffizienz haben derzeit eine schlechtere Prognose als viele Krebs-Erkrankte,“ sagt Gysan. Die Vernetzung helfe jedem einzelnen Patienten, entlaste das Budget der Hausärzte, werde durch gute medikamentöse Einstellung etliche Krankenhauseinweisungen verhindern können und komme deshalb auch bei allen Krankenkassen gut an. Die wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts übernimmt die Universität Köln.

Ein weiteres großes Thema ist der große Mangel an Spenderherzen. Professor Gummert, der auch Präsident der Fachgesellschaft Deutscher Herzchirurgen ist, sieht ein krasses Missverhältnis von 800 Spenderherzbedürftigen gegenüber 300 jährlichen Transplantationen. „Wir wollen auch bei jungen Menschen das Bewusstsein dafür wecken, welche Bedeutung eine Organspende hat“, sagt er und zeigt ein Plakat der Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie mit der Aufforderung „Stirb nachhaltig! Schenk Leben nach deinem Leben“. Ein bemalter Totenschädel in der Tradition des mexikanischen „Dia de los muertos“ (Tag der Toten) soll Mut machen, über den eigenen Tod zu sprechen und über Organspende nachzudenken.

In weiteren Kurzreferaten geht es um Empfehlungen zu Blutverdünnern, Fettsenkern und Lifestyle (Stefan Pingel), um Leitlinien für Kardio-CT und -MRT (Paul M. Bansmann), um eine Diskussion zu einer Studie zu Stents und Bypass-Operationen (Christian Hoppe) und den Einsatz moderner Techniken zur Lebensrettung bei plötzlichem Herztod (Thomas Kranz).

Horlitz stellt innovative Ansätze in der individualisierten Rhythmustherapie vor, Georg W. Albrecht-Früh spricht über schonende Behandlung von Gefäßerkrankungen und Peter Weßling stellt den hohen Stellenwert der Kardiologie während einer Krebstherapie in den Fokus. Zudem berichtet der Diplom-Sportlehrer Thomas Berg über Sport zur Senkung von Bluthochdruck, Diabetes- und Cholesterinwerten, Christoph Blank informiert über gefährliche Zusammenhänge zwischen Demenz und Vorhofflimmern und Professor Farhad Bakhtiary stellt das Neueste in der minimal-invasiven Behandlung von Herzklappenerkrankungen vor.

Für die Deutsche Herzstiftung verweisen Herbert Rosegger und Jürgen Hirsch auf die hohe Bedeutung sachgerechter Information, die Patienten Mut machen und ihr Leben dauerhaft positiv beeinflussen könne. Der Herztag findet trotz der Corona-Diskussion statt; der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes hat das befürwortet und wird ein Grußwort sprechen.

Detlef Gysan, Privatdozent

DIE VERANSTALTUNG

Im Maritim-Hotel, Heumarkt 20, sind Gäste am Montag, 16. März, 15 bis 18 Uhr, zum 13. Herz- und Gefäßtag willkommen. Auf Einladung des Kooperativen Kölner Herzzentrums informieren Fachleute in gut verständlichen Kurzreferaten über Herz- und Gefäßerkrankungen und Prävention und Therapie. Unter anderem geht es um Herztransplantation und Organspender-Mangel. Moderatoren sind TV-Star Hugo Egon Balder und Professor Marc Horlitz. Der Eintritt ist frei. Im vergangenen Jahr kamen zu der Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung mehr als 1000 Besucher. (bl)

www.koelner-herzzentrum.de