Die Familie kritisiert die Bundesregierung für ihre Zusammenarbeit mit der syrischen Übergangsregierung, die lange Zeit nicht über den Verbleib der Kölnerin informiert hatte.
Kritik an BundesregierungVerschleppte Kölnerin lebt – Familie erleichtert und empört

Eva Maria Michelmann befindet sich der Familie zufolge seit 95 Tagen in Isolationshaft. Jetzt konnte die Deutsche Botschaft sie besuchen.
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Die seit dem 18. Januar in Nordsyrien vermisste Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann lebt – und befindet sich in einem Gefängnis in Damaskus. Das hat das Auswärtige Amt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Montagnachmittag bestätigt. Die Deutsche Botschaft habe die 36-Jährige, die sich seit 95 Tagen in Isolationshaft befinde, in Begleitung von syrischem Sicherheitspersonal besucht, teilte der Bruder der Inhaftierten, Antonius Michelmann dieser Zeitung mit. Seine Schwester sei gesundheitlich angeschlagen. „Das Auswärtige Amt hat uns intensive Betreuung zugesichert.“
Von Eva Maria Michelmann, die sich in Rojava einer kurdischen Unabhängigkeitsbewegung angeschlossen und für kurdische Medien berichtet hatte, fehlte lange jedes Lebenszeichen. Augenzeugen zufolge hatte sie am 18. Januar in einem Jugendzentrum der Stadt Raqqa Schutz gesucht und war von dort wie viele andere prokurdische Aktivisten von regierungsnahen Milizen verschleppt worden.

Bruder Antonius Michelmann thematisierte das Verschwinden seiner Schwester in der Öffentlichtkeit.
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In der Zwischenzeit hatte die Bundesregierung mit Kanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin empfangen. Die Bundesregierung hatte dem Regime seine Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes zugesichert.
Wir sind unfassbar erleichtert, dass wir nun endlich absolute Gewissheit haben, dass meine Schwester lebt“
„Wir sind unfassbar erleichtert, dass wir nun endlich absolute Gewissheit haben, dass meine Schwester lebt“, sagt Antonius Michelmann. „Wir fühlen umso mehr Wut und Empörung, wie es sein kann, dass die deutsche Regierung mit einem Regime zusammenarbeitet, das eine deutsche Journalistin verschleppt und unter Missachtung aller völkerrechtlichen Verpflichtungen und Menschenrechte und in der Öffentlichkeit diese Tatsachen leugnet.“ Die Familie erwarte, „dass die deutsche Regierung all ihr politisches Gewicht in die Waagschale wirft, um die Freilassung von Eva, Ahmet Polad und aller Verschleppten zu erwirken“. Ahmet Polad ist ein kurdischer Journalist, der mit Michelmann zusammen verschleppt worden war.
Der Anwalt Michelmanns, Roland Meister, erwartet, dass das Konsulat in Damaskus bald erfahre, was Eva Maria Michelmann konkret vorgeworfen wird. Die Tatsache, dass die syrische Übergangsregierung die deutsche Botschaft nicht sofort über die Inhaftierung informiert habe, Michelmann keinen Zugang zu Anwälten, ihrer Familie oder anderen Vertrauten hatte und sie drei Monate in Isolationshaft war, bedeute „einen schweren Rechtsbruch“.
Antonius Michelmann bezeichnete die Isolationshaft seiner Schwester als „Folter“. „Es muss davon ausgegangen werden, dass ihr Gesundheitszustand stark angeschlagen ist. Wir fordern den sofortigen Zugang von unabhängigem, medizinischem Personal, von Anwälten und Familienangehörigen.“ Von der syrischen Regierung verlangt die Familie, Eva Maria Michelmann umgehend freizulassen.

