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„Wäre beim CSD vorneweg mitgefahren“Revue über Kölner Ikone Trude Herr im Senftöpfchen

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08.07.2026, Köln: Das Senftöpfchen-Theater erinnert mit der Trude-Herr-Revue an das „kölsche Original“ und widmet der begnadeten Komödiantin 20 Gastspieltage im September 2027.  Tanja Bahmani spielt Trude. Foto: Arton Krasniqi

Das Senftöpfchen-Theater erinnert mit der Trude-Herr-Revue an das „kölsche Original“ und widmet der begnadeten Komödiantin 20 Gastspieltage im September 2027. Tanja Bahmani spielt Trude.

Die Revue über Trude Herr des Bonner Autors und Musikers Stephan Ohm ist im September 2027 einen Monat lang zu Gast im Senftöpfchen. Der Vorverkauf ist gestartet.

Juni 1987, Trude Herr gibt ein Abschiedskonzert am Rudolfplatz, bevor sie auf die Fidschi-Inseln auswandern will. Dieses finale Konzert, bei dem die Kölner Schauspielerin und Entertainerin noch mal all ihre Hits von „Ich will keine Schokolade“, „Morgens bin ich immer müde“ bis zu „Niemals geht man so ganz“, zum Besten gibt und damit ihre Karriere Revue passieren lässt, hat so nicht stattgefunden. Dieses fiktive Konzert ist aber die zentrale Idee der „Trude-Herr-Revue“ des Bonner Autors und Musikers Stephan Ohm, der sein Stück zum 100. Geburtstag der Schauspielikone im September 2027 im Senftöpfchen-Theater in der Altstadt zeigt.

Premiere feierte die Revue im Contra-Kreis-Theater in Bonn. Auch in Köln wurde sie schon einmal einige Tage im Urania-Theater gezeigt. „Das war ein Selbstläufer und sofort ausverkauft. Die Kölner lieben einfach Trude Herr“, so der Musiker und Autor bei der Vorstellung im Senftöpfchen. Dem Haus ist der gebürtige Bonner durch seine Auftritte mit seinem Kabarett-Duo „Fritz und Hermann“ verbunden.

08.07.2026, Köln: Das Senftöpfchen-Theater erinnert mit der Trude-Herr-Revue an das „kölsche Original“ und widmet der begnadeten Komödiantin 20 Gastspieltage im September 2027.  Tanja Bahmani spielt Trude. Foto: Arton Krasniqi

Tanja Bahmani liebt die Rolle als Trude. Es fällt ihr nicht schwer, sich in die legendäre Schauspielerin hineinzuversetzen.

Alexandra Kassen, Theaterleiterin des Senftöpfchen, freut sich, dass die kölsche Schauspielerin auf ihrer Bühne in einer Rückschau gewürdigt wird. Sie sieht viele Parallelen zwischen der Geschichte ihres Hauses und dem Werdegang von Trude Herr. „Meine Eltern, die unser Theater 1959 gegründet haben, zählten wie Trude Herr zu den ersten Kulturschaffenden der freien Szene in Köln. Sie hat für das Theater, das sie 1977 auf der Severinstraße eröffnete, auch keine Subventionen bekommen.“ Kassen findet nur bewundernde Worte für Herr, die 1956 ihren Durchbruch zunächst im Kölner Karneval hatte, bevor sie ihm wieder den Rücken kehrte – weil die Schauspielerin unbequeme Kritik in Richtung der Ordensträger formulierte.

„Die Trude war selbstbestimmt, queerdenkend, was heute als fast normal gilt, was es früher aber nicht war. Wenn es damals einen CSD gegeben hätte in Köln, wäre Trude vorneweg mitgefahren. Für die damalige Zeit war sie eine außergewöhnliche Persönlichkeit“, sagt Kassen. Als sie das Stück im Bonner Theater sah, habe sie gedacht, dass es auch „bei uns laufen muss.“ An Ohms Stück schätze sie, dass die  Wesensvielfalt der Schauspielerin zur Geltung komme: Trude Herr war eine mutige, unbequeme, schrille Frau, aber eben auch eine, die leise, kokett, tiefgründig und witzig sein konnte.

Kölner Schauspielerin Tanja Bahmani identifiziert sich mit Trude Herr

Das dürfte auch der Schauspielleistung von Tanja Bahmani geschuldet sein. „Seit ich auf der Bühne stehe, wurde mir immer gesagt, du musst mal Trude Herr spielen. Es ist keine Eins-zu-eins-Kopie von Trude. Ich habe einen Weg gefunden, sie zu verkörpern, ohne sie zu verraten“, sagt die 48-Jährige. Die gebürtige Kölnerin mit iranischen Wurzeln hat mit ihrer Rolle als Trude schon sehr emotionale und bisweilen auch kuriose Erfahrungen im Theatersaal gemacht, wie sie erzählt. „Ich habe oft selbst Pipi in den Augen, weil die Leute schon Rotz und Wasser geheult haben bei der Vorstellung“, sagt Bahmani.

Bahmani, die Trude Herr äußerlich ähnlich sieht – „dafür muss ich gar nicht viel machen“ –, habe schon erlebt, dass Leute sie berühren wollten nach der Vorstellung, weil sie Trude habe aufleben lassen. Rührend findet sie, dass viele ihre alten Bücher, CDs und Fotos von Trude Herr zu den Vorstellungen mitbringen. Weitere Darsteller in der Revue sind Barbara Köhler, Stefan Erz und Stephan Ohm, Regie führt Horst Janning.

„Ich will keine Schokolade. Die Trude-Herr-Revue“ feiert Premiere am 1. September 2027 und läuft bis zum 26. September im Senftöpfchen Theater in der Altstadt. Der Vorverkauf ist gestartet, Tickets gibt es ab 39,60 Euro.