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„Von Anfang an war ich willkommen“

5 min

Lothar Plachetka ist der neue Schulleiter der Offenen Schule Köln.

Sürth – Seit zwei Monaten ist Lothar Plachetka neuer Schulleiter der Offenen Schule Köln, der inklusiven Gesamtschule im Gewerbegebiet an der Wachsfabrik 25. Lothar Plachetka kommt aus Duisburg und hat eine Familie mit vier Kindern. Viele Jahre arbeitete er als Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch, und er ist ausgebildeter Inklusionsberater. Der 57-Jährige löst Hans Flinkerbusch ab, der von Anfang an wesentlich zur Entwicklung der weiterführenden Schule beigetragen hat. Mit 64 Jahren hat er jetzt aufgehört.

Herr Plachetka, mit dem geplanten Umzug in einen eigenen Neubau und mit der Einführung einer Grundschule kommt einiges auf Sie zu. Können Sie noch ruhig schlafen?

Ja, danke, das kann ich – in kurzer Zeit ruhig schlafen. Zwar habe ich mit Neubauten weder beruflich noch privat etwas zu tun gehabt, aber das Zukünftige schreckt mich nicht. Ich habe ein sehr starkes Team, mit dem ich diese Herausforderungen gerne und freudig annehme.

Wie sieht Ihr Team aus?

Unter Team verstehe ich, dass wir eine Schulgemeinschaft sind, die aus Lehrkräften, Mitarbeitenden unserer Verwaltung und aus Eltern besteht. Und selbstverständlich auch aus Schülerinnen und Schülern, die sich einbringen. Sie alle sind so enorm engagiert, das strömt aus jeder Pore. Es ist sensationell, was bisher von dieser Gemeinschaft in einer Herkulesarbeit auf die Beine gestellt worden ist. Alle sind mit Herzblut dabei, da guckt keiner auf die Uhr, wenn wieder einmal viel Arbeit anfällt. Abgesehen davon verstehen wir uns nicht als Lehrerinnen und Lehrer, sondern als Begleiterinnen und Begleiter und Unterstützende für unsere Schülerinnen und Schüler, damit sie in Selbstbestimmtheit wachsen können.

Das haben Sie in der kurzen Zeit schon feststellen können?

Ja, das merkt jeder sofort, der an die OSK kommt. Ich bin seit April als Mitglied der Schulleitung dauerhaft hier. Zuvor hatte ich hospitiert und konnte an mehreren Begegnungen mit dem Kollegium teilnehmen, zum Beispiel einem Pädagogischen Tag. Schon am ersten Tag im vergangenen Herbst war ich begeistert von der Atmosphäre an der OSK, von der allverbreiteten Haltung der Achtsamkeit und des Respekts. Beim Abschied bin ich regelrecht „geschwebt“. Ich bin wunderbar empfangen worden von meinen Kolleginnen und Kollegen und den Schülerinnen und Schülern. Von Anfang an war ich willkommen und kein Fremdkörper. Alle Türen standen mir offen, ich konnte jeden alles fragen. Mir war sehr schnell klar, dass ich mich bewerben musste. Schon zuvor, bevor ich von der OSK überhaupt erfahren hatte, gab es in meinem Kopf ein Bild, wie die Schule aussehen sollte, an der ich als Schulleiter arbeiten wollte. Ich hatte eine Schule mit einem stimmigen Inklusionskonzept mit viel Beratung gesucht. Die Offene Schule hat meine Erwartungen noch übertroffen. Allein eine solch gut funktionierende Jahrgangsmischung hatte ich noch nicht erlebt.

Wird der Umzug 2020/21 klappen?

Das Jahr 2020/21 ist ein ehrgeiziges Ziel, nach dem wir uns strecken. Aber wir sind auf einem guten Weg. Das Grundstück im Sürther Feld steht fest, die Planungen mit dem Architektenbüro laufen, und wir haben ein gutes pädagogisches Konzept. Gleichwohl verharren wir nicht in dem, was wir als unser Konzept vorstellen, sondern entwickeln uns weiter. Berufsorientierung und Vernetzung sind dabei zwei Schwerpunkte. Denn wir wollen als Schule kein Insel-Dasein führen, sondern in die Gesellschaft hineinwirken.

Herr Flinkerbusch, wie schwierig war damals die Gründung?

Bevor die Schule startete, gab es eine zweijährige Vorlaufzeit, an der ich aktiv beteiligt war. Vorher hatte ich schon 16 Jahre lang an einer Gesamtschule gearbeitet. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Es war aber schon viel Arbeit. Die inklusive Schule ist aber nur deshalb in Privatinitiative entstanden, weil die Stadt damals nicht dazu bereit war.

Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Eigentlich nicht, höchstens Kleinigkeiten. Unser Konzept für die Inklusion hat sich bewährt. Das haben Bewertungen der Uni Köln und Bonn und verschiedener wissenschaftlicher Gremien bestätigt. Wir haben zum Beispiel Fächer zu Unterrichtsgruppen zusammengefasst, mischen die Jahrgänge, es gibt keinen Schulgong.

Wie sieht Ihr Ruhestand aus?

Ich habe weder Burn Out noch bin ich erschöpft. Deshalb engagiere ich mich auch weiterhin bei der Projektgesellschaft, die den Neubau mit entsprechender Konzeption begleitet. Dennoch war es ein erklärtes Ziel, dass ich ab 2018 mehr Freiraum und Zeit für die Familie habe. Nach meiner Verabschiedung habe ich mir mit meiner Frau in diesem Sommer ein paar Wochen Urlaub in Südeuropa gegönnt. Ich habe drei Kinder und fünf Enkel, die auch etwas von ihrem Opa haben wollen.

Offene Schule

Die Offene Schule Köln (OSK) wurde aus einer privaten Elterninitiative heraus im Jahr 2012 mit 78 Schulkindern gegründet, 344 besuchen heute die OSK. Mehr als 80 haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Die Schule wächst ständig weiter. Vor drei Jahren wurde eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet, die ersten zwölf Schülerinnen und Schüler haben inzwischen Abitur gemacht. Auf Hochtouren laufen derzeit die Planungen für ein neues Schulgebäude, das im Sürther Feld gebaut werden soll. Erstmals wird eine Grundschule angegliedert sowie eine Jugendeinrichtung. Die OSK wird dann Platz für rund 600 Kinder und Jugendliche bieten, geplant ist der Umzug ab dem Schuljahr 2020/21. Die OSK veranstaltet am Mittwoch, 21. November, 19 Uhr, einen Info-Abend für interessierte Eltern. Am Samstag, 17. November, lädt die Schule außerdem zu einem Tag der Offenen Tür ein in der Zeit von zehn bis 13 Uhr. Die OSK informiert über das pädagogische Konzept, die Sekundarstufen I und II, den neuen Schulstandort, das Anmelde- und Auswahlverfahren sowie über die Finanzierung der integrativen Gesamtschule. (süs) www.offene-schule-koeln.de www.netzwerk-inklusive-schule.de