Der temporäre Weingarten im Hof der Kartäuserkirche ist ein Juwel zwischen Backstein und Giebelhäuschen.
Wofür ich Köln liebeDas ist der schönste Weingarten in Köln – ein Hauch von Holland

Der Weingarten im Hof der Kartäuserkirche – Romantik am Kreuzgang
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Von den Kölnern hieß es einmal, ihnen würde es schon völlig reichen, wenn irgendwo an der Straße drei Luftballons aufgehängt werden – und schwupps stehen sie schon mit Gläsern drumherum.
Ein bisschen ist das noch immer so, aber es gibt in der vielgescholtenen Stadt inzwischen auch sehr viele schöne Orte, um dort mit Gläsern rumzustehen oder zu sitzen. Vielleicht der schönste ist der temporäre Weingarten im Hof der Kartäuserkirche in der Südstadt, der noch bis zum 16. Mai stattfindet. Hier fühlt es sich ohne eine mehrstündige Anreise an wie in einem lauschigen holländischen Städtchen – Giebelhäuschen, Kirchenmauern, Backstein, romantische Rundbögen, Rosen. Rosen, die sich um romantische Rundbögen ranken. Fast wie eine Filmkulisse (tatsächlich spielte hier die kitschige ZDF-Serie „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“), aber völlig real.
Zülpicher-Volk neben kölscher Nachbarschaft auf den Bierbänken
Ähnlich wie im Holland-Urlaub sind die Menschen hier extrem entspannt. Auf den Bierbänken sitzt alles vom Zülpicher-Volk (das sucht offensichtlich zur Erholung auch mal Romantik) bis zum klassischen Südstadt-Zausel. Und man kann wunderbar lauschen, zum Beispiel rechts bei einer Gruppe junger Frauen um die 20. Eine berichtet, sie sei letztens aus der „Flotte“ am Zülpicher Platz geflogen. Es wird beim Weißwein gekichert.
Zu riechen sind vereinzelte, durch Tiktok arg beworbene „Nischendüfte“ – sehr auffällige Parfüms, die bei männlichen Jugendlichen als Statussymbole gelten. Die jungen Frauen rümpfen die Nase. „Wie Desinfektionsmittel.“

Zum Weingarten kommt Zülpicher-Jungvolk ebenso wie die kölsche Nachbarschaft.
Copyright: Christiane Vielhaber
Dazwischen kölsche Nachbarschaft, die von den guten alten Zeiten auf der Severinstraße erzählt, als Vater Niedecken noch seinen Laden hatte. Leute, die nach Pulheim gezogen sind, aber aus Heimweh immer wieder hierher kommen. Dazu Südstadt-Adel wie Hans Mörtter, Pfarrer im Ruhestand.
Studenten zeigen stolz ihren Eltern, was es in Köln so alles gibt
Auf dem Rasen am Kreuzgang sitzen dicht an dicht meist junge Gäste – ein Hauch von Weltjugendtag. Damen nehmen lieber auf den Bänken Platz – mit Schmuck und Leopardenlook, der offenbar bei allen Altersklassen und Schichten derzeit in ist. Junge Paare, wohl Studenten, zeigen ihren Eltern aus den Heimatstädten oder ‑dörfern stolz, was es in Köln so alles gibt.
Auch aus anderen Veedeln kommen Gäste, zu erkennen an den Blicken auf Google-Maps, wenn man an der Haltestelle Ulrepforte aussteigt und sich in stiller Solidarität aufmacht zu dem versteckt liegenden Hof.
In Stoßzeiten bildet sich eine fröhliche Schlange vor dem Eingang. Zwei Freiwillige – der gesamte Weingarten wird ehrenamtlich organisiert – zählen am Tor nach, damit stets nicht mehr als 300 Gäste gleichzeitig im Hof sind, sodass es lauschig bleibt und niemand nach einem Platz suchend umherirrt. Tick-tick macht die kleine Zählmaschine, Menschen kommen glücklich heraus, Menschen gehen glücklich hinein.
Ach ja, und der Wein: Es gibt eine kleine, feine Auswahl für 20 Euro die Flasche, dazu stabile Gläser und ein Essensangebot mit Bratwurst, Chili und liebevoller Käseplatte.
Der Verein KG Ponyhof veranstaltet den Weingarten nun schon zum sechsten Mal, alles läuft routiniert, der Gewinn wird für gute Zwecke gespendet nach dem schönen Motto „Gemeinsam etwas anstoßen“. Das tun die Leute – obwohl hier gar keine Luftballons hängen.
