Zuspruch und BeleidigungenWas Fritz Schramma nach „Hart aber fair”-Auftritt erlebt

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Fritz Schramma und Tugba Tekkal

Fritz Schramma und Tugba Tekkal

Köln – Den Tag nach seinem Auftritt in der TV-Sendung „Hart aber fair“ verbrachte Altoberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) vor allem mit dem Lesen und Beantworten von mehr als 100 E-Mails sowie etlicher Kurznachrichten auf seinem Smartphone. „Es ist schön, wenn das Thema Integration so eifrig diskutiert wird“, sagte Schramma. Dass er in einigen wenigen Stellungnahmen beleidigt und beschimpft wurde, überraschte ihn kaum. So sei das leider, wenn es um die Moschee in Ehrenfeld geht.

„Spalten statt einen – Welche Folgen hat der Erdogan-Besuch?“, betitelte Moderator Frank Plasberg die jüngste Ausgabe seiner Talkshow. Weitere Gäste waren unter anderem Cem Özdemir, der ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, und Tuğba Tekkal, Initiatorin des Integrations-Projekts „Scoring Girls“ und frühere Spielerin des 1. FC Köln.

Schramma, der sich als Stadtchef gegen heftige Widerstände selbst in seiner eigenen Partei für den Bau der Zentralmoschee eingesetzt hatte, kritisierte die mit dem Staatsbesuch Erdogans verbundene Eröffnungsfeier in Abwesenheit der Stadtgesellschaft. Anstatt einen „kleinen AKP-Parteitag“ abzuhalten, hätten die Verantwortlichen lieber zu einem integrativen Fest einladen sollen, sagte Schramma. „Hier ist eine Riesenchance vertan worden.“

„Danke für alles, was Sie für die Kölschtürken getan haben“

Unter denen, die sich an Schramma wandten, befinden sich viele Bürgerinnen und Bürger mit türkischen Wurzeln. Von „Fremdschämen“ für die Ditib ist da die Rede, von „Dank für Ihr Engagement, Vertrauen und ihren Optimismus, für alles, was Sie für die Kölschtürken getan haben“.

Andere äußerten ihre Enttäuschung über das Verhalten der Ditib. „Über die Art und Weise der Moschee-Eröffnung bin ich als Kölner, unabhängig meiner türkisch-muslimischen Identität, einfach nur sehr, sehr traurig, ratlos und sprachlos“, heißt es in einer Mail. Und weiter: „Das Traurige an der Sache ist vor allem, dass Gebäude solcher Art nur einmal eröffnet werden können. Das bedeutet, man hat nur eine Chance. Und diese Chance wurde amateurhaft vertan.“

„Kein Gesabbele, klare Linie”

Der im Karneval als „Kölscher Schutzmann“ bekannte Jupp Menth beschrieb die Wortbeiträge seines Duzfreundes Schramma so: „Kein Gesabbele, klare Linie, für jeden verständlich, und vor allem Deine Enttäuschung über die Entwicklung kamen glaubhaft rüber.“

„Das tut gut, gerade auch, weil es einige üble Mails gab“, sagte Schramma dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Am Sonntag beispielsweise hatte ihn ein Verfasser als einen für die Ditib „nützlichen Idioten“ verunglimpft. Einer beschimpfte ihn als „irrlichternden Geisterfahrer“ und „Verräter unserer Kultur“.

Der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD), wie Schramma ein Unterstützer des Moschee-Baus, bekam in seinem Mail-Postfach ebenfalls Negatives zu lesen. Die Bezeichnung „Ihr Naivlinge“ sei da geradezu harmlos gewesen, sagte Wirges. Insgesamt jedoch würden die ermunternden Zuschriften eindeutig überwiegen.

Ungewöhnlich viele Zuschriften

Das gleiche trifft nach Auskunft des Presseamts auf die etwa 100 Mails zu, die im Büro von Oberbürgermeisterin Henriette Reker eingegangen sind. „Die Entscheidungen im Zusammenhang mit der Moschee-Eröffnung wurden nahezu ausschließlich positiv bewertet“, teilte eine Stadtsprecherin mit. Die Zahl der Zuschriften sei zwar ungewöhnlich hoch. Nachdem sie der Bundeskanzlerin in einem Offenen Brief die Unterbringung zusätzlicher Flüchtlinge angeboten hatte, habe Reker indes die dreifache Zahl an Mails erhalten.

Was Ex-OB Schramma ein wenig überrascht habe, sei das internationale Interesse an den Vorgängen der zurückliegenden Tage. Aus St. Petersburg habe ihn eine Mail erreicht, aus Bologna, Wien, Istanbul und Izmir. Er werde jedenfalls nicht nachlassen in seinem Bemühen um ein respektvolles Miteinander. „Wir müssen die Hand reichen und das Gespräch mit der Ditib fortsetzen.“ Dabei sei es unbedingt nötig, „klare Kante zu zeigen“. Die Bauherren der Moschee müssten „einsehen, dass sie einen Fehler gemacht haben – so schwer ihnen das fallen mag“.

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