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Dolly Parton wird 80Die Stimme eines besseren Amerikas

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Dolly Parton, Sängerin aus den USA, tritt bei Austin City Limits Live während der Veranstaltung Dollyverse von Blockchain Creative Labs im Rahmen des South by Southwest Music Festival auf.

Dolly Parton, Sängerin aus den USA, wird am 19. Januar 80 Jahre alt. 

In dunklen Zeiten strahlt ihr Licht umso heller: Die Sängerin und Songwriterin Dolly Parton feiert ihren 80. Geburtstag

Mit ihrem Ehemann Carl blieb sie mehr als 60 Jahre zusammen, aber beruflich musste Dolly Parton in den 1970er Jahren eine schmerzhafte Trennung durchleben. Knapp zehn Jahre zuvor hatte der Country-Star Porter Wagoner sie in Nashville entdeckt und gefördert, doch irgendwann war sie beliebter und erfolgreicher als ihr Mentor geworden. Um ihre Solokarriere voranzutreiben, beendete sie die musikalische Partnerschaft, was in Streitigkeiten ums Geld endete.

Um dennoch ihre Dankbarkeit auszudrücken, schrieb sie „I Will Always Love You“, das erst viele Jahre später in der Version von Whitney Houston zum Megahit werden sollte. Das Lied, mit dem sie sich aber endgültig von Wagoner löste, war ein anderes: Nach einer langen, dunklen Nacht könne sie nun das Licht eines klaren, blauen Morgens sehen, singt sie in „Light of a Clear Blue Morning“. Und im Licht dieses brandneuen Tages versichert sie ihren Zuhörerinnen und Zuhörern: „Es wird alles gut werden.“

Es ist eine Botschaft, die im Amerika der Gegenwart viele ersehnen. Und so wundert es nicht, dass Dolly Parton pünktlich zu ihrem 80. Geburtstag am 19. Januar den Song mit Lainey Wilson, Miley Cyrus, Queen Latifah und Reba McEntire noch einmal neu aufgenommen hat. „Wir leben in unruhigen und unsicheren Zeiten, aber wir dürfen die Dunkelheit nicht gewinnen lassen“, sagt sie zu Beginn des Videos. Es klingt wie ein Mantra in einem Land, in dem die Demokratie wankt und Werte wie  Solidarität und Nächstenliebe, wie Parton sie lebt, von Donald Trump und seiner MAGA-Bewegung verachtet werden.

Spekulationen über ihren Gesundheitszustand

Aber auch in ihrem Privatleben konnte Parton ein solches Mantra im vergangenen Jahr vermutlich gut gebrauchen. Ihr Mann Carl starb nach knapp 60 Jahren Ehe, sie selbst musste Konzerte wegen gesundheitlicher Probleme absagen. Um kursierenden Spekulationen entgegenzuwirken, ließ sie ihre gut acht Millionen Follower bei Instagram vor einigen Monaten wissen: „Ich bin noch nicht tot.“

Über Sterben will sie auch an ihrem runden Geburtstag nicht nachdenken. Sie habe überhaupt keine Zeit dafür, älter zu werden, sagte Parton jüngst dem „People“-Magazin. „Schaut euch an, was ich alles gemacht habe in 80 Jahren. Ich fühle mich, als ob ich gerade erst anfange.“ Große Pläne für die Zukunft hat sie in der Tat. In diesem Jahr eröffnet in Nashville das „Dolly's Life of Many Colors Museum“. Sie bewirbt Mode, Bücher und Wein und die Show „My Songs in Symphony“, bei der sie selbst gar nicht auf der Bühne steht. Und der Freizeitpark Dollywood lockt jährlich rund drei Millionen Besucher nach Tennessee.

Die zierliche Blondine mit dem Hang zu Schönheitsoperationen, großen Perücken und Strasssteinen wurde ihr ganzes Leben lang aufgrund ihres Äußeren unterschätzt und als dummes Blondchen belächelt. Ihr war das egal, weiß sie doch, dass dieses Klischee auf sie nicht zutrifft. Im Gegenteil. „Meine Brüste sind nicht echt, meine Haare sind nicht echt – aber was echt ist, sind meine Stimme und mein Herz“, sagte sie einmal.

Parton ist nicht nur eine begnadete Songwriterin für sich und andere und eine exzellente Musikerin, sondern auch eine kluge Geschäftsfrau. Sie verkaufte mehr als 100 Millionen Alben, hatte 25 Nummer-eins-Hits in den Country-Charts und baute auf diesem Erfolg ein wahres Dolly-Parton-Imperium auf.

Ihre Herkunft verleugnete sie nie

Bei allem Geschäftssinn hat sie aber nie diejenigen aus den Augen verloren, die zu kämpfen haben. Ein von ihr betriebenes Leseförderungsprogramm verteilte weltweit rund 100 Millionen Bücher an bedürftige Kinder. Die Entwicklung des Corona-Impfstoffs der Firma Moderna unterstützte sie mit einer Spende über eine Million Dollar (rund 830.000 Euro). Und der Erlös der Neueinspielung von „Light of a Clear Blue Morning“ soll der Kinderkrebsforschung zugutekommen. Außerdem ist die tiefreligiöse Sängerin eine lautstarke Unterstützerin der LGBTQ-Gemeinschaft.

In der Glamourwelt der Unterhaltungsindustrie fühlte sie sich stets wohl, ihre Herkunft hat sie dennoch nie verleugnet. Als viertes von zwölf Kindern wuchs sie im ländlichen Tennessee auf. Die Familie lebte in einer Ein-Zimmer-Hütte, ihr Vater lernte nie lesen und schreiben. Musik und Religion prägten ihre Kindheit und Jugend und sie tun es bis heute. Nach dem Highschool-Abschluss ging sie noch im Teenager-Alter nach Nashville und trieb ihre Karriere zielstrebig voran.

Sie sang von der Liebe zu ihrer Heimat, von Gott, ihrem Aufwachsen in Armut und der Liebe ihrer Eltern, die sie alle Herausforderungen bestehen ließ. Eines ihrer bekanntesten Lieder, „Coat Of Many Colors“, erzählt, angelehnt an die biblische Geschichte von Josef, wie ihre Mutter, die kein Geld hatte, um der Tochter einen warmen Mantel für den Winter zu kaufen, einen aus vielen Flicken nähte; Parton trug ihn mit Stolz, obwohl die Kinder in der Schule sie auslachten. Auch als Schauspielerin feierte sie Erfolge, wie etwa in „9 to 5“, in dem sie, Jane Fonda und Lily Tomlin im Jahr 1980 hart arbeitende Frauen spielten, die sich gegen ihren sexistischen Chef zur Wehr setzen.

Beweisen muss Dolly Parton schon lange niemandem mehr etwas. Sie wird heute von gesellschaftlichen Gruppen geliebt, die einander sonst unversöhnlich gegenüberstehen. Den Niedergang der Demokratie kann auch sie nicht aufhalten, aber nur wenige sind so wie sie in der Lage, die Hoffnung auf einen neuen, besseren Morgen in uns wachzuhalten. In diesen dunklen Zeiten strahlt ihr Licht heller denn je.