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Ensemble ohne VorbildKölner Trio Ivoire feiert 25-jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert

4 min
Drei Männer stehen Arm in Arm nebeneinander und lächeln in die Kamera.

Das Trio Ivoire (v.l.): Christian Thomé, Hans Lüdemann und Aly Keïta

Seit 25 Jahren macht das Trio Ivoire Musik, die sich zwischen europäisch-klassischen und westafrikanisch-jazzigen Stilrichtungen bewegt.

Was das Trio Ivoire irgendwo zwischen europäisch-klassischer und westafrikanisch-jazziger Musik zaubert, ist so mitreißend wie unverwechselbar. Melodien fliegen nur so dahin, prächtige Klangfarben erstrahlen in ständig neuem Licht, komplexe Taktarten und polyphone Rhythmen verändern sich in atemberaubendem Tempo. Leidenschaftlich und mit telepathischem Verständnis mäandern Pianist Hans Lüdemann, Balafon-Spieler Aly Keïta und Schlagzeuger Christian Thomé durch Kulturen und Welten, und das seit nunmehr 25 Jahren. „Wir haben viel erlebt in dieser Zeit“, sagt Hans Lüdemann, „jetzt besinnen wir uns zurück auf den Klang, der für uns charakteristisch ist.“ Beim Jubiläumskonzert im Loft steht das neue Album „Resurrection“ im Zentrum.

Während einer Solo-Tournee fürs Goethe-Institut durch Westafrika lernte Lüdemann 1999 in Abidjan den ivorischen Balafon-Spieler Aly Keïta kennen. Kurz darauf gründeten sie in Köln das Trio Ivoire, anfangs mit dem britischen Schlagzeuger Steve Argüelles. 2000 nahm es im Loft sein Debütalbum auf, ein zeitloses Feuerwerk an Melodien und polyphonen Rhythmen. Weitere Alben folgten, darunter eins mit dem bezeichnenden Titel „Touching Africa“, oft kamen Gäste hinzu, der Sänger und Kora-Spieler Tata Dindin aus Gambia, die Sängerin und Mbira-Spielerin Chiwoniso aus Zimbabwe oder die ivorische Sängerin Dobet Gnahoré. Stücke wie „Timbuktu“, „Heartbeats“ oder „Wenn du weite Wege gehst“ wurden zu Klassikern, die in späteren Variationen ihre magische Strahlkraft noch steigerten.

Charakteristisch für den Sound ist das Balafon

„Das Geheimnis des Trios ist seine Art der Zusammenarbeit“, sagt Lüdemann. „Aly ist ein intuitiv agierender Musiker, der keine Noten liest, er lernt das Geschriebene nach Gehör. Entsprechend proben wir viel und verwenden viel Zeit darauf, neue Stücke einzustudieren. Daraus erwächst ein hohes Maß an Vertrautheit: Wir kennen uns unglaublich gut und wissen immer, was der andere da gerade macht.“

Charakteristisch für den Trio-Ivoire-Sound ist das Balafon, eine westafrikanische Variante des Xylofons und dessen Urahne, dessen hölzerne Klangstäbe Aly Keïta mit größter Virtuosität anschlägt, während die darunter hängenden Kalebassen als Resonanzkörper dienen. Auf „Resurrection“ lässt sich das Zusammenspiel mit Lüdemanns oft „orchestral agierendem“ Klavier sowie Thomés einfühlsamer Rhythmik in Reinform erleben. Dramaturgisch ergänzen sich die Stücke zu einem Opus, das balladeske Schönheit mit spirituell anmutenden Klangreisen vereint. Keïtas Stück „The Desire“ fußt auf Wiederholungen, die typisch sind für afrikanische Musik, bis sich fast ein energetischer Trance-Zustand einstellt; Lüdemanns „Turbulenzen“ löst schrittweise jenen Puls auf, den es vorrangig in der westafrikanischen Musik gibt, und überführt ihn in fließend groovende Passagen ohne festen Rhythmus. Lüdemann: „Auf dem Balafon können keine langen Töne gespielt werden, man schlägt drauf, und schon ist der Ton weg. Lange Töne lassen sich nur durch schnelle Tonwiederholungen erzeugen oder durch ein tremolo-artiges Spiel, was Aly ganz wunderbar macht.“

Viele Konzerte in Afrika

Oft spielte das Trio Ivoire in Afrika und wurde ausnahmslos gefeiert. „2017 waren wir noch in Mali, 2019 in Cape Town, dann kam Corona. Inzwischen hat sich die politische Situation in Mali deutlich verschlechtert, doch unser Wunsch, nach Afrika zurückzukehren, ist immer noch groß. Unsere Eindrücke aus dieser anderen Welt mit ihrer reichen Musik sind unfassbar stark.“

Während der Jahre mit dem Trio Ivoire realisierte Lüdemann etliche weitere Projekte, so das aufregende TransEuropeExpress Ensemble. Neben Solo- und Duo-Projekten teils im mikrotonalen, teils im klangtechnisch verfremdenden Bereich behielt das Trio-Format für ihn einen hohen Stellenwert, wovon die CD-Box „Die Kunst des Trios 1-5“ zeugt. Auf der Cologne Jazzweek 2023 spielte Lüdemann mit Nick Dunston und dem italienischen Akkordeon-Spieler Luciano Biondini, im selben Jahr gründete er mit Dunston und Savannah Harris ein weiteres Trio. Während Corona, später als Stipendiat der Villa Massimo in Rom sowie während eines Aufenthalts an der Akademie Tarabya in Istanbul schrieb Lüdemann eine Oper fürs Opernhaus Köln, die aber nie zur Aufführung kam.

Eine Band gegen den rückwärtsgewandten Zeitgeist

Für das Album „Enchanted Forest“ (2020) erweiterte Lüdemann das Trio Ivoire um drei Sängerinnen, Bass und Saxofon. „Das eher kollektive Konzept war vom polyphonen Gesang der Aka-Pygmäen aus Zentralafrika inspiriert und folgte der Idee, dass alle Stimmen gleichberechtigt in einem musikalischen Geflecht agieren.“ Mit Tamara Lukasheva ist nun eine der Sängerinnen beim Jubiläumskonzert dabei: „Mit Tamara übertragen wir den Gedanken der kollektiven Improvisation auf eine kleinere Besetzung.“

Vorrangig präsentiert das Konzert neue Trio-Ivoire-Stücke. Lüdemann möchte mit neuen Ideen auf neue Entwicklungen reagieren, wobei sich in die ungebrochene Energie durchaus Nachdenkliches mischt: „Anfangs dachte ich, dass eine afrikanisch-europäische Band irgendwann als normal angesehen würde, doch das Trio wird immer noch als ‚exotisch‘ empfunden. Da fragt man sich: Passt das, was wir machen, noch in diese Zeit?“ Im eigenen Alltag häufen sich zudem negative Erfahrungen, die es früher so nicht gab. „Der Zeitgeist hat sich deutlich geändert, vom früheren Multikulti sind wir heute weit entfernt. Natürlich geht es vorrangig um die Musik, und so sagen wir uns: Jetzt erst recht.“


Das Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen des Trio Ivoire findet am Sonntag, 22. Februar, ab 18 Uhr im Loft (Wissmannstraße 30) in Ehrenfeld statt. Die Sängerin Tamara Lukasheva tritt als Special Guest auf.

CD-Tipp: Trio Ivoire, „Resurrection“ (Intuition/edel)