Wer zahlte, kam in den HimmelÄltestes Ablassplakat für Bau des Kölner Doms entdeckt

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Der Spendenaufruf in lateinischer Sprache

Köln – Einen bedeutenden Fund hat die Universitäts- und Stadtbibliothek gemacht: Ein Ablassplakat für den Kölner Dom aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der lateinische Einblattdruck, der nach Angaben der Pressestelle der Universität zu Köln „außerordentlich gut erhalten“ ist, wirbt mit einem Sündenerlass, wenn man für den Bau oder die Bewahrung der Kathedrale spendet. Ein ehedem durchaus gängiges Finanzierungsmodell.

Der 18,5 mal 25,5 Zentimeter große Einblattdruck wurde in der „Gymnasialbibliothek“ von Bibliothekarin Irene Bischoff entdeckt und identifiziert. Neben dem Text, der zur Spende auffordert, finden sich auch zwei Wappen auf dem Blatt: Oben das Wappen des Domes und unten das Wappen des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied (1477–1552), der später vergeblich versuchte, die Reformation in Köln einzuführen.

Das Dokument befand sich in einem Band, der zwei Drucke enthält. „Die Spuren im Buch weisen darauf hin, dass das Ablassplakat als Makulatur für den Einband des Bandes verwendet worden war. Die Wiederverwendung alten Papiers war früher nichts Ungewöhnliches. Das Plakat wurde als Makulatur beiseitegelegt und dann als Stabilisierung des Buchdeckels verwendet. Glücklicherweise wurde es bei der Verarbeitung nicht zerschnitten“, sagt Christiane Hoffrath, Leiterin des Dezernats „Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung“.

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Plakat hing wohl im Dom selbst

Die wissenschaftliche Untersuchung des bereits vor mehreren Monaten aufgefundenen Plakats ergab nun, dass es vermutlich im Dom selber hing, dessen Langhaus und Seitenschiffe zu jener Zeit schon standen. Möglicherweise befand es sich neben einem Spenden-Kasten. Der Text richtete sich an Personen geistlichen Standes, die des Lateinischen mächtig waren. Das Plakat stammt aus der Zeit, als Luther seine 95 Thesen in Wittenberg anschlug, die sich nicht zuletzt gegen den Ablasshandel richteten.

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Bei dem Ablass-Summarium handelt es sich den Angaben zufolge um die spätere Auflage eines Druckes aus dem Jahre 1487. Darauf deutet die Formulierung „datum per copiam“ hin. Es sei somit ein Zeitdokument von Bedeutung nicht nur für Köln, sondern für die gesamte deutsche Reformationsgeschichte. (ksta)

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