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Kölner Theatergruppe Futur 3Endlich eine Antwort: Darum ist es am Rhein so schön

Futur 3 begibt sich auf eine performative Reise zum Rhein, unter dem programmatischen Titel „Glotzt nicht so romantisch“.

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Premiere der Kölner Theatergruppe Futur 3

Die Kölner Theatergruppe Futur 3 begibt sich auf eine performative Reise zum Rhein. „Glotzt nicht so romantisch“ heißt der programmatische Titel des Stückes. Eine Aufforderung, die das Theaterpublikum sonst von Bertolt Brecht kennt, der mit dieser Regieanweisung bei seinem epischen Theater jede Gefühlsduselei im Keim ersticken wollte.

Die Flusslandschaft des Rheins ist allerdings spätestens seit der Romantik eine wahre Wiege poetischer wie politischer Betrachtungen. Vor allem der Mittelrhein mit seinen unzähligen Burgen und beeindruckenden Bergpanoramen hatte nicht zuletzt englische Reisende verzaubert. So führt die Reise von Futur 3 denn auch geradewegs ins Mittelrheintal, wo am Rhein-Kilometer 555 die sagenumwobene Loreley ebenso zum nationalen Mythos wurde, wie die am anderen Ufer emporragende „Germania“ als Gallionsfigur des Niederwalddenkmals.

Überlebenstipps zwischen Koblenz und Bingen

Zwischen diesen beiden weiblichen Rhein-Mythen bewegen sich unter der Regie von André Erlen die beiden Reisenden Oleksandra Bolareva und Stefan H. Kraft auf ihrer Erkundungstour. Zwei große textile Planen, die sich im Laufe des Stückes mal in Flusstäler und dann wieder in Weinberge verwandeln, bilden die geschickt eingesetzte Kulisse (Michaela Muchina), während im Hintergrund auf großer Videoleinwand historische und aktuelle Filmaufnahmen (Valerij Lisac) in die einzelnen Themenkomplexe einstimmen. Untermalt wird der theatrale Ausflug an den Mittelrhein durch Jörg Ritzenhofs Live-Musik. Die beginnt unheilschwanger dröhnend, um dann mal pathetisch, mal ironisch den Rhein mit dem passenden Rhythmus zu versehen.

Als Wanderer zwischen Raum und Zeit lassen die beiden Darsteller die Begeisterung englischer Reisender im frühen 19. Jahrhundert wieder lebendig werden, für die das Rheintal zwischen Koblenz und Bingen zur mythischen Landschaft wurde: märchenhaft, unergründlich und bei aller Faszination beinahe schon abenteuerlich, sodass es in den Reiseberichten auch nicht an „Überlebenstipps“ mangelte. Deutschnationale nach der Reichsgründung 1871 wiederum verwandelten den Rhein in das nationale Symbol der Einheit, vor allem in seiner Funktion als gewichtiger Grenzfluss zum Erzfeind Frankreich. Die Germania, die wie die Loreley im Stück „zu Wort“ kommt, steht für die nationale und später nach 1933 nationalistische Aufladung der Rhein-Region. In der Nachkriegszeit werden Orte wie Königswinter oder Rüdesheim zum Ziel von Tagesausflüglern: „Warum ist es am Rhein so schön?“ ist nun wieder eine entpolitisierte Frage, aber in jüngster Zeit wählen rechtsnationalistische Gruppen die Germania oder das Deutsche Eck in Koblenz wieder bewusst als Versammlungsstätten.

Futur 3 spürt diesen unterschiedlichen geschichtlichen Überlagerungen des Oberen Mittelrheintals nach. Aktuelle Erlebnisse bei den Erkundungen vor Ort, Gespräche mit Winzern oder Schiffsführern, fließen in das Stück mit ein. Charlotte Luise Fechner hat die unterschiedlichen Textpassagen zu einer Collage zusammengebracht, die bei der Fülle an Themen mitunter droht, den Fokus zu verlieren. Letztendlich funktioniert das Stück aber prächtig als Anregung, sich mit dieser ganz besonderen Region auseinanderzusetzen.

Oleksandra Bolareva und Stefan H. Kraft wechseln hier virtuos die Rollen in einem Spiel, bei dem der Rhein real und Kulisse gleichermaßen ist: schöner Sehnsuchtsort, aber auch mit schäbigen Seiten in den kleinen Orten, eingeklemmt zwischen Bundesstraße, Bahn, Berg und Fluss. So erlebt der Zuschauer eine Reise, die gleichermaßen ver- wie entzaubert, eigene Bilder und Projektionen hinterfragt und bei all dem auch noch in gut 90 Minuten beste Bühnen-Unterhaltung bietet.

Termine: 11. – 14.11. 20 Uhr, 15.11. 18 Uhr, Alte Feuerwache