Ein volles Haus und, eher klassik-unüblich, viele jüngere Zuhörer: So fand der Kölner Universitäts-Musikdirektor Michael Ostrzyga am Allerheiligen-Morgen die Philharmonie vor, in der er – im Kontext des Festreigens zum 100-jährigen Bestehen der Neuen Kölner Universität – mit Chor und Sinfonieorchester der Hochschule Verdis Messa da Requiem aufführte. Die Choristen füllten den kompletten Block Z, und auf dem Podium herrschte drangvolle orchestrale Enge. Vorab also war die logistische Leistung zu bewundern, die eine solche Mammut-Produktion ermöglicht hatte. Nicht zu vergessen: Es sind ja im Wesentlichen Laien, die die Darbietung ins Werk setzten.
Und angesichts dessen, was unter diesen Umständen überhaupt zu erreichen ist, verdient das Konzert größtes Lob. Gleich der Beginn mit dem düster absteigenden a-Moll-Dreiklang in den Instrumentalbässen und dem wispernd-psalmodierenden „Requiem“-Einsatz von Tenören und Bässen fixierte jene Aura beklemmender Dichte und Eindringlichkeit, wie sie auch viele Profi-Ensembles nicht besser hinbekommen (leider produzierten dann ausgerechnet die sonoren Celli in der Einleitung zum Offertorium die definitive Klang- und Intonationskatastrophe der Aufführung).
Dem Verdi-Requiem wird immer wieder die Nähe zur Oper nachgesagt. Nicht zu Unrecht, aber diese Qualifizierung unterschlägt tendenziell, dass es dem Komponisten hier sehr wohl, auch wenn er das Werk nicht mehr für die Kirche schrieb, um die Letzten Dinge ging, um die Erschütterung der Kreatur im Angesicht der Todesgewissheit. Und es war gerade diese Dimension, die Ostrzyga mit engagiertem und konzentriertem, vor allem aber sehr präzisem, gut abnehmbarem Dirigat einforderte.
Im Zentrum stand naheliegend der Chor, dessen „Dies irae“ in genauer Verzahnung mit dem Orchester mit apokalyptischer Klanggewalt über die Philharmonie hereinbrach. Allemal zu hören war die penible Arbeit, die da in dynamische Entwicklung, genaue Phrasenbildung und das gestützte Erklimmen der Spitzentöne investiert worden war – mit dem Ergebnis einer trotz der großen Gesamtzahl der Sänger bemerkenswert homogenen Gesamtwirkung.
Wohlbegründet auch Ostrzygas Impuls, Fugeneinsätze kräftesparend zu entlasten (einige kamen dann zu flockig-beiläufig). Erfreulich, weil gleichfalls zwischen Sakralität und Bühnenwirkung gut die Mitte haltend, agierten die Solisten Cecilia Acs (Sopran), Anne-Carolyn Schlüter (Mezzo), Vincent Schirrmacher (Tenor) und Thomas Bonni (Bass). Lediglich der Tenor ließ sich, zumindest am Start, zu einigen ostentativen und auch nicht sehr wohltönenden Äußerlichkeiten hinreißen.