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Helden der KindheitPumuckl und Meister Eder kehren 2022 als Serienstars zurück

3 min
Pumuckl

Pumuckl in der Fernserie von 1982

Köln – Die gelebte Anarchie des Kobolds Pumuckl entsprach eher der Laissez-faire-Pädagogik der 70er – die sollten erst noch kommen. Dem Jahr seines ersten Auftritts, 1962, entsprachen hingegen die Erziehungsmethoden des Meister Eder, wobei der seiner Vaterrolle eher gezwungenermaßen gerecht zu werden versuchte: Wenn Eltern Kinder zeugen, so wie die Natur es seit jeher eingerichtet hat, so verhielt es sich bei diesem Vater-Sohn-Verhältnis in einer Münchner Schreinerwerkstatt exakt umgekehrt. Am Leimtopf, der Pumuckl sichtbar macht, bleibt gewissermaßen auch Meister Eder kleben, denn fortan muss er nach dem Wunsch des Kobolds als Beschützer, Ratgeber und, nun ja, als Zielscheibe für Pumuckls entfesselte Streiche dienen.

Dass der polternde Eder, der auch gern die Hand drohend erhebt, und sein rotzfrecher Schützling nicht aus der Zeit gefallen sind, ist schon erstaunlich genug. Noch frappierender aber und geradezu ein Grund, sich einen „Schokoladenpuddeling“ zu genehmigen, wirkt die Tatsache, dass nicht ein traditionsbewusster öffentlich-rechtlicher Sender wie beispielsweise der Bayerische Rundfunk die alte Geschichte allein auffrischen will – nein, ein hipper Streamingdienst befindet sich offenbar gerade in Verhandlungen um eine neue Serie mit dem rothaarigen Protagonisten und seinem grummeligen Sidekick.

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Deren Erfinderin, die Kinderbuchautorin Ellis Kaut, wäre am kommenden Dienstag 100 Jahre alt geworden. Ihr haben wir weitere markante Charaktere wie den Kater Kusch zu verdanken, aber ihr größter Kerl war der winzige Pumuckl – der im übrigen die Hervorbringung einer gründlichen, aber ungewöhnlichen Medienauswertung war. Steht in der Regel ein Buch am Beginn der weiteren Verwertungskette, die dann über die elektronischen Medien und vielleicht auch die Leinwand führt, so stand Pumuckls Wiege in einem Hörspielstudio.

Erst drei Jahre nach seinem Erfolg als akustischer Held im bayerischen Hörfunk schrieb Ellis Kaut die Bücher, bevor der Kobold dann 1982 das Fernsehen und schließlich das Kino eroberte. In einer innovativen Form überdies: Durch eine reale Szenerie mit Gustl Bayrhammer als Meister aus Fleisch und Blut turnte Pumuckl als hineinkopierte Zeichentrickfigur, die auch schon mal vor echten Katzen die Flucht ergreifen musste. Wie bei den allerersten Hörspielen gehörte seine Stimme dem unvergessenen Hans Clarin, der seine Rolle kieksend und lärmend zwischen purer Kleine-Jungs-Albernheit und stetiger Hysteriebereitschaft anlegte. Kein Wunder, dass dieser Pumuckl Meister Eder bis zur Weißglut trieb.

Aber in Wahrheit ging hier eine Männerfreundschaft durch dick und dünn. Der biedere Schreiner und der chaotische Kobold, sie mochten Assoziationen an Vater und Sohn, Meister und Lehrling oder Lehrer und Schüler wecken, aber im Grunde ihres Herzens waren Eder und Pumuckl Kumpel. Wobei der eine dem anderen einen Schuss Leichtfertigkeit und der andere dem einen etwas Respekt einflößte. So geht es zu im Leben, und vielleicht wirkt deshalb dieses Paar so wunderbar zeitlos.