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Von Caterina Valente bis Freddy QuinnWas machen diese 7 Schlagerstars von einst heute?

Lesezeit 8 Minuten
Peter Kraus und Caterina Valente mit Bier in der Hand.

Schlagerstars unter sich: Peter Kraus und Caterina Valente stoßen 1991 nach einem Auftritt in seiner Musikrevue mit einem Bierchen an.

Ihre Hits sind bereits gut 70 Jahre her, doch ein paar der großen Schlagerstars der 1950er Jahre weilen zum Glück noch unter uns. Was machen sie heute? Wir erinnern an Freddy, Caterina, Peter & Co.

Die 1950er Jahre waren eine Zeit des Wirtschaftswachstums in Deutschland. In dieser Ära traten auch einige bekannte Schlagerkünstler auf, darunter Caterina Valente, Peter Kraus und Freddy Quinn. Sie erfreuten das Publikum mit ihren musikalischen Darbietungen und waren ein fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen. Diese Schlagerstars bleiben bis heute als Teil der deutschen Musikgeschichte in Erinnerung. Einige diese Schlagerlegenden leben heute noch und genießen ihren Ruhestand oder treten sogar noch auf. 

Freddy Quinn (* 1931)

Freddy Quinn war neben Peter Alexander (1926-2011) der erfolgreichste Schlagersänger der 1950er Jahre. Viele halten den auch als Schauspieler erfolgreichen Vollblut-Entertainer bis heute für einen waschechten Hamburger. Dabei ist er gebürtiger Österreicher und zog erst Anfang der 1950er Jahre nach Hamburg, von wo aus er seine beispiellose Karriere startete. Unvergessen sind „Heimweh“ (1956), „Die Gitarre und das Meer“ (1959), „Junge, komm bald wieder“ (1963) oder „Hundert Mann und ein Befehl“ (1966), nur vier seiner sechs Nummer-eins-Hits. Als erster Künstler vertritt er Deutschland beim Eurovision Song Contest (1956, mit dem Rock'n'Roll-Titel „So geht das jede Nacht“).

60 Millionen Tonträger soll Freddy Quinn verkauft haben. Er singt erfolgreich Countrymusik, wagt sich im Zirkus aufs Hochseil und tourt bis 2006 häufig durch die heimischen Konzertsäle. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2008 beschliesst er, seine Karriere zu beenden. Seitdem hat er sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und gibt nur noch selten Interviews. Anfragen für ein Comeback lehnt er stets ab. In den letzten Jahren hat er mehrfach mit der „Bild“-Zeitung gesprochen und seine immer noch zahlreichen Fans beruhigt, dass er wieder eine Freundin namens Rosi habe und dass es ihm sehr gut gehe. Die Bühne vermisse er jedoch nicht. Er genießt voll und ganz seinen Rentneralltag mit seiner Rosi.

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Peter Kraus (* 1939)

Er ist die deutsche Antwort auf Elvis Presley. So zumindest wird Peter Kraus seit Jahrzehnten vermarktet. Und tatsächlich tourt er noch heute mit seinen Rock'n'Roll-Hits wie „Hula Baby“ oder „Sugar Baby“ durch die Konzertsäle der Nation. Seine Jugendidole waren Sammy Davis Jr., Ella Fitzgerald und Frank Sinatra. Doch als er 1955 Bill Haleys „Rock Around the Clock“ hört, ist es um ihn geschehen. 1957 landet er mit „Susi-Rock“ seinen ersten Hit. Bis 1968 folgen über 40 weitere, darunter Hits mit Conny Froboess, mit Alice & Ellen Kessler oder mit Jörg Maria Berg als James Brothers. Kraus dreht Kinofilme und gehört zu den wenigen Stars der 50er Jahre, die bis heute erfolgreich im Fernsehen auftreten.

Dem Rock'n'Roll ist er treu geblieben, auch als dieser Stil nicht mehr so gefragt war. Kaum bekannt: Seine damalige Plattenfirma Polydor ermöglichte ihm 1963 mit dem französischen Jazztrompeter Aimé Barelli an seiner Seite das Album „Bossa Nova (Der neue Rhythmus)“, ein für Schlagerstars seltener Ausflug in die Bossa Nova- und Sambamusik. Im Februar 2023 hat er jedoch seinen endgültigen Abschied von der Bühne verkündet, wird aber nochmal ausgiebig auf Tournee durch Deutschland gehen. Köln steht zwar nicht auf dem Programm, dafür aber Aachen (14. März, Eurogress), Düsseldorf (1. April, Tonhalle).


Caterina Valente (* 1931)

Sie hat mit ihrer großen Stimme von Schlager über Jazz bis hin zu Chansons, Bossa Nova und Pop fast alles gesungen und war ein Superstar der 1950er Jahre: Caterina Valente befindet sich zwar schon seit über 15 Jahre im Ruhestand, doch ihre enorme Vielseitigkeit ist bis heute legendär, denn auch als Tänzerin, Gitarristin und natürlich als Schauspielerin war sie sehr erfolgreich. Hape Kerkeling nannte vor ein paar Jahren Helene Fischer als „die neue Caterina Valente“. Stilistisch mag das etwas seltsam anmuten, aber von der Bandbreite der Bereiche, in denen sie als Entertainerin glänzte, kommt es ungefähr hin.

Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte die Valente bei der 57. Bambi-Verleihung 2005 in München, wo sie den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk erhielt. Seither lebt sie zurückgezogen im schweizerischen Lugano. Interviews gibt Valente nur noch selten. Vielmehr nutzt sie die sozialen Medien, um sich über die Klatschpresse lustig zu machen, wenn diese wieder einmal über ihren Gesundheitszustand spekuliert. Dabei erfreut sie sich bester Gesundheit und teilt gerne ab und zu ein gut gelauntes Bild aus ihrem Privatleben.


Conny Froboess (*1943)

Längst hat sie sich von der Musik verabschiedet, doch in den 50er und 60er Jahren gehörte sie zum Schlager-Establishment. Cornelia Froboess wurde mit ihrer ersten Single 1951 „Pack die Badehose ein“ als „Kleine Conny“ zum Kinderstar. Mit den Riesenhits „Diana“ und „I Love You, Baby“ schaffte sie 1957 den Sprung zum Teenie-Star. Bis Mitte der 60er Jahre reihte sie Hit an Hit, auch im Duett mit Peter Kraus, Rex Gildo oder Peter Alexander. Ihren größten Triumph feierte sie 1962 mit „Zwei kleine Italiener“, dem deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Wochenlang auf Platz 1 der deutschen Hitparade, ein guter 6. Platz beim ESC-Finale in Luxemburg und auch international ein großer Erfolg.

In den 60er Jahren hatte sie genug vom Schlageralltag, wechselte erfolgreich zur Schauspielerei und spielte jahrzehntelang Theater. Ob Ibsen, Wedekind oder Goethe: Die Froboess feierte viele Erfolge, behauptete sich aber auch in Film und Fernsehen. Von 2013 bis 2020 spielt sie in der fünfteiligen Filmreihe „Ostwind“ die Gestütsbesitzerin Maria Kaltenbach. Im April 2022 verstarb ihr Mann, der Regisseur und Theaterleiter Hellmuth Matiasek. Seither ist es ruhiger um die große Schauspielerin geworden. Im Juli 2023 wird sie als „Jedermanns Mutter“ in der Inszenierung „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen zu sehen sein.


Bibi Johns (* 1929)

Als diese Schlagerlegende der 1950er Jahre zu ihrem 90. Geburtstag in der Talkshow „3 nach 9“ zu Gast war, konnten die Zuschauer kaum fassen, dass diese junggebliebene Dame tatsächlich schon dieses fortgeschrittene Alter erreicht haben soll. Das Geheimnis von Bibi Johns? Sie sei Optimistin, sagt sie in dem Interview. Optimistische Schlager waren auch die Stärke der Schwedin, die seit den 1960er Jahren im oberbayerischen Pullach lebt. 

Mit der quirligen „Bella Bimba“ wurde sie 1954 in Deutschland über Nacht zum Star. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie längst mehrere Schallplatten in den USA veröffentlicht und war auch dort erfolgreich aufgetreten.

„Die Gipsy-Band (Polly-Dolly-do)“ war 1956 die Nummer eins in Deutschland. Es folgten Hits wie „Im Hafen unserer Träume“ oder „Mal Regen und mal Sonnenschein“. Auch in ihrer Heimat Schweden war sie ein Star und machte mit dem Hit „Bibis Bossa Nova“ die Skandinavier mit dieser Musikrichtung bekannt. Später spielte sie in Filmen mit, feierte Erfolge im Fernsehen und wurde eine erfolgreiche Malerin. An ihrem 94. Geburtstag erkundigte sich das Musikmagazin „schlager.de“ nach ihrem Wohlbefinden und bis auf eine altersbedingte Augenkrankheit geht es ihr gut. Sie lebt weiterhin glücklich und zufrieden allein in ihrem Haus in Pullach.


Kessler-Zwillinge (* 1936)

Auch diese beiden Damen gehen auf die 90 zu und sind fit wie eh und je. Wohl auch deshalb sind Alice und Ellen Kessler immer noch gern gesehene Gäste in Talkshows. Und Deutschlands berühmteste Zwillinge haben viel zu erzählen, schließlich haben sie als Tänzerinnen, Sängerinnen, Schauspielerinnen und Entertainerinnen international Karriere gemacht. Jahrzehntelang zählten sie zu den schönsten Frauen der Welt, feierten Triumphe am Pariser Lido. Vor allem in Italien erfreuten sich die beiden blonden Zwillinge großer Beliebtheit. Noch mit 40 Jahren posierten sie nackt für den dortigen „Playboy“.

Auch die Kessler-Zwillinge vertraten Deutschland beim ESC. Mit ihrem schwungvollen Beitrag „Heute Abend woll’n wir tanzen gehen“ erreichten sie immerhin den achten Platz. Hits hatten sie allerdings nur zusammen mit Peter Kraus, etwa „Honey Moon“ (1959) oder „Mondschein und Liebe“ (1960). Ob Film, Ballett oder Theater: Alice und Ellen Kessler waren in vielen Bereichen des Showgeschäfts erfolgreich. Noch 2016 tanzten sie scheinbar mühelos, 80 Jahre jung, zum Jahreswechsel im „Silvesterstadl“. Zuletzt machten sie Ende 2022 von sich reden, als sie ankündigten, ihre wertvollen Bühnenoutfits zugunsten der Ahrtal-Opfer versteigern zu lassen.


Hans Blum (* 1928)

Viele kennen Hans Blum besser als Henry Valentino und seinen unverwüstlichen Evergreen „Im Wagen vor mir“, der 1977 in die Charts kam. Dabei feierte der Musiker und Komponist bereits Ende der 50er Jahre große Erfolge. Mit „Charly Brown“ gelang ihm 1959 mit Platz 5 sein erster Hit in den Charts, später schrieb er Klassiker „Siebenmeilenstiefel“ für Graham Bonney oder „Das schöne Mädchen von Seite 1“ für Howard Carpendale.

Sein „El Lute“ für Boney M. war 1979 auch ein internationaler Hit. Mit „Primaballerina“ (Siw Malmkvist) oder „Über die Brücke geh'n“ (Ingrid Peters) nahm er als Komponist für Deutschland erfolgreich am ESC teil.

Hans Blum war über 60 Jahre mit seiner Frau Ingetraut verheiratet, die 2020 leider starb. Er lebt nach wie vor im schönen Overath im Rheinisch-Bergischen Kreis. 2022 nahm er in Lindlar am Jahrestreffen des Vereins der „Alexandra-Freunde“ teil. Hans Blum hatte in den 1960er Jahren „Zigeunerjunge“ für die legendäre Sängerin geschrieben.

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