„TransLit“ im Kölner LiteraturhausAnn Cotten steigt für das Bekannte nicht aus dem Bett

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Anne Cotten sitzt an einem Schreibtisch, vor sich ein Stapel Papiere, ein Laptop und einem Mikrofon. Sie hat ihre Haare hinten zu einem Topf zusammengebunden.

Ann Cotten, Schtiftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, eröffnet die TransLit 2024 im Kölner Literaturhaus

Ann Cotten eröffnete im Literaturhaus in Köln ihre TransLit-Poetikdozentur. Darin geht es um Literatur, die Grenzen zu anderen Künsten überschreitet.

Mit dem Sätzchen „So!“ beendete Ann Cotten die Vorlesung, mit der sie im Literaturhaus Köln ihre TransLit-Poetikdozentur eröffnete. Bereits zum achten Mal findet die ambitionierte Veranstaltung statt, die Prof. Christof Hamann an der Universität zu Köln ins Leben gerufen hat. Dabei geht es darum, Autorinnen und Autoren vorzustellen, deren literarisches Werk die Grenzen zu anderen Künsten und Foren überschreitet – etwa zur bildenden Kunst, zur Musik, zum Film, zum Digitalen. Den Anfang machte einst Marcel Beyer. Zuletzt war Leif Randt am Start. Nun also Ann Cotten.

Ann Cotten folgt mit Poetikdozentur auf Leif Randt

„So!“ – das klang am Ende, als wollte die Schriftstellerin dem ausverkauften Haus mitteilen: Nun schaut mal, was ihr damit anfangt! Denn was der Titel der Vorlesung „Trans – Vorsilbe der Unterwindung“ versprochen hatte, hielt der knapp 90-minütige Vortrag mühelos: schwere Kost! Ann Cotten führte durch eine „Menagerie der Transen“, in der sie sich mit Transmission, Transgression, Transkritik, Transport, ein wenig auch mit Transgender und viel zu wenig mit der Transsibirischen Eisenbahn befasste. Sie war unterwegs auf Stippvisite bei Begriffen.

Zwischendurch leuchteten immer wieder Sätze auf, die in eine Poetik zu passen scheinen. Bekenntnisse wie diese: „Was es schon gibt, wegen dem muss ich doch nicht aus dem Bett steigen.“ Sie möchte cool sein, aber dies im Sinne von glaubwürdig und nicht im Sinne von nervig. Kollaborationen mit Musik und bildender Kunst kamen zur Sprache. Aber aus alledem ergab sich kein geschlossenes Bild. Ein solches wurde auch gar nicht angestrebt. Vielmehr zählt das Bekenntnis zur Offenheit zu ihrer Poetik.

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TransLit Publikum lernt polnisches Gendering kennen

Als Performance hatte der Auftritt eine besondere Qualität. Ann Cotten raste durch ihren Text, als gäbe es kein Morgen mehr. Da flogen dem Publikum die Zitate und Assoziationen um die Ohren, als erlebte man einen Hurrikan irgendwo in Iowa, wo Ann Cotten 1982 geboren wurde, ehe sie im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern nach Wien umgezogen ist. Zudem erweckte die in Berlin lebende Autorin den Eindruck, als feilte sie noch während des Vortragens am Vortrag. Jedenfalls machte sie mit einem schon recht heruntergespitzten Bleistift jede Menge Anmerkungen und Unterstreichungen auf dem Manuskript. Dazu dann Erläuterungen wie diese: „Das ist eine ein bisschen kryptische Stelle“. Oder auch so: „Naja, die Argumentation wackelt vielleicht ein wenig.“ Schließlich: „Ich muss noch etwas darüber nachdenken.“

Der stilistische Clou ist allerdings ihr „polnisches Gendering“. Damit bezeichnet Ann Cotten das Verfahren, die für alle Geschlechter möglichen Buchstaben „in gefälliger Reihenfolge“ ans Ende eines Wortes zu setzen. Dieser Regel folgend heißt es in „Die Anleitungen der Vorfahren“, ihrem 2023 bei Suhrkamp veröffentlichten Hawaii-Text: „Dier Erzählerni, zu Gast auf der Insel, bekommt von allen Seiten Geschenke.“ Folgerichtig ist bei der Trans-Tour im Literaturhaus von einer und einem „Ösistaatsbürgerni“ die Rede. So.

Termine zur TransLit

TransLit-Poetikdozentur mit Ann Cotten an der Universität zu Köln: Transgressivität als Standbein ernsthafter Arbeit - Gespräch mit dem Musiker Eric D. Clark (15. 5. 2024, 18 Uhr); Transdisziplin und Transcritique – Gespräch mit dem Philosophen Kobayashi Toshiaki (5. 6. 2024, 18 Uhr); Transdualismus – Gespräch mit dem Literatur- und Kunstwissenschaftler Xiang Zairong (19. 6. 2024, 18 Uhr, evtl. nur online über Livestream).

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