Nach einer Idee von Henning Krautmacher soll ein Jahrhundert kölscher Musikgeschichte auf die Mülheimer Bühne kommen.
„Viva Colonia“Musical mit den größten Kölner Hits kommt ins Depot

Der ehemalige Höhner-Sänger Henning Krautmacher, eingerahmt von den beiden Apiro-Produzenten Frank Blase (l.) und Marc Schneider vor dem Willi-Ostermann-Brunnen
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Von Willi Ostermann bis AnnenMayKantereit: Das von der Apiro Entertainment betriebene Mülheimer Depot bekommt bald ein neues Musical, das mehr als ein Jahrhundert kölscher Musikgeschichte auf der Bühne vereinen soll. Unter dem Arbeitstitel „Viva Colonia“ soll eine Geschichte entstehen, in der Evergreens und Hits bekannter Kölner Musikschaffender im Rahmen eines Jukebox-Musicals ihren Platz finden – von Willi Ostermann und Karl Berbuer über BAP, Bläck Fööss und Höhner bis hin zu Brings, Cat Ballou, Trude Herr und AnnenMayKantereit.
Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Apiro Entertainment ab der Spielzeit 2027/28 den kompletten Mietvertrag der Stadt mit dem Grundstückseigentümer Beos AG übernimmt und künftig beide Säle im Depot – dem ehemaligen Interim des Schauspiel Köln – bespielen wird. Zunächst wird Apiro ab dem kommenden November im Depot 1 das ebenfalls selbst entwickelte Musical „Kick Like a Woman“ zeigen.
Apiro Entertainment will die Geschichte der ganzen Stadt erzählen
Die Idee zu dem Projekt sei laut Pressemeldung 2024 gemeinsam mit Henning Krautmacher, dem langjährigen Frontmann der Höhner, entstanden. Krautmacher hatte im selben Jahr mit einer Cameo-Rolle in dem ebenfalls von Apiro in der Volksbühne am Rudolfplatz produzierten Stück „Himmel und Kölle“ erstmals selbst in einem Musical mitgespielt.
In Gesprächen mit dem Produzenten-Duo Frank Blase und Marc Schneider skizzierte er anschließend seine Vision eines „besonderen Köln-Musicals“. Daraus habe sich schnell die größere Idee entwickelt, die musikalische Geschichte der ganzen Stadt zu erzählen, teilten die Produzenten mit. Das Buch zur Show sei bereits in Arbeit. Details zu Handlung, Besetzung, Kreativteam und einem möglichen Premierentermin stehen den Angaben zufolge noch aus.
Köln hat einen musikalischen Schatz, um den uns viele Städte beneiden.
Krautmacher betonte die Bedeutung des kölschen Liedguts: „Köln hat einen musikalischen Schatz, um den uns viele Städte beneiden. Diese Lieder begleiten Menschen teilweise seit Generationen.“ Die Musik erzähle im Grunde längst die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen, so Krautmacher weiter.
Die Produzenten Blase und Schneider erklärten, es gehe ihnen nicht darum, einfach einen Hit nach dem anderen aneinanderzureihen. Der Anspruch sei eine Geschichte, in der die Songs einen natürlichen Platz finden und gemeinsam etwas Neues entstehen lassen – ein Musical, bei dem schon nach wenigen Takten klar werde, dass es nur in Köln spielen könne.
Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ betonte Frank Blase, dass er im Depot nicht ausschließlich kölsche Inhalte zeigen werde. Ihm gehe es um eine gute Mischung zwischen unterhaltenden und anspruchsvollen Inhalten. In naher Zukunft will er am Mülheimer Standort auch das Musical „Die weiße Rose“ zeigen. Apiro hatte bereits die Entwicklung des mehrfach preisgekrönten Stücks um die Münchner Widerstandsgruppe mitfinanziert und auch das Gastspiel in der Philharmonie im Rahmen des Kölner Sommerfestivals unterstützt.
Die zeitliche Nähe zur konkreten Umsetzung von „Viva Colonia“ ist auch symbolisch aufgeladen: 2026 jährt sich der Geburtstag von Willi Ostermann zum 150. Mal. Der am 1. Oktober 1876 in Köln-Mülheim geborene Liedermacher gilt als eine der prägenden Stimmen für das musikalische Selbstverständnis der Stadt. Das geplante Musical spannt damit einen Bogen von den Anfängen des kölschen Liedguts bis zum Sound einer neuen Kölner Generation, wie sie vom Trio AnnenMayKantereit vertreten wird – oder, wie es die Produzenten formulieren: „Nicht von A bis O, sondern von O bis A.“
