Leserbriefe zum Gastbeitrag von Tomas SedlacekKeine Zahlungen mehr an Russland
7 min
Ein Teilnehmer einer Fridays for Future-Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine hält ein Schild mit der Aufschrift „Gas- & Öl-Boykott jetzt! Wir können uns das leisten“.
Statt Waffenlieferungen Wirkung von Sanktionen abwarten
Der Autor geht davon aus, dass Russland den Krieg schon verloren hat, weil Russlands Wirtschaft de facto bereits tot sei. Wenn dem so ist, wenn das durch Sanktionen zu erreichen ist, warum wird der Krieg dann mit Waffenlieferungen verlängert? Ohne militärische Unterstützung hätte die Ukraine wohl erst einmal verloren. Was würde das bedeuten? Die Ukraine wäre von Russland okkupiert. Es würden nicht so viele Menschen sterben. Ihre Lebensgrundlage, ihre Städte, ihre Wohnungen, Kindergärten, Krankenhäuser und Arbeitsplätze wären nicht zerstört.
Wenn dann die Sanktionen aufrechterhalten würden, der Ausstieg aus den Lieferungen von Energie aus Russland sofort erfolgen würde, wenn die Opposition in Russland gestärkt würde? Dann würde die Bevölkerung in Russland leiden. Das tut sie auch jetzt schon. Aber die russische Regierung würde absehbar die Unterstützung in der Bevölkerung verlieren, und es gäbe eine gute Grundlage für Verhandlungen, um die Ukraine wieder zu befreien. Die höheren Energiepreise hier könnten ohne weiteres mit dem Geld aufgefangen werden, das jetzt für Rüstung, Geflüchtete und später für den Wiederaufbau der Ukraine verwendet wird.
Auch die Menschen in der ehemaligen DDR waren lange eingesperrt. Wenn man sie heute fragen würde, ob ihnen lieber gewesen wäre, dass die Mauer schneller gefallen wäre, zu dem Preis, den die ukrainische Bevölkerung jetzt dafür zahlen muss, oder noch einmal für lange Zeit hinter der Mauer zu sein, dafür aber lebend und mit der langfristigen Perspektive auf eine Veränderung – wofür würden sie sich wohl entscheiden? Wem nützen Waffenlieferungen? Der ukrainischen Bevölkerung wohl eher nicht!Gabi Schmitt Köln
Furcht vor russischer Reaktion
„Putin kann nicht gewinnen“ – diese Überschrift stimmt zunächst positiv; das Szenario ist fachlich sicherlich kompetent hergeleitet. Dann stellt sich jedoch ein mulmiges Gefühl ein. Was sind denn die Folgen, und zwar nicht nur für das russische Volk? Zu welchen Mitteln wird ein Diktator und/oder Terrorist höchstwahrscheinlich greifen, wenn er vor der Implosion seines Herrschaftsgebietes steht, also nichts mehr zu verlieren hat? Die Antwort liegt auf der Hand.Marie-Luise Steeger-HefterKöln
Ab sofort keine Zahlungen mehr an Russland
Kriegstreiber muss man austrocknen, wo es am besten wirkt: Militärisch, indem man ihnen keine Waffen verkauft. Wirtschaftlich, indem man sie vom internationalen Handel ausschließt. Außenpolitisch, indem man sie völkerrechtlich ächtet. Vor allem aber finanziell, indem man ihre Einnahmequellen stoppt. So wie jetzt Putin gestoppt werden muss: Seine Kriegskasse muss dadurch trocken gelegt werden, dass seine hauptsächlichen Einnahmequellen Öl und Gas abgeschnitten werden.
Ab sofort sollten möglichst keine Zahlungen mehr an Russland erfolgen. Das kann und muss sofort geschehen, auch durch Zahlungssperren. Klar, wir sind aus unserem Dornröschenschlaf der letzten Jahrzehnte des Friedens in Europa unsanft geweckt worden. Klar ist aber auch, dass wir für den Frieden Opfer bringen müssen. Weil die Politik die Energiewende verzögert hat, stehen wir nun vor einem Offenbarungseid. Sehr ärgerlich, aber notwendig, um den Frieden zu erreichen und Putin zum Stopp seines Angriffskrieges zu zwingen.
Hört auf mit dem Gezeter um steigende Energiekosten, bittet die Verantwortlichen zur Kasse! Die Beschlagnahme von Geld aus oligarchischen Machenschaften könnte zu einer Wiedergutmachung genutzt werden. Putin darf nicht gewinnen, nur weil wir es kuschelig haben wollen. Michael SchoofsKöln
Messlatte aller Maßnahmen muss sein, ob Putin an den Verhandlungstisch zurückkehrt
Der Maßstab, an dem die Eignung von wirtschaftlichen und sonstigen Sanktionen gegenüber Russland momentan vorrangig gemessen werden sollte, kann nicht allein und auch nicht in erster Linie die Auswirkung auf unseren Wohlstand sein. Stichwort: „Frieren für die Freiheit“. Die prioritäre Messlatte muss angesichts der aktuellen, katastrophalen Lage der Menschen im Kriegsgebiet darin bestehen, ob eine solche Maßnahme bewirkt, dass Russland die unmenschlichen Attacken in der Ukraine einstellt und an den Verhandlungstisch zurück kehrt.
Und in dieser Diskussion hat mir noch niemand ein nachvollziehbares Argument dafür genannt, dass Wladimir Putin sich in diese Richtung bewegt, wenn nach den USA auch Deutschland, Ungarn und andere europäische Großabnehmer den Bezug von Energierohstoffen abrupt einstellen. Selbst wenn die Millionen-Zahlungen der Europäer für den russischen Staatshaushalt von heute auf morgen ausfallen, heißt das noch lange nicht, dass der russischen Armee bei ihren Operationen die berühmt berüchtigte Luft ausgeht. Zu befürchten steht eher, dass ein solches Vorgehen zu einer unkontrollierbaren Trotzreaktion führen wird, die uns dann nahezu unlösbare Problemlagen beschert.Dr. Bernd SüllowPulheim
Nicht weiter von Putin vorführen lassen
US-Präsident Joe Biden hat völlig Recht, wenn er Putin als Killer und Kriegsverbrecher bezeichnet. Und zu einem Kriegsverbrecher und Massenmörder bricht man jeglichen Kontakt ab. Es bringt überhaupt nichts, wenn sich europäische Politiker an überlangen Tischen von Putin vorführen lassen, wenn man um Schonung und Menschlichkeit für die heldenhaften Ukrainer bittet oder wenn man an das Gewissen eines Mannes appelliert, der dieses nicht besitzt und im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Putin sollte sozial, wirtschaftlich und politisch völlig isoliert und auf internationaler diplomatischer Bühne kaltgestellt werden.
Wenn es zutrifft, was Tomas Sedlacek in seinem Gastbeitrag schreibt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann Russlands Gesellschaft und Wirtschaft kollabieren, dann sollte man abwarten, bis man sich nicht mehr als Bittsteller an Putin wenden muss, sondern Forderungen an ihn stellen kann etwa zum Status und Wiederaufbau der Ukraine, und bis auch endlich die Russen selbst erkennen, welches Unheil und welchen Schaden Putin über sein Land gebracht hat.
Putin ist als Verhandlungspartner inakzeptabel geworden, er wird in seiner Zeit als Russlands Präsident nie mehr ein geachteter Politiker in der Welt sein, und er sollte auch daran denken, dass ihm ein Ende drohen könnte, das viele skrupellose und mörderische Diktatoren in den vergangenen Jahrzehnten erleiden mussten.Prof. Dr. Claus WerningFrechen
Hinweisschild auf unterirdische Gasleitungen. Über 50 Prozent der deutschen Gasimporte stammen aus Russland.
Copyright: dpa
Raus aus der Abhängigkeit und Boykott sofort
Es heißt immer wieder, wir können nicht sofort aus der Energieversorgung durch Russland aussteigen und ein Boykott muss auch lange durchgehalten werden, um die notwendige Wirkung zu erzielen. Warum werden in diesem Zusammenhang die Einsparmöglichkeiten so grob vernachlässigt, die durch kurzfristige, unkompliziert einführbare Regelungen erzielt werden können? Tempo 100 auf unseren Autobahnen würde auf einen Schlag zu einer deutlichen Verringerung des Spritverbrauchs führen und erfordert nur etwas Bewegung im Bundestag.
Autofreie Sonntage würden zusätzlich zu erklecklichen Einsparungen führen. In der „Ölkrise“ 1973 ging es doch auch. Und an den autofreien Sonntagen wurden Autobahnen zu Rollschuh- und Fahrradpisten, da würden sich die Kinder auch heute drüber freuen. Wenn wir dann auch noch alle die privaten Autofahrten auf ein wirklich notwendiges Maß herunterfahren und beim Heizen und Duschen die Temperatur nur um ein Grad reduzieren, dann nutzen wir sehr schnell ein beträchtliches Einsparpotenzial. Der Ausbau erneuerbarer Energiegewinnung muss selbstverständlich parallel forciert werden.
Warum zeigen wir dem Despoten im Osten nicht, dass wir uns schneller aus der Abhängigkeit von seinen Lieferungen verabschieden können, als er es sich vorstellen kann? Putin muss sich von der Vorstellung trennen, dass wir seinen Krieg weiterhin mit unseren Milliarden mitfinanzieren. Also raus aus der Abhängigkeit und Boykott sofort! Wir schaffen das.Andreas AlthausKöln
Zurück zur heimischen Braunkohle und zur Atomkraft
Der Krieg mit der Ukraine hat uns gezeigt, dass wir über Jahrzehnte eine Energiepolitik aufgebaut haben, die nicht funktioniert. Des Weiteren glaubt die Politik, mit Windkraft und Sonne ein Industrieland wie Deutschland ausreichend mit Strom versorgen zu können. Funktioniert das? Wir brauchen rund um die Uhr eine zuverlässige Stromversorgung. Das kann der „Zappelstrom“ aus Windkraft und Sonnenenergie nicht leisten, weil der Wind nicht immer weht und die Sonne nicht immer scheint.
Zuverlässigen Strom können wir nur in Kohle- und Kernkraftwerken produzieren, Fachleute sagen dazu auch „Grundlaststrom“. Und diesen „Grundlaststrom“ brauchen wir auch künftig und es ist ein Unding, Kohle- und Kernkraftwerke abzuschalten. Hinzu kommt, dass wir heimische Braunkohle verfeuern, die noch über Jahrzehnte ausreichend verfügbar ist. Und Uran? Uran ist weltweit über Jahrzehnte ebenfalls vorhanden. Es ist unverständlich, unsere sicheren Kernkraftwerke abzuschalten und auch noch aus der Kohleverstromung auszusteigen.
Und die Alternative? Es gibt keine! Uns werden bald die Lichter ausgehen. Und Gas? Wir hätten noch Gasvorkommen, die wir durch „Fracking“, die Gewinnung aus Schiefergas, erschließen könnten. Doch Fracking wurde verboten. Dann besteht noch die Möglichkeit, Gas in den USA oder im Emirat Katar einzukaufen. Doch das ist wieder eine Abhängigkeit von Rohstoffen aus andern Ländern und wir haben auch noch keine Terminals zum Umschlag. Fazit: Die Zukunft kann nur bei heimischer Braunkohle und weiterem Erhalt der Kernkraftwerke liegen – packen wir's an!Klaus RidderSiegburg