Im Interview zieht die ehemalige Außenministerin nach fast einem Jahr bei den Vereinten Nationen Bilanz und spricht über schwierige Momente.
„Stimme zu hoch oder die High Heels“Annalena Baerbock spricht über Hass im Netz und Belastung für ihre Familie

Annalena Baerbock verlässt die Generalversammlung der Vereinten Nationen, nachdem sie zur Präsidentin der 80. Sitzung des Gremiums gewählt wurde. (Archivbild)
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Als Frau in der Spitzenpolitik braucht man ein starkes Nervenkostüm. Das hat Annalena Baerbock während ihrer Zeit als deutsche Außenministerin selbst erfahren. Auch in ihrer aktuellen Rolle als Präsidentin der UN-Generalversammlung steht die Grünen-Politikerin regelmäßig in der Kritik. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ zog sie nach fast einem Jahr in New York eine persönliche Bilanz.
Zusätzliche Angriffslinien gegen Frauen in der Öffentlichkeit
„Bei Frauen (...) kommt, egal ob Sport oder Spitzenpolitik, je sichtbarer man wird, immer noch eine zusätzliche Angriffslinie dazu. Dann ist plötzlich die Stimme zu hoch oder die High Heels“, betonte Baerbock im Interview.
Bei Beleidigungen unter der Gürtellinie, denen sie im Internet ausgesetzt sei, gebe es aus ihrer Sicht einen Unterschied zu männlichen Kollegen. Ähnliche Kommentare erlebe man bei Politikern wie Robert Habeck oder Friedrich Merz nicht in vergleichbarer Weise.
Umgang mit Kritik und persönlichen Angriffen
Baerbock erklärte, dass konstruktive Kritik und Selbstreflexion für sie weiterhin wichtig seien. Auf die Frage, ob sie die Politik manchmal satt habe, räumte sie ein, dass es Momente gegeben habe, in denen sie sich diese Frage gestellt habe: „Es gab Momente, wo ich dachte: Wie lange kann ich das vor allem meinen Kindern noch zumuten?“

Annalena Baerbock, Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen, hält im Palexpo während der Eröffnungszeremonie des „Global Dialogue on AI Governance“ eine Rede. (Archivbild)
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In einer besonders schwierigen Phase habe ihr jedoch ein Gedanke geholfen: Schmähkampagnen zielten auch darauf ab, junge Frauen davon abzuhalten, öffentliche Verantwortung zu übernehmen. Diese Erkenntnis habe ihr geholfen, unabhängiger mit den Angriffen umzugehen.
Neues Kapitel nach New York
Baerbock betonte im Gespräch, dass sie vor allem für nachfolgende Generationen junger Frauen weitermache. Wenn ohnehin bereits viel über sie geschrieben werde, wolle sie ihren Weg weiterhin auf ihre eigene Weise gehen.
Im Herbst endet ihre Amtszeit bei den Vereinten Nationen in New York. Wo sie danach ihr nächstes Kapitel aufschlagen möchte, ließ die Politikerin offen. Mit Blick auf ihre beiden Töchter sagte sie, dass eine Mutter unter dauerhafter öffentlicher Aufmerksamkeit für Kinder eine besondere Herausforderung bedeute. (jag)
