Der 70. Eurovision Song Contest ist vorbei. Sarah Engels landet für Deutschland auf dem 23. und drittletzten Platz. Da gäbe es eigentlich wenig zu lachen. Wenn es nicht noch Thorsten Schorn, den ARD-Kommentator, gäbe. Der macht bei seinen Frotzeleien auch nicht vor Politprominenz Halt.
„Jetzt gehen die Spritpreise wieder hoch“ESC-Kommentator witzelt über deutschen Beitrag - und Jens Spahn

Sarah Engels gab alles für Deutschland - aber mehr als der 23. und drittletzte Platz sprang beim 70. Eurovision Song Contest leider nicht heraus. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Bruna)
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Souveräner Sieg! Bulgariens Dara siegte mit ihrem Titel „Bangaranga“ mit 516 Punkten und damit 173 Punkten Vorsprung vor Israel. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Bruna)
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Thorsten Schorn führte zum dritten Mal als spitzzüngiger Kommentator durchs ARD-Programm. Er nahm etliche Künstler und auch einen Politiker aufs Korn. (Bild: NDR/Morris Mac Matzen)
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Es ist gute Tradition, dass sich die deutschen Kommentatoren des ESC pointiert zu den Künstlern aus aller Welt äußern. Das war bei Peter Urban so und auch sein Nachfolger Thorsten Schorn pflegt eine feine spitze Zunge. Das gefällt nicht allen, da gibt's aus dem Internet auch mal Gegenwind. Aber den gibt's ja beim ESC auch - und sei es durch die Windmaschinen auf der Bühne.

Dass die Schwedin Felicia mit Maske auftrat, erinnerte Thorsten Schorn an CDU-Politiker Jens Spahn. Die Maske nützte Schweden nichts, Felicia landete auf Platz 20. (Bild: EBU/Alma Bengtsson)
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Null Rückenwind gab es beim ESC einmal mehr auch für die Vertreterin aus deutschen Landen. Sarah Engels brachte mit „Fire“ zwar den Saal mit den 10.000 Fans zum Kochen. Aber weder die Jurys noch die Fans in den 34 anderen Teilnehmerländern erwärmte ihr Vortrag. Im Jury-Voting gab es 30-mal null Punkte. Nur Bulgarien (2), Belgien (2), Portugal (4) und Italien (4) verschenkten Punkte nach Deutschland. Bedeutete Platz 22. Noch enttäuschender das Publikums-Voting: Da gab es keinen einzigen Punkt. Dadurch fiel Engels auf den 23. und somit drittletzten Platz zurück. Nur Österreich und Großbritannien bekamen noch weniger Punkte.

Victoria Swarovski und Michael Ostrowski führten vielsprachig und launig durch die ESC-Jubiläumsveranstaltung. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Bruna)
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Am anderen Ende des Tableaus: Bulgarien mit Dara. Deren turbulentes „Bangaranga“ heimste die meisten Jury-Punkte (204) und die meisten Publikums-Punkte (312) ein und siegte mit 516 Punkten souverän vor Israel (343). Dritter wurde Alexandra Căpitănescu für Rumänien (296) vor der favorisierten Australierin Delta Goodrem (287). Der Favorit der Buchmacher, Finnland (279), wurde hinter Italien (281) „nur“ Sechster.
Wegen einer Maske: Thorsten Schorn stichelt Jens Spahn

Noam Bettan holte mit „Michelle“ Platz zwei für Israel. Als er kurzzeitig in Führung ging, gab es deutliche Buh-Rufe in der Wiener Stadthalle. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Bruna)
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Die Rumänin Alexandra Căpitănescu bekam die zweitmeisten Publikumsstimmen und erreichte dadurch einen starken dritten Platz. (Bild: EBU/Sarah Louise Bennett)
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Thorsten Schorn war von Anfang an gut drauf. Nach der fraglos heißen Show von Sarah Engels mit reichlich Pyro-Einsatz konstatierte er nicht nur eine „unfassbare Freude“, mit der Engels aufgetreten sei, sondern auch Energieverschwendung: „Jetzt gehen die Spritpreise wieder hoch.“ Als die Briten mit einer merkwürdigen Nummer mit deutschem Titel (“Eins, zwei, drei“) antraten, meinte Schorn so ironisch wie prophetisch, dass sich der Titel durchaus auch auf die Anzahl der späteren Punkte beziehen können. Es gab letztlich nur einen einzigen Punkt für die Briten.

Delta Goodrem galt als Favoritin. Der australische Superstar musste sich am Ende mit Rang vier begnügen. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Bruna)
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Auch Schweden, immerhin schon siebenmal ESC-Sieger, bekleckerte sich nicht mit Ruhm. Die Nummer „My System“ von Felicia konnte weder Jurys noch Fans überzeugen und landete letztlich auf Rang 20. Schorns Blick fiel auf eine Besonderheit am Outfit der Künstlerin. Die trägt nämlich in der Öffentlichkeit immer Sonnenbrille oder eine Maske. In Wien hatte sie eine Maske gewählt. „Die Maske der Schwedin war leicht zu besorgen“, meinte Schorn und fügte dann hinzu: „Jens Spahn kennt da jemanden ...“ Damit setzte Schorn einen Seitenhieb in Richtung des CDU-Fraktionsvorsitzenden und ehemaligen Bundesminister für Gesundheit, unter dessen Zuständigkeit es zur sogenannten „Maskenaffäre“ gekommen war. Und da sage noch einer, der ESC sei nicht politisch ...

Wochenlang waren Linda Lampenius und Pete Parkkonen aus Finnland Nummer eins bei den Buchmachern. Am Ende reichte es dann aber nur für Rang sechs. (Bild: EBU/Sarah Louise Bennett)
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Das merkte man auch kurz, als Noam Bettan für Israel beim Aufaddieren der Publikumsstimmen dank 220 Fan-Punkten kurzfristig in Führung ging. Während es bei Noams Auftritt keinerlei Störaktionen gab, waren nun im weiten Rund der Wiener Stadthalle deutliche Buh-Rufe zu hören. Als es zur finalen Entscheidung zwischen Israel und Bulgarien kam, gab es „Bulgarien“-Sprechchöre.
Barbara Schöneberger: „Es lag nicht an Sarah Engels“

Von Heimvorteil konnte keine Rede sein. Cosmó landete mit „Tanzschein“ für Gastgeber Österreich direkt hinter Sarah Engels auf dem vorletzten Platz. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Bruna)
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Enttäuschung: Für Großbritannien erreichte Look Mum No Computer mit dem Titel „Eins, Zwei, Drei“ nur einen einzigen Punkt. Das Mutterland des Pop landete auf dem letzten Platz! (Bild: EBU/Alma Bengtsson)
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Und sonst? Österreich und die Schweiz gaben keinerlei Punkte an Deutschland. Die deutschen Fans wenigstens fünf an Österreich. Für die Schweiz konnte man nicht voten, die hatten sich nicht fürs Finale qualifiziert.
Alle nahmen Sarah Engels in Schutz. „Natürlich haben Leute für sie angerufen und sie hat die Menschen begeistert“, sagte Schorn ohne jede Ironie. Auch Barbara Schöneberger und Thomas Hermanns konstatierten hinterher: „Es lag nicht an Sarah, es lag am Lied.“ Und Engels selbst sagte, sie habe „so viel Spaß“ gehabt. „Ich bleibe, wie ich bin - positiv“, sagte sie.
Die Moderatoren Victoria Swarovski und Michael Ostrowski machten einen guten Job und überzeugten mit perfektem Englisch und Französisch und mit (ein bisschen einstudiert wirkenden) Gags. Die Produzenten brachten - von Lordi bis Max Mutzke - etliche Stars der ESC-Geschichte auf die Bühne. Da war ein großes, buntes Treiben auf der Bühne, als die Gäste große ESC-Hits wie „Volare“ oder „Waterloo“ und „Dschinghis Khan“ anstimmten. Das brachte auch Thorsten Schorn zum seligen, ironischen Schwärmen: „Wenn jetzt noch Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner um die Ecke kommen, dann ist's wie Silvester am Brandenburger Tor“, meinte er und stichelte damit sanft gegen die Silvester-Show des ZDF. (tsch)