In Deutschland gibt es derzeit 410 islamistische Gefährder. Gleichzeitig wenden sich immer mehr besorgte Eltern an die Beratungsstelle Radikalisierung – vor allem seit dem Hamas-Angriff auf Israel.
Nach CSD-AnschlagPolizei meldet 410 islamistische Gefährder in Deutschland

Ein Mitarbeiter der Unfallforschung betrachtet den Transporter, mit dem der islamistische Gefährder Abdul Ballout im Berliner Tiergarten zuerst Menschen attackiert hatte und anschließend gegen einen Baum gefahren war.
Copyright: Sebastian Gollnow/dpa
Das Bundeskriminalamt (BKA) führt derzeit 410 Menschen in Deutschland als islamistische Gefährder. Das teilte ein Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Hinzu kämen 65 rechts- und 17 linksextremistische Gefährder. Als Gefährder gelten Menschen, denen schwerwiegende Gewalttaten wie Anschläge zugetraut werden.
Der Sprecher betonte, die Einstufung erfolge durch die Bundesländer: „Die Gründe für eine Ein- oder Ausstufung sind vielfältig und unterliegen jeweils einer Einzelfallbetrachtung. Die Anzahl der Gefährder und Relevanten Personen unterliegt folglich Schwankungen.“ Relevante Personen sind Unterstützer von Gefährdern. Er wies ferner darauf hin, „dass die Anzahl der Gefährder und Relevanten Personen als alleiniges Kriterium keinen Aufschluss über die Gefährdungslage gibt“.
Beratungsstelle: Zahlreiche Anrufe aus Familien
Die Beratungsstelle Radikalisierung zur Islamismus-Prävention beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg registrierte unterdessen in der ersten Hälfte dieses Jahres 165 Beratungsanfragen. „Der Beratungsbedarf von Personen, die sich mit Fragen zu islamistischen Radikalisierungsformen an das bundesweite Angebot der Beratungsstelle wenden, bewegt sich damit weiterhin auf einem hohen Niveau – vergleichbar mit den Werten des Jahres 2023“, sagte ein Sprecher. Damals habe die Zahl der Beratungsanfragen im Gesamtjahr bei 374 gelegen.
Mehr als die Hälfte der Anfragen stammte im Jahr 2025 dem Sprecher zufolge von Institutionen wie Schulen – sowie knapp 43 Prozent aus dem familiären Umfeld mutmaßlich radikalisierter Menschen. „Hiervon stellten Eltern die größte Gruppe der Ratsuchenden dar.“ Dabei habe das Durchschnittsalter der mutmaßlich Radikalisierten 2025 bei knapp 19 Jahren gelegen.
Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stelle mit Blick auf die Anfragen einen Einschnitt dar, sagte der Sprecher. Als Konsequenzen derartiger Taten steige die gesellschaftliche Sensibilität für Radikalisierung, „was zu höheren Anrufer-Zahlen führt“.
Die Beratungsstelle Radikalisierung leitet dringendere Fälle an regionale Beratungsstellen weiter. Eine dieser Beratungsstellen – das Violence Prevention Network (VPN) – hatte auch Kontakt mit dem Urheber des Attentats auf den Berliner Christopher Street Day, dem 21-jährigen Abdul Ballout.
