Nach Angaben der CDU geht es um die Verbreitung eines möglichen KI-generierten Videos in einer privaten WhatsApp-Gruppe.
Bericht über „verstörende Details“Sexualisiertes Deepfake-Video geteilt – CDU entlässt Mitarbeiter

Mehrere Tausend Menschen nehmen am 28. März in Köln an einer Demonstration gegen patriarchale Gewalt teil. Auslöser war der Fall Collien Fernandes. Nun erschüttern Deepfake-Vorwürfe die CDU in Niedersachsen. (Archivbild)
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Wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Deepfake-Video mit sexualisiertem Inhalt hat die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag nach eigenen Angaben die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Man habe die Behörde in Hannover über den Sachverhalt informiert und sämtliche Unterlagen übergeben, teilte die Fraktion mit.
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft konnte zunächst keine näheren Angaben machen. Man habe bislang keine Kenntnis über einen Vorgang oder eine entsprechende Anzeige.
Deepfake-Video von CDU-Mitarbeiterin in WhatsApp-Gruppe verbreitet
Nach Angaben der CDU geht es um die Verbreitung eines möglichen KI-generierten Videos in einer privaten WhatsApp-Gruppe mit Bezug zur Mitarbeiterschaft der Fraktion. Weitere Details wurden nicht genannt. Deepfakes sind täuschend echte, mit Künstlicher Intelligenz (KI) generierte oder manipulierte Bilder, Videos und Audioaufnahmen.
Die „Bild“-Zeitung berichtet unterdessen, dass der mutmaßliche Urheber des Videos mittlerweile freigestellt und fristlos gekündigt worden sei. Das Video soll demnach bereits Mitte Januar in einer privaten Whatsapp-Gruppe geteilt worden sein. Darin sei eine CDU-Angestellte in „eindeutig sexualisierter Weise“ zu sehen, hieß es weiter.
Das Boulevardblatt berichtete zudem über „verstörende Details“: Demnach waren weitere männliche Mitglieder der niedersächsischen CDU-Fraktion in der Chatgruppe registriert, sie soll den Gruppennamen „MitGLIEDER“ getragen haben. Als Profilbild sei ein Elefant mit erigiertem Penis gewählt worden.
Lechner: „Null Toleranz“ bei Frauenfeindlichkeit in der CDU
Die in dem Video abgebildete Frau habe erst in der letzten Woche von dem Video erfahren und daraufhin die Fraktionsführung informiert. Die Mitarbeiterin erstattete laut „Bild“ zudem Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.
Fraktionschef Sebastian Lechner kündigte nun umfassende Aufklärung an. „Alles muss transparent und lückenlos aufgeklärt werden“, sagte er. „Bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen gibt es in der CDU null Toleranz.“ Die Fraktion nehme die Angelegenheit sehr ernst.
Fraktionschef kündigt bessere interne Strukturen an
Der Fraktionschef kündigte zudem an, mit externer Unterstützung Maßnahmen zur Verbesserung interner Strukturen zu erarbeiten. Ziel sei es, Sexismus besser zu verhindern und Betroffene sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Die CDU-Fraktion betonte, es gelte die Unschuldsvermutung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte werde es vorerst keine weiteren Stellungnahmen geben.
Für Aufsehen sorgen unterdessen auch Berichte über eine mögliche Verheimlichung des Vorfalls. Es habe in der Chatgruppe die Anweisung gegeben, das Video umgehend zu löschen und Stillschweigen über die Sache zu bewahren, berichtete „Bild“ weiter. Für den Urheber habe es als Konsequenz lediglich eine Abmahnung gegeben, hieß es weiter.
Parlaments-Geschäftsführerin Carina Hermann (auch Mitglied des CDU-Bundesvorstands) wurde zudem laut einem Bericht von „Welt“ nur unzureichend über den Vorgang informiert – Fraktionschef Lechner zunächst gar nicht. Er erfuhr demnach erst am Freitag vom Inhalt des Videos. Dem „Welt“-Bericht zufolge wurde auch der Mitarbeiter, der zum Stillschweigen aufgerufen hatte, am Dienstag suspendiert. (das/dpa)

