Steimle hatte am Dienstag auf das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 angespielt und dabei den Bundeskanzler ins Visier genommen.
„Ekelerregend“Empörung über Äußerungen von Kabarettist Steimle zu Merz

Ulrich Siegmund (l., AfD), Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. September, Tino Chrupalla (M.), AfD-Bundesvorsitzender, und Uwe Steimle, Kabarettist, stehen bei einer Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt auf der Bühne.
Copyright: Jan Woitas/dpa
Äußerungen des Kabarettisten Uwe Steimle über einen möglichen Anschlag auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sorgen für Empörung. Bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt hatte Steimle mit einer Anspielung auf den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg zuvor für Aufsehen gesorgt. Stauffenbergs Enkel warf dem Schauspieler in der „Bild“-Zeitung von Donnerstag „Geschichtsklitterung par excellence“ vor. Kritik kam auch aus den Reihen der AfD.
Steimle hatte am Dienstagabend in Dessau auf das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 angespielt und dabei den Bundeskanzler ins Visier genommen: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 mit einem Bombenanschlag versucht, NS-Diktator Adolf Hitler zu töten.
Stauffenberg-Enkel wütend: „Eine Verharmlosung des Dritten Reichs“
Der Enkel des Widerstandskämpfers Stauffenberg warf Steimle nun vor, Merz und Hitler gleichzusetzen – das sei ganz schlimm und „eine Verharmlosung des Dritten Reichs“. „Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft“, sagte Karl Graf von Stauffenberg der „Bild“-Zeitung.

Uwe Steimle (r), Kabarettist, spricht neben Tino Chrupalla (AfD), Bundesvorsitzender, auf einer Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt.
Copyright: Jan Woitas/dpa
Der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen kritisierte Steimle ebenfalls für seine Äußerung. „Für die meisten deutschen Komiker ist es bereits schwer genug, lustig zu sein. Da sollten sie sich nicht zusätzlich noch mit Politik und Geschichte belasten“, sagte Lucassen dem Portal „The Pioneer“. Mit Blick auf seine eigene Partei fügte Lucassen hinzu: „Und für deutsche Politiker gilt: Wir sind in Zeiten schwerster Herausforderungen, denen wir mit eiserner Ernsthaftigkeit begegnen müssen. Es sind genug Witze gerissen worden.“
„Dürfte für ein Verbotsverfahren gegen die AfD von Bedeutung sein“
Ruprecht Polenz, ehemaliger Generalsekretär der CDU, kritisierte unterdessen die bei der Veranstaltung anwesenden AfD-Politiker. „Steimle wird wohl so gerade davonkommen wegen ‚Satire‘. Aber dass Chrupalla und Siegmund den indirekten Mordaufruf nicht zurückgewiesen haben, dürfte für ein Verbotsverfahren gegen die AfD von Bedeutung sein“, schrieb Polenz mit Blick auf den AfD-Chef Tino Chrupalla und den sachsen-anhaltischen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund.
Steimle sprach auf der Veranstaltung auch darüber, die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „an die Wand“ zu stellen oder aufzuhängen. Er bezog sich dabei auf ein Porträt-Gemälde der Kanzlerin, die er „das Merkel“ nannte.
„Die AfD hasst die Bundesrepublik“
Auch diese Äußerung sorgte für scharfe Kritik. „Die AfD hasst die Bundesrepublik. Deswegen ist man ein williges Werkzeug Putins, deswegen singt man die DDR-Hymne und macht auf Diktaturverharmlosung“, schrieb etwa Grünen-Politiker Konstantin von Notz auf der Plattform X. „Das begeisterte Beklatschen von Anspielungen auf Inhaftierung und Hinrichtungen Merkels sind ekelerregend“, hieß es weiter.
Wegen der AfD-Veranstaltung in Dessau ermittelt nach einem Bericht des „Spiegel“ die Staatsanwaltschaft. Ermittelt werde wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“, berichtet das Magazin.
Chrupalla und Siegmund singen DDR-Hymne teilweise mit
Die AfD hatte am Dienstagabend in Dessau-Roßlau zu einer Podiumsdiskussion mit Steimle eingeladen. Am Ende sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne gesungen werden, Steimle stimmte jedoch die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ an. Chrupalla und Siegmund lächelten und sangen teilweise mit.
In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. In den Umfragen liegt die AfD deutlich vor der regierenden CDU. Der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. (das/dpa)
