Bei der Wahlabsicht für eine Bundestagswahl überholt die AfD in NRW die CDU. Bemerkenswert sind die Werte der Sonntagsfrage für die Landtagswahl.
Exklusiv für „Kölner Stadt-Anzeiger“AfD laut Forsa-Umfrage erstmals auf Platz 1 in NRW

Aufsteller mit Schriftzug und Logo der AfD
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Die aktuelle politische Stimmungslage in Deutschland hat dramatische Folgen auch für die Parteienlandschaft in Nordrhein-Westfalen. Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl, würde die AfD im bevölkerungsreichsten Bundesland zum ersten Mal stärkste Kraft. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit einem Stimmenanteil von 24 Prozent übertrifft die AfD ihr NRW-Ergebnis in der Bundestagswahl 2025 deutlich übertreffen und zieht um 2 Punkte an der CDU (22 Prozent) vorbei, die 2025 als bislang stärkste Partei in NRW auf 30,1 Prozent kam.

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Forsa-Gründer Manfred Güllner sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, was sich in den bundesweiten Umfragen seit Monaten verfolgen lasse, „das manifestiert sich jetzt unausweichlich auch in Nordrhein-Westfalen“. Noch vor einem halben Jahr hatte die AfD im „NRW-Check“, der Umfrage-Serie des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und weiterer Tageszeitungen aus Nordrhein-Westfalen, bei der Wahlabsicht der Bürgerinnen und Bürger für den Bundestag mit 22 Prozent klar hinter der CDU mit damals 26 Prozent gelegen. Die Grünen kamen seinerzeit auf 18 Prozent, die SPD auf 13 und die Linkspartei auf 9 Prozent. In den aktuellen Zahlen schlägt sich nach Güllners Worten die fortschreitende Auflösung des BSW nieder, von der neben der Linkspartei eben auch die AfD profitiere.
CDU in NRW fällt unter 30-Prozent-Marke
In der Sonntagsfrage für eine Landtagswahl kann die Landes-CDU mit ihrem Vorsitzenden, Ministerpräsident Hendrik Wüst, ihren Spitzenplatz verteidigen, fällt aber mit 29 Prozent unter die 30-Prozent-Marke und verfehlt ihr Ergebnis der Landtagswahl 2022 von 35,7 Prozent deutlich. Die AfD erreicht laut Umfrage 22 Prozent – das ist in etwa der gleiche Wert wie bei einer Bundestagswahl, aber eine Vervierfachung des Landtagswahlergebnisses vor vier Jahren (5,4 Prozent).
Mit deutlichem Abstand folgen in der aktuellen Umfrage Grüne (18 Prozent) und SPD (14 Prozent). Beide Parteien erreichen mit Blick auf die Landtagswahl die gleichen Werte wie bei einer Abstimmung über einen neuen Bundestag, wenn diese am nächsten Sonntag stattfände. Die Linkspartei überspringt in der Umfrage zur Landtagswahl mit 8 Prozent klar die Fünf-Prozent-Hürde und würde somit nach dreimaligem Scheitern in den Landtag zurückkehren. Noch besser (12 Prozent) stünde sie bei einer Bundestagswahl da. Die FDP hingegen wäre mit nur noch jeweils 3 Prozent weder im Düsseldorfer noch im Berliner Parlament vertreten.
Güllner: Landesbonus kann Verluste nicht kompensieren
Manfred Güllner sagte, der traditionelle „Landesbonus“ der CDU in NRW sei nach wie vor deutlich und habe sich gegenüber dem „NRW-Check“ vom April sogar noch um einen Punkt verstärkt. „Dieser Bonus kann aber nicht mehr kompensieren, was der CDU durch den Parteivorsitzenden und Kanzler Friedrich Merz an Potenzial verloren geht.“
Die Zufriedenheitswerte für Merz liegen mit 11 Prozent auch in seinem Heimatland NRW am Boden. In der aktuellen Forsa-Umfrage zeigen sich nur noch 11 Prozent der Wahlberechtigten mit Merz' Arbeit zufrieden, 87 Prozent äußerten sich unzufrieden.
Hohe Zustimmung zur Arbeit von Hendrik Wüst
Die Antipathie geht quer durch alle Alterskohorten und ist nur bei den über 60-Jährigen mit 80 Prozent leicht unterdurchschnittlich. Selbst in den eigenen Reihen ist die Unzufriedenheit mit dem Kanzler und Parteichef übergroß. Sie liegt in der CDU-Anhängerschaft bei fast zwei Dritteln (64 Prozent). Nur ein gutes Drittel (36 Prozent) gibt an, noch mit Merz zufrieden zu sein. Bei den Anhängern der anderen Parteien klettern die Unzufriedenheitswerte durchweg über 90 Prozent – mit dem höchsten Wert (97 Prozent) bei der Linken-Klientel.
Völlig anders fällt das Stimmungsbild für Merz Parteifreund Hendrik Wüst aus. Der NRW-Ministerpräsidenten und CDU-Landeschef kommt in der Zufriedenheit auf stabil hohe Werte. Aktuell erreicht Wüst 46 Prozent – gegenüber einem Anteil an Unzufriedenen von 37 Prozent.
Im „NRW-Check“ vom April lag das Verhältnis von Zufriedenen und Unzufriedenen bei 47:39. Merz könne in NRW „in keiner Weise auf einen Herkunftsbonus bauen“, sagte Forsa-Gründer Manfred Güllner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ – im Gegenteil werde der Kanzler in NRW sogar noch kritischer gesehen als im Bundesdurchschnitt.
Forsa-Chef sieht strategische und programmatische Fehler bei Merz
Güllner machte Merz direkt für das schlechte Abschneiden seiner Partei in den aktuellen Umfragen verantwortlich. „Von Merz wissen wir seit 20 Jahren, dass sich seine Sympathiewerte immer am unteren Ende des Politiker-Rankings bewegen. Schon Anfang der 2000er Jahre konkurrierte er hier mit dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann um die rote Laterne. Er wurde nie als Aspirant für höhere Aufgaben gesehen – sei es eine Kanzlerkandidatur, sei es der Parteivorsitz. Vielen war er schon damals unsympathisch. Das setzt sich fort und verhärtet sich – überspitzt gesagt – mit jedem Auftritt.“
Güllner verwies darauf, dass Merz „seine vollmundigen Ankündigungen“ nicht habe halten können – „innenpolitisch nicht, aber auch außenpolitisch sind keine Erfolge sichtbar. Das Mullah-Regime in Iran in vier Wochen Geschichte? Mit Trump werde ich fertig? Nichts davon!“
Programmatisch und strategisch habe der CDU-Vorsitzende seine Partei mit der von ihm versprochenen Erneuerung „konsequent in die falsche Richtung geführt: nach rechts, heraus aus der Mitte, wohin Angela Merkel die Partei bewegt hatte.“
Keine Abkoppelung vom Bundestrend
Die CDU in Nordrhein-Westfalen kann sich nach Güllners Analyse trotz ihres traditionellen Landesbonus nicht vom Bundestrend der Partei abkoppeln. Das bringe Wüst in eine höchst schwierige Lage. „Zettelt er jetzt einen Großkonflikt mit Merz an, wird ihm das vermutlich eher schaden. Andererseits muss Wüst versuchen, sich von Merz abzusetzen. Man hat in Berlin gesehen, dass der CDU-Wahlkämpfer Stefan Evers die Verluste seiner Partei noch einigermaßen glimpflich halten konnte, indem der den Parteivorsitzenden und Kanzler konsequent aus seinem Wahlkampf herausgehalten hat. Aber das kann Wüst wohl nicht wiederholen, weil es sofort ein eigener Gegenstand der öffentlichen Debatte würde. Da hat Wüst es ungleich schwerer.“
Der Umfrage zufolge könnte die schwarz-grüne Koalition in Düsseldorf ihre Zusammenarbeit fortsetzen – dank eines, wie Güllner es formulierte, „Zwischenhochs“ der Grünen, von dem allerdings unklar sei, wie lang es anhält. Die Grünen profitierten derzeit „von einer Anti-AfD-Mobilisierung, die nur eben nicht der CDU oder der SPD zugutekommt, sondern neben den Grünen eher noch der Linkspartei“.
Für die aktuelle Erhebung befragte Forsa 1030 Wahlberechtigte aus Nordrhein-Westfalen. Die Umfrage fand in der Zeit vom 7. bis zum 18. September statt, also nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, aber vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Ergebnisse sind mit einer Fehlertoleranz von plus/minus 2,5 Prozentpunkten auf die Gesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen übertragbar.