Julia Melchior, Expertin für die europäischen Königshäuser, begleitet die norwegische Kronprinzessin seit vielen Jahren. Mette-Marit hat am 19. August Geburtstag und feiert in wenigen Tagen mit ihrem Mann, Kronprinz Haakon, Silberhochzeit.
Norwegens Mette-Marit feiertDie verwandelte Prinzessin

Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon kamen 2024 zu einer Feier zum 25. Jubiläum der nordischen Botschaft in Berlin.
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Zweimal im letzten Vierteljahrhundert steckte Norwegens Monarchie in einer tiefen Krise. Beide Male hatte es mit Prinzessin Mette-Marit zu tun. Und doch ist allen zu wünschen, dass sie einmal Königin wird!
Vor 25 Jahren, kurz vor ihrer Hochzeit mit Kronprinz Haakon, diskutierte die Öffentlichkeit, ob sich die am 19. August 1973 geborene Mette-Marit Tjessem Høiby, wie sie mit bürgerlichem Mädchennamen hieß, aufgrund ihres Vorlebens überhaupt als Kronprinzessin eigne. Im Frühjahr 2026 kamen durch das Strafverfahren gegen ihren unehelichen Sohn Marius und die Enthüllung ihrer zeitweiligen Freundschaft mit dem US-Milliardär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Zweifel auf an ihrer Eignung als Königin.
Für die Rolle der Kronprinzessin nicht prädestiniert
Zwischen diesen beiden Tiefpunkten liegt eine Zeit, in der ich Kronprinzessin Mette-Marit für meine Filme manches Mal begleitet und viel erfahren habe über eine Frau, die für den Erfolg und die Zukunft der norwegischen Monarchie eine große Rolle spielt.
Gewiss, für die Rolle der Kronprinzessin war sie nicht prädestiniert. Dass sie ein wilder Youngster gewesen war und Erfahrung mit Drogen gemacht hatte, gestand sie unter Tränen auf einer Pressekonferenz wenige Tage vor ihrer Hochzeit. Ungeschehen könne sie die Vergangenheit nicht machen, sagte sie und bat die Norweger um eine zweite Chance. Der mutige und ehrliche Umgang mit ihren Jugendsünden brachte ihr Respekt und Sympathien ein und legte den Grundstein für den ersehnten Neustart.

Vom Balkon des Königspalastes winken Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit gemeinsam mit Marius, dem damals vierjährigen Sohn von Mette-Marit, nach ihrer Hochzeit am 25. August 2001 der auf dem Schloßplatz versammelten Menge zu.
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Dass sie ihren damals vier Jahre alten Sohn Marius mit in die Ehe brachte, sollte kein Problem sein, zumindest nicht konstitutionell: Nur leibliche Nachfahren des Königs haben einen Platz in der Thronfolge. Auch ein Mitglied des Königshauses würde Marius nie werden und damit weder Privilegien genießen können noch Pflichten nachkommen müssen. Aber er sollte sich stets als Familienmitglied fühlen. Darum zeigten sich alle sehr bemüht. Allen voran Kronprinz Haakon, aber auch seine Eltern. König Harald und Königin Sonja hießen Mette-Marit und ihren Sohn von Anfang an in der Familie willkommen und gaben damit ein Beispiel für Toleranz und Inklusion, was damals alles andere als selbstverständlich war.
Dennoch fiel es Mette-Marit schwer, in die Rolle der Kronprinzessin zu finden, die so gar nicht zu ihrem Typ zu passen schien. Sie ist ein scheuer Mensch. Den Rummel um ihre Person braucht sie nicht. Sie ist nicht sehr belastbar. Enge Termintaktung, öffentliche Auftritte, Flugreisen werden ihr schnell zu viel. Das war schon vor ihrer schweren Lungenerkrankung so.
Courage, Empathei und große Integrität
Aber sie ist eben auch eine Frau mit viel Courage, echter Empathie und großer Integrität. Mette-Marit brauchte Jahre, um diese Eigenschaften in ein Programm zu verwandeln, das ihr entspricht, und ihre Rolle als Frau des Kronprinzen auf sich zuzuschneiden. Haakon unterstützte sie auf ihrem Weg. Auch er hatte als junger Mann einen Prozess durchlebt, um seine Bestimmung nicht als Einschränkung, sondern als Chance zu sehen, gesellschaftlich zu wirken.
Die Programme des Paars ergänzen sich. Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit stehen auf Haakons Agenda an oberster Stelle. Frauengesundheit, mentale Gesundheit, Entwicklungspolitik und Philosophie sind Schwerpunkte von Mette-Marits Arbeit. Aber sie hat einen ganz eigenen Ansatz. Sie versteht sich nicht als Botschafterin für Politiker oder Türöffner für Entscheidungsträger, sondern als Interessenvertreterin der Menschen, vor allem auch derer, die weniger privilegiert sind. Aus der Kraft, die sie selbst aus dem Lesen von Büchern schöpft, entstand eine landesweite Literaturinitiative mit der Kronprinzessin an der Spitze. Aus dem Glück, das sie persönlich aus der Hochzeit mit Haakon erfuhr, ging eine Stiftung hervor, die vor allem junge Menschen aus schwierigen Verhältnissen in die Gesellschaft zu integrieren sucht. Mette-Marit wurde Kronprinzessin auf ihre Art. Das machte sie so überzeugend, liebenswert und populär.
Vergnügt bei der Sache
Eine Freude war es immer, das Paar zusammen zu erleben. Die beiden sind sehr vergnügt bei der Sache, wenn sie die Termine für das Königshaus gemeinsam bestreiten. Sie geben sich herzlich und unkompliziert, legen keinen Wert auf ihre Titel, bringen Menschen zusammen und nehmen sich ihrer Themen an. Diese so wichtige menschliche Note hat vor allem Mette-Marit dem Kronprinzenpaar gegeben.
Sie hatte nicht viele Jahre, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Eine Lungenerkrankung, die 2018 diagnostiziert wurde, zwang sie kürzerzutreten. Da wurde klar: Sie fehlt. Sorge zog sich durch die norwegische Gesellschaft, wenn der Kronprinz allein auftrat. Erleichterung machte sich breit, wenn Mette-Marit sich wieder an seiner Seite zeigte.
Mitfühlen und Mitreden gehören zur Monarchie
Mitfühlen und Mitreden gehören zur Monarchie dazu. Sie ist eine menschliche Staatsform. Das macht sie stark, aber auch angreifbar. Auch das sehen wir an Mette-Marit. Wie konnte es so weit kommen, dass ihr Sohn Marius, der als umsorgtes Mitglied der Kronprinzenfamilie aufwuchs, zu einem verurteilten Straftäter wurde?
Die Beantwortung dieser Frage ist gewiss viel komplexer als die Antwort auf die Frage, warum sich Mette-Marit auf eine Freundschaft mit Epstein einließ. Sie habe nicht geahnt, mit wem sie es zu tun hatte, bekannte Mette-Marit im Frühjahr 2026 in einem Interview. Das mag für mangelndes Urteilsvermögen und schlechte Menschenkenntnis sprechen. Aber deshalb ist sie selbst noch kein schlechter Mensch.
Wenn ich an die Jahre zurückdenke, als Mette-Marit uneingeschränkt und leidenschaftlich ihr Programm absolvieren konnte, habe ich keinen Zweifel an ihrer Eignung als Königin. Gewiss wird sie auch nach der Lungentransplantation, der sie sich im Juni erfolgreich unterzogen hat, nicht in der Lage sein, so aktiv zu sein wie einst. Aber sie gehört an Haakons Seite. In guten wie in schlechten Zeiten, das haben sie sich vor 25 Jahren, am 25. August 2001, versprochen. Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Geburtstag – und nächste Woche zur Silberhochzeit!
