Der Regierungsbezirk Köln liegt mit 915 gefundenen Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg landesweit vorn.
„Unsichtbares Risiko in unseren Böden“NRW-Kampfmittelräumdienst entschärfte 2140 Bomben im Jahr 2025

Bombenfund in Köln: Auf einem Werbedisplay wird auf die Weltkriegsbombe in Lindenthal hingewiesen.
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Mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs werden in Nordrhein-Westfalen weiterhin fast täglich Überreste der im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Kampfmittel entdeckt. Im vergangenen Jahr wurden von den Experten der Kampfmittelbeseitigung 2140 Bomben unschädlich gemacht (2024: 1606). Dazu gehören neben Bomben ab einem Gewicht von 50 Kilogramm und mehr auch Nebel-, Brand-, Splitter- und kleinere Sprengbomben.
Regierungsbezirk Köln Spitzenreiter
Spitzenreiter im Jahr 2025 war der Regierungsbezirk Köln. 12.161 Anträge haben die Kampfmittelbeseitigungsdienste bearbeitet, bei 3104 Einsätzen waren sie vor Ort und haben 915 Kampfmittel gefunden.
Unter den Funden waren im vergangenen Jahr 282 Bomben mit einem Gewicht von 50 Kilogramm oder mehr (2024: 182). Davon mussten 19 Bomben noch am Fundort gesprengt werden. Auch wurden 52 sogenannte „Lochbomben“ – das sind Bomben ohne Zünder – sowie zehn Bomben mit einem chemisch-mechanischen Langzeitzünder entdeckt und unschädlich gemacht. Im Vergleich zu 2024 ist das eine erhebliche Steigerung. Da gab es nur zwei Funde.
„Unsichtbares Risiko in unseren Böden“
„Blindgänger sind ein unsichtbares Risiko in unseren Böden und können auch mehr als 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch gefährlich sein. Evakuierungen oder Verkehrsumleitungen wegen einer Bombenentschärfung lästig sein – sie sind aber wichtig und richtig“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Unsere Expertenteams arbeiten mit Hochdruck daran, jede gefundene Bombe, Granate und jedes Sprengmittel unschädlich zu machen. Dabei leisten sie täglich hochprofessionelle und oft gefährliche Arbeit, die großen Respekt und Dank verdient.“
Die deutliche Zunahme gefundener Sprengbomben erklärt sich unter anderem durch ein erhöhtes Bauaufkommen sowie durch eine Räumstelle im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg. Auf Teilbereichen des ehemaligen Wehrmachtsfliegerhorsts Störmede wurden neben weiteren Sprengmitteln 47 intakte und mit Zündern ausgestattete Sprengbomben geborgen.
Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist präventiv ausgerichtet, da die „Blindgänger“ in der Regel bei der systematischen Suche gefunden werden. Im Zuge von Bauarbeiten wurden die Kampfmittelbeseitigungsdienste im Jahr 2025 in 35.681 Fällen hinzugezogen. Das waren rund 100 Einsätze mehr als im Vorjahr.
704 Zufallsfunde im Regierungsbezirk Köln
Diese Zahl setzt sich aus Anfragen zur Luftbildauswertung der Räumung vor Ort zusammen. Zudem werden häufig Zufallsfunde durch Dritte gemeldet. 2025 waren es 1770, rund 250 mehr als im Jahr zuvor. Der Regierungsbezirk Köln liegt bei den Zufallsfunden mit 704 Funden vorn. Neben den Einsätzen im Bausektor werden die Kampfmittelbeseitigungsdienste zunehmend auch in Infrastrukturmaßnahmen eingebunden – etwa beim Breitbandausbau oder bei Projekten des Energiesektors.
94 Frauen und Männer arbeiten landesweit bei der Kampfmittelbeseitigung. Sie ist bei den Bezirksregierungen in Düsseldorf und Arnsberg angesiedelt. Aus dem Landeshaushalt flossen 2025 knapp 27 Millionen Euro in die Kampfmittelbeseitigung. Knapp 10,6 Millionen Euro flossen an Vertragsfirmen, die mit der Räumung beauftragt wurden. Sie erhielten noch einmal rund 1,5 Millionen Euro durch Drittaufträge, bezahlt vom Bund oder ehemaligen Bundesbehörden.
