Beim Waldbrand im Hohen Venn konnten zwei schwedische Maschinen an einer Talsperre in NRW betankt werden. Ein Bericht für den Landtag stellt nun auch einen dauerhaften Einsatz in Aussicht.
Kehrtwende bei Herbert Reul?NRW prüft Einsatz von Löschflugzeugen

Die Besatzung steht neben einem schwedischen Löschflugzeug vom Typ Air Tractor AT-802A „Fire Boss“.
Copyright: Marius Burgelman/AP/dpa
NRW-Innenminister Herbert Reul hielt die Anschaffung von Löschflugzeugen zur Bekämpfung von Großbränden bislang für überflüssig. Ein Bericht für den Innenausschuss des Landtags deutet jetzt darauf hin, dass sich Experten im Innenministerium mittlerweile offen für den Einsatz zeigen. Ein möglicher Grund für die Kehrtwende: Beim Waldbrand im Hohen Venn wurden zwei Löschflugzeuge aus Schweden in Nordrhein-Westfalen betankt – mit Genehmigung der Landesregierung. Die Genehmigung wurde vom NRW-Umweltministerium erteilt, das von den Grünen Oliver Krischer geführt wird.
Die beiden Flugzeuge waren von Belgien zur Unterstützung bei der Bekämpfung des Waldbrandes im Hohen Venn angefordert worden. Zum Auftanken flogen sie jedoch nicht nach Belgien. Stattdessen nutzten sie die Olef-Talsperre im Kreis Euskirchen. Diese dient der Trinkwassergewinnung und staut 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Sie gilt im NRW-Vergleich als „mittelgroß“.
Damit funktioniert zumindest im konkreten Einsatzfall genau das, was Reul bislang als eines der entscheidenden Probleme dargestellt hat: Löschflugzeuge können in Nordrhein-Westfalen Wasser aufnehmen und für die Brandbekämpfung eingesetzt werden.
Noch Mitte August hatte Reul eine Forderung nach eigenen Löschflugzeugen für NRW deutlich zurückgewiesen. Beim Waldbrand im Hürtgenwald sagte er: „Und die Frage von Flugzeugen, das hab' ich schon zehnmal diskutiert. Das ist nicht so einfach in unserem Bundesland, da wir keine großen Flächen haben, wo getankt werden kann. Das ist so blauäugig wie noch was.“
Die FDP im Landtag sieht sich durch den neuen Bericht in ihrer Forderung nach eigenen Löschflugzeugen bestätigt. „Seit Jahren fordern wir eigene Löschflugzeuge für NRW– und dieser Einsatz hat sich offenbar gelohnt“, sagte der FDP-Abgeordnete Werner Pfeil, Sprecher seiner Fraktion für Feuerwehr und Katastrophenschutz, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Tatsächlich deutet der Bericht der Landesregierung auf eine Neubewertung hin. Auf Seite 21 heißt es mit Blick auf die künftige Brandbekämpfung aus der Luft: „Die Brandbekämpfung aus der Luft gewinnt zunehmend an Bedeutung.“ Es werde geprüft, „inwiefern zur Brandbekämpfung Hubschrauber, Löschflugzeuge oder Drohnen eingesetzt werden können“.
Von einer Entscheidung für eigene Löschflugzeuge ist damit allerdings noch nicht die Rede. Die Landesregierung stellt zunächst eine Prüfung verschiedener Möglichkeiten in Aussicht. Bemerkenswert ist aber, dass Löschflugzeuge ausdrücklich neben Hubschraubern als Option genannt werden.
Für die FDP reicht die Prüfung nicht aus. Gerade bei großen und schwer zugänglichen Wald- und Vegetationsbränden könnten Löschflugzeuge wertvolle Zeit sparen, argumentiert Pfeil. „Die Prüfung, ob Nordrhein-Westfalen eigene Löschflugzeuge anschafft, muss schnellstmöglich durchgeführt und abgeschlossen werden“, sagte der Innenexperte.


