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Landesgartenschau startet in NeussEhemalige Rennbahn wird zum neuen Stadtpark

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Zwei Männer drücken auf einen Buzzer. Hinter ihnen steht ein Maskottchen in Form einer Blume.

Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst (CDU) und der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) eröffnen zusammen die Landesgartenschau 2026. 

Die Landesgartenschau Neuss verbindet Rennbahn‑Geschichte mit einem neuen Stadtpark und setzt auf nachhaltiges Gärtnern und vielfältige Angebote.

Als 2019 auf der Neusser Galopprennbahn die Startglocke verstummt, endet der Rennbetrieb für immer. Im April 2026 dient das Gelände als Ort der Landesgartenschau. Vieles erinnert noch an frühere Zeiten: Die Sandbahn wird zum Trockenrasenbiotop, alte Hecken bleiben stehen, ein Richterturm ist wieder aufgebaut. Tribüne und Flutlichtmasten ragen weiterhin aus der Fläche, ausgediente Stalltüren finden am Skater-Pavillon einen neuen Platz. Nur die Pferde fehlen. Auf dem Spielplatz erinnern zwei Kunststofftiere an sie, während Besucher Hühnern und Schafen im Landwirtschaftsbereich begegnen und erleben, wie die Rennbahn in einen Park übergeht.

Zwei Senioren sitzen jeweils auf einem Liegestuhl und unterhalten sich.

Überall auf dem Gelände laden Liegestühle Besucher zum Verweilen ein.

Bis zuletzt wurde gearbeitet, zuletzt an den Parkmöglichkeiten. Die letzten Wochen seien „wie im Film“ gewesen, sagt der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer (SPD). Nun könne er die Schau auch genießen. Am Donnerstag, 16. April, haben er und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst die Landesgartenschau eröffnet. 179 Tage lang, bis zum 11. Oktober, können Besucherinnen und Besucher das rund 50 Fußballfelder große Areal erkunden. Etwa 2.200 neue Bäume wurden dafür gepflanzt. Den ersten, eine Roteiche, setzte Wüst Anfang 2024 selbst. Bürgermeister Breuer erwartet mindestens 650.000 Gäste.

Was die Schau zum Blühen bringt

Auf mehr als 20.000 Quadratmetern soll es blühen, derzeit vor allem Tulpen. Die Rosenbeete auf rund 1.000 Quadratmetern folgen voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni. Drei Rundwege zwischen 1 und 2,5 Kilometern führen zu den wichtigsten Stationen, reichen aber nicht für das gesamte Areal. Für einen vollständigen Besuch empfehlen die Organisatoren, sich einen ganzen Tag Zeit zu nehmen.

Neu entstanden sind außerdem ein Römer- und ein Kaninchen-Spielplatz, zusätzlich zum Rennbahn-Spielplatz. Das Gelände ist barrierefrei und bietet Sportflächen wie einen Basketballplatz, zwei Outdoor-Fitnessbereiche und einen Beachvolleyball-Bereich. Mehr als 1.000 Veranstaltungen sind zudem geplant. Einen Vorgeschmack darauf erhalten die Besucher der Eröffnung am Donnerstag: Zauberkünstler Stefan Siebert überbrückt die Zeit, bis der Ministerpräsident zur Eröffnung kommt.

Eine kleine Holzhütte steht mitten in einem Garten.

50 Aussteller präsentieren ihre Gärten und zeigen unter anderem, wie ökologische Gestaltung und Kreislaufwirtschaft im eigenen Grünraum möglich sind.

In vielen Schaugärten zeigt sich ein klarer Trend: naturnahes und ressourcenschonendes Gärtnern. Besucher und Gartenfachmann Torsten Brämer hebt dafür besonders den „Garten ohne Beton“ hervor. Man könne sich gut inspirieren lassen, wie Sichtschutz ökologisch sinnvoll gestaltet werden könne, ohne auf Plastikzäune zurückzugreifen. Brämer verweist außerdem auf eine Totholzhecke in einem der Gärten. Kreislaufwirtschaft im Garten sei wichtig. Materialien sollten möglichst im Garten verbleiben, dort verrotten und später als Humus für Pflanzen dienen.

„Darauf haben wir uns 15 Jahre gefreut“

Dass eine Landesgartenschau fast mitten in der Innenstadt entsteht, sei eine besondere Chance für Neuss, sagt Geschäftsführer Christoph Hölters, der hauptberuflich Beigeordneter für Plan- und Bauverkehr der Stadt ist. Als solcher sei es ihm wichtig gewesen, das Gelände eng mit der Stadt zu verbinden und kurze Wege zur Innenstadt zu schaffen.

Ein Mann im Anzug steht vor einer Menschentraube.

Der Geschäftsführer der Landesgartenschau, Christoph Hölters, erläutert, wie aus der früheren Rennbahn ein neuer Stadtpark mit vielen sichtbaren historischen Spuren entstanden ist.

Auch rund um das Areal hat sich viel getan. Der Umbau des Hauptbahnhofs sei durch die Gartenschau angestoßen worden, sagt Anette Nothnagel, ebenfalls Geschäftsführerin der Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH. Die Schau habe wichtige Impulse für die Stadtentwicklung gesetzt. Am Rand des Parks entsteht mit dem Hammfeld I ein neuer Stadtteil. Außerdem wurde ein neuer Radschnellweg nach Düsseldorf gebaut. „Darauf haben wir uns 15 Jahre gefreut. Die Landesgartenschau war am Ende der Auslöser, dass wir das alles realisieren konnten“, sagt Hölters.

Zwei Schafe grasen auf einer Wiese.

Pferde gibt es zwar nicht mehr auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn, dafür sind Schafe eingezogen.

Auch Ministerpräsident Wüst betont in seiner Rede den langfristigen Wert der Schau. „Wir nutzen dieses Instrument der Gartenschau ganz, ganz bewusst für nachhaltige, langfristige Strukturverbesserung“ und verweist auf die kommenden Gartenschauen in NRW: die internationale Gartenschau 2027 im Ruhrgebiet, die Landesgartenschau 2029 in Kleve und die Bundesgartenschau 2031 in Wuppertal.

Fünf Heine, kleine Parks mit unterschiedlichen Themen, prägen die Anlage. An ihren Spitzen befinden sich große Plätze, an denen sich Menschen treffen können, sagt Geschäftsführer Hölters. Die Stadt gewinne viele neue Treffpunkte und Versammlungsorte. Möglichst wenig soll nach Ende der Schau zurückgebaut werden: Rund 95 Prozent der Anlagen sollen erhalten bleiben. Nur die Wechselflor-Pflanzungen und die Gärten der Gartenbaubetriebe werden in einen Dauergarten umgewandelt. Die verkürzten Wege von der Innenstadt an den Rhein sollen weiter gestärkt werden.

Tickets und Preise im Überblick

Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 20 Euro. Ermäßigt zahlen Schüler, Studierende, Auszubildende und Empfänger von Bürgergeld sowie Menschen mit einer Behinderung ab 60 Prozent zehn Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre kostet der Eintritt fünf Euro. Eine Dauerkarte für Erwachsene kostet 150 Euro.