NRW ermöglicht einen Fortschritt bei der Behandlung von Hirntumoren. Künftig stehen große Datenmengen bereit, um die richtige Therapie zu finden.
NRW ermöglicht KI-ReallaboreHoffnung für Patienten mit Hirntumoren

Hirn-Tumor-OP in Köln, durchgeführt von Prof. Roland Goldbrunner.
Copyright: Nabil Hanano
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 7000 bis 8000 Menschen neu an einem primären Hirntumor. Bösartige Tumore sind oft nur schwer heilbar. Die geplanten Reformen zur Staatsmodernisierung in NRW können in Zukunft einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Hirntumorpatienten besser versorgt werden können. Künftig soll der Aufbau von sogenannten KI-Reallaboren gesetzlich ermöglicht werden. „Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um hochinnovative Technologien in der Krebs- und Tumordiagnostik schneller in die Krankenhäuser zu bringen“, sagte Rolf Schwartmann, Rechtsprofessor und KI-Experte an der Technischen Hochschule Köln, unserer Zeitung.
Die KI vergleicht einen neuen Patienten mit den tausenden „historischen“ Fällen. Dadurch kann zum Beispiel vorhergesagt, werden, bei welchem Tumormuster ein bestimmtes Medikament am besten geholfen hat.
KI erkennt auch seltene Arten
Das ist von Bedeutung, weil es mehr als 100 verschiedene Arten von Hirntumoren gibt. Einige davon sind allerdings extrem selten. Die KI kann aber auch exotische Tumorformen präzise erkennen. Viele aggressive Hirntumore wachsen diffus in das gesunde Gewebe ein und können daher operativ nicht vollständig entfernt werden. Die KI hilft Chirurgen, den Tumor herauszunehmen, ohne wichtige Gehirnareale – zum Beispiel für Sprache oder Bewegung – zu verletzen.
Die Nutzung von Patientendaten in der Krebsforschung ist bislang extrem stark eingeschränkt. Gesundheitsdaten sind sensibel, die Offenlegung von Krankheiten kann zu gesellschaftlicher Stigmatisierung, Diskriminierung am Arbeitsplatz oder zu Nachteilen bei Versicherungen führen. In den KI-Reallaboren können die sensiblen Daten unter besonderer Datenschutzaufsicht in einem Zusammenwirken von KI-Verordnung und DSGVO rechtskonform verarbeitet werden.
Expertenrat gegründet
Im Mai 2026 hatte die Landesregierung Nordrhein-Westfalen den in der Staatskanzlei angesiedelten „Expertenrat KI- und Staatsmodernisierung“ ins Leben gerufen, der von Schwartmann geleitet wird. NRW sei mit dem ersten Gesetz zu einem zentralen Innovationsinstrument in Bund und Ländern Vorreiter, hieß es.
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Der Professor verglich die Innovation durch KI-Reallabore mit dem „Heureka-Moment“ des Physikers Archimedes. Er soll in der Antike mit dem Ruf „Heureka!“ (griechisch für: „Ich habe es gefunden!“) nackt durch die Straßen von Syrakus gelaufen sein, nachdem er entdeckt hatte, wie man das Volumen von unregelmäßigen Formen misst. „Wer heute ,Heureka‘ rufen will, muss vorher oft Daten verarbeiten“, sagte Schwartmann. NRW stellt jetzt zehn Millionen Euro für ein Hochleistungsrechenzentrum an der Uni Köln bereit, in dem die geplanten KI-Modelle trainiert werden sollen.
