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Steuerzahlerbund NRW legt Zahlen für 2026 vorKölner zahlen knapp 17 Prozent mehr für die Müllabfuhr

5 min
Reportage über die Arbeit der Müllabfuhr der AWB  im Bereich der Innenstadt.
Köln
20161230
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Die Gebühren für die Müllabfuhr sind laut Steuerzahlerbund 2026 in Köln um knapp 17 Prozent gestiegen. Foto: Michael Bause

Auch beim Abwasser müssen die Menschen in NRW im Durchschnitt fünf Prozent mehr als 2025 zahlen. Der Steuerzahlerbund mahnt, dass die hohen kommunalen Gebühren das Wohnen immer weiter verteuern.

Die Gebühren für Müll und Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser in NRW kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Da macht das Jahr 2026 auch keine Ausnahme. Beim Abwasser sind sie im Landesdurchschnitt im Vergleich zu 2025 um fünf Prozent gestiegen. Auch der Müll bis auf wenige Ausnahmen wird immer teurer – im Durchschnitt um vier Prozent.

In Köln, das schon immer die höchsten Müllgebühren in NRW hatte, steigen sie 2026 aufs Jahr gerechnet für einen Vier-Personen-Musterhaushalt mit einer Restmülltonne von 120 Litern bei wöchentlicher Leerung, einer 120 Liter Tonne für Biomüll, die alle 14 Tage geleert wird, plus einer Altpapiertonne von 553,17 Euro auf 645,98 Euro. Das ist ein Plus von 16,78 Prozent. Auf den Plätzen bei den kreisfreien Großstädten folgen Düsseldorf mit 540,63 (plus 3,52 Prozent) und Mülheim/Ruhr mit 497,92 Euro (plus 9,37 Prozent).

Nur eine Stadt in NRW ist noch teurer, aber ein Sonderfall. In Münster kostet ein vergleichbares Abfuhrpaket 730,80 Euro, weil dort auch die Biotonne wöchentlich geleert wird.

Auch kommunale Gebühren entscheiden darüber, ob Wohnen bezahlbar bleibt
Rik Steinheuer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW

„Wenn über bezahlbares Wohnen geredet wird, denken viele zuerst an die Miete oder die Grundsteuer“, sagt Rik Steinheuer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW, am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Zahlen in Düsseldorf. „Leider wird dabei häufig übersehen, dass auch kommunale Gebühren darüber entscheiden, ob Wohnen bezahlbar bleibt. Wer in Nordrhein-Westfalen wohnt, zahlt Jahr für Jahr mehr für Leistungen, auf die niemand verzichten kann.“

Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Beginnen wir mit den Müllgebühren an. Was sind die Kostentreiber?

Das Einsammeln und Transportieren. Das liegt an den vor allem gestiegenen Personal- und Energiekosten. Sobald eine Kommune die Dienstleistung neu ausschreiben muss, weil der Vertrag ausgelaufen ist, wird es erheblich teurer. Hier ein paar Beispiele: in Heinsberg plus 38, in Espelkamp plus 29, in Preußisch Oldendorf plus 26 und in Kempen plus 24 Prozent.

Weitere Belastungen für kleinere Kommunen sind höhere Entgelte an ihre Kreise, die für die Müllabfuhr zuständig sind, oder die Tatsache, dass Fehlkalkulationen aus den Vorjahren ausgeglichen werden müssen.

Höhere Standards wie die wöchentliche Leerung der Biotonne n Münster oder des Altpapiers wie in Düsseldorf treiben die Preise zusätzlich in die Höhe.

Geht es auch anders?

Ja. In Einzelfällen vor allem in kleineren Gemeinden. In Everswinkel wird die Restmülltonne nur noch einmal monatlich statt bisher alle 14 Tage geleert. Die Gebühren sinken um sechs Prozent. Kommunen, die in den Vorjahren zu viel kassiert haben, sind verpflichtet, die Überschüsse innerhalb von vier Jahren auszugleichen. Auch da gibt es Beispiele kleinerer Gemeinden wie Dörentrup (minus 17 Prozent), Hövelhof (minus 23) und Schlangen (minus 15).

Kommen wir zurück zum Spitzenreiter Köln. Warum steigen die Gebühren immer weiter?

„In Köln werden wie in allen anderen 30 Großstädten in NRW auch die Kosten für die Entsorgung illegal abgelagerten Mülls auf die Gebühren umgelegt“, sagt Harald Schledorn, Gebühren-Experte beim Bund der Steuerzahler. „Das wissen die wenigsten.“ Gleiches gelte für Papierkörbe im öffentlichen Raum. „Die Stadt kann das alles laut Gesetz über die Abfallgebühr finanzieren, müsste es aber nicht. Die Müllgebühr könnte in Köln um zehn Prozent sinken, wenn die Stadt diese Kosten aus dem allgemeinen Haushalt begliche.“

21.05.2026 Köln. Die Deutsche Bahn veranstaltet ihre Aktion „Frühjahrsputz“ im Kölner Hauptbahnhof. Die Maßnahme findet derzeit auch in zahlreichen anderen Bahnhöfen statt. In Köln sind Bahn, KVB, AWB und der Oberbürgermeister mit dabei. OB Burmester mit Reinigungsmaschine der AWB. Foto: Alexander Schwaiger

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) im Mai bei der Aktion Frühjahrsputz der Deutschen Bahn am Kölner Hauptbahnhof. Die Kosten der geplanten Sauberkeitsoffensive werden die Kölner mit ihren Müllgebühren bezahlen müssen. Foto: Alexander Schwaiger

Heißt das, die Sauberkeitsoffensive des Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester (SPD) mit neuen Papierkorbgaragen und 100 extra großen Mülleimern für die Innenstadt müssen wir über die Abfallgebühr bezahlen?

„So ist es. Und dabei dürfen wir nicht vergessen. Es sind nicht nur Hausbesitzer und Grundstückseigentümer, die das bezahlen müssen. Sie legen die Kosten wie die Grundsteuer B über die Nebenkosten auf die Mieter um. Die sind genauso betroffen“, sagt Gebührenexperte Schledorn. „Als Hausbesitzer oder Mieter könnte man der Stadt schon die Frage stellen: Was habe ich mit neuen Papierkörben für Touristen in der Innenstadt? Oder mit dem illegal abgelagerten Müll am Straßenrand? Warum muss ich dafür zahlen, dass die soziale Kontrolle in Großstädten nur schlecht funktioniert?“

Gibt es weitere Gründe für den Gebührenanstieg beim Abfall?

Ja. Auch politische Entscheidungen treiben sie in die Höhe. Immer mehr Kommunen führen ausdrücklich die CO₂-Bepreisung nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz als Ursache an. Lüdinghausen verweist darauf. Heek ebenfalls. Billerbeck formuliert es laut Steinheuer, dem Vorsitzenden des Bund der Steuerzahler, besonders deutlich: „Mit jeder weiteren Erhöhung der CO₂-Abgabe wird künftig auch die Abfallgebühr steigen. Da ist der Gesetzgeber selbst der größte Kostentreiber.“

Kommen wir zum Abwasser. Wird dort auch alles teurer?

Hohe Gebühren werden zunehmend zum Normalfall. 272 der 396 Kommunen im Land haben sie erhöht. Der Musterhaushalt ­- vier Personen, 200 Kubikmeter Schmutzwasser und 130 Quadratmeter versiegelte Fläche – zahlt im Vergleich zu 2025 durchschnittlich rund 881 Euro pro Jahr. Das sind etwa fünf Prozent mehr. 113 Kommunen verlangen heute mehr als 1.000 Euro jährlich. Vor sechs Jahren waren es noch 21. Diese Entwicklung zeigt: Die hohen Gebühren werden zunehmend zum Normalfall. Die fünf Kommunen mit den größten Preissprüngen sind Büren (plus 32 Prozent), Bornheim (plus 28), Halle (plus 26), Kirchlengern (plus 26) und Welver (plus 25).

Was sind die Ursachen?

In erster Linie steigende Beiträge an Wasserwirtschaftsverbände und Nachforderungen aus vorherigen Jahren, in denen zu optimistisch kalkuliert wurde. Das gilt vor allem für Sprockhövel mit einem Anstieg von 14 Prozent.

Auf beide Faktoren haben die Kommunen aber keinen Einfluss, oder?

Das ist richtig. Es gibt aber Städte- und Gemeinderäte, die die Möglichkeit nutzen, Betriebsanlagen nicht vom tatsächlich gezahlten Anschaffungswert, sondern vom deutlich höheren Wiederbeschaffungswert abzuschreiben. Das führt automatisch zu höheren Kosten.