Falls NRW den Zuschlag für Olympia bekommen sollte, würden sich in Herten die Mountainbiker messen. Doch in der Ruhrgebietsstadt wackelt die Mehrheit. Die Gegner führen zu hohe Kosten als Begründung für die Absage an.
Streit um Olympia-Bewerbung von NRWHerten will erneut über Absage abstimmen

Mit einer Lichtinstallation am Römisch-Germanischen-Museum in Köln wirbt die Landesregierung für ihre Olympia-Kampagne.
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In der Ruhrgebietsstadt Herten soll eine Abstimmung über das Olympia-Referendum in dieser Woche wiederholt werden. Das bestätigte eine Sprecherin der Stadt Herten dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Am Donnerstag um 18.30 Uhr findet eine Sondersitzung des Stadtrats statt“, sagte die Sprecherin. Laut Geschäftsordnung sei eine Wiederholung „in dringlichen Fällen“ möglich. In der vergangenen Woche hatte sich eine knappe Mehrheit im Stadtrat von Herten dagegen ausgesprochen, einen Ratsbürgerentscheid über die Ausrichtung der Spiele herbeizuführen.
Die Absage aus Herten war im politischen Düsseldorf als herber Rückschlag für die NRW-Bewerbung gewertet worden. Die Mehrheit von einer Stimme kam zustande, weil die 13 Mitglieder der SPD sich geschlossen gegen die Abstimmung ausgesprochen hatten. Bei der Sitzung hatten krankheitsbedingt vier Ratspolitiker gefehlt. Hertens Bürgermeister Fred Toplak (TOP-Partei) hoffte nun, dass eine Mehrheit für die Durchführung erzielt werden kann. Die Sondersitzung war von TOP-Partei, CDU, Grünen und FDP beantragt worden.
Die bisherige Planung sieht vor, dass auf der Halde Hohenward in Herten die Mountainbike-Wettbewerbe austragen werden sollen. Die SPD hatte ihre ablehnende Haltung mit den hohen Kosten begründet. „Es ist keineswegs garantiert, dass hochverschuldete Kommunen wie Hertin in nennenswertem Umfang profieren“, heißt es in einer Stellungnahme der SPD-Ratsfraktion, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. „Wie kann es sein, dass landesweit im sozialen Bereich, in der Bildung und bei kommunalen Leistungen gespart wird, gleichzeitig aber mehrere Millionen Euro für die Durchführung von Bürgerentscheiden bereitgestellt werden?“, fragten die Sozialdemokraten. Es sei nicht vertretbar, Gebühren zu erhöhen, gleichzeitig aber Geld für die Olympia-Bewerbung auszugeben.
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Ein Sprecher der Landesregierung sagte unserer Zeitung, bislang hätten sich zwölf der 17 beteiligten Kommunen für die Durchführung von Ratsbürgerentscheide entschieden. „Die Bewerbung Köln-Rhein-Ruhr hat die Entscheidung des Rates der Stadt Herten zur Kenntnis genommen“, hieß es. Zunächst gilt es aber, die weitere Entwicklung vor Ort abzuwarten. „Durch die Beteiligung mehrerer Kommunen an der Bewerbung verfügt Köln-Rhein-Ruhr über eine große Flexibilität bei der Auswahl von Sportstätten. Dies ist eine der besonderen Stärken des gemeinsamen Konzepts“, sagte der Sprecher.
Aus Kreisen der Olympia-Bewerbung hieß es, für den Fall, dass eine Kommune keinen Ratsbürgerentscheid durchführe oder es beim Ratsbürgerentscheid zu einem negativen Votum komme, sei „mit Blick auf Ausweichmöglichkeiten langfristige Vorsorge getroffen“ worden. Für die in Herten geplante Sportstätte gebe es alternative Optionen. An der Gesamtkonzeption ändere sich dadurch nichts.
