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Trotz steigender WaldbrandgefahrWarum sich NRW keine Löschflugzeuge leisten will

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29.07.2026, Frankreich, Blagon: Eine De Havilland Canada Dash 8-400 versprüht Löschmittel, während sie bei den Waldbränden im Südwesten Frankreichs über einen Wald fliegt. Foto: Emma Da Silva/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

29.07.2026, Frankreich, Blagon: Eine De Havilland Canada Dash 8-400 versprüht Löschmittel, während sie bei den Waldbränden im Südwesten Frankreichs über einen Wald fliegt. Foto: Emma Da Silva/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In den europäischen Nachbarländern kommen bei Großbränden Löschflugzeuge zum Einsatz. NRW hat kein beschafft. Ein gefährlicher Geiz? 

Der Rauch ist schon kilometerweit zu sehen. Über den Baumwipfeln steigt eine dunkle Wolke auf, während sich die Flammen durch trockenes Unterholz fressen. Feuerwehrfahrzeuge kämpfen sich über schmale Waldwege zum Brandherd vor, Tanklöschfahrzeuge pendeln zwischen Wasserentnahmestellen und Einsatzort. Doch das Feuer breitet sich schneller aus, als die Einsatzkräfte vorrücken können. Ein Szenario, das in NRW in diesen Tagen angesichts der extrem hohen Waldbrandgefahr jederzeit eintreten kann.

Besonders effektiv und hilfreich wäre in einer solchen Situation schnelle Hilfe von oben. Löschflugzeuge, die innerhalb weniger Minuten Tausende Liter Wasser über dem Brand abwerfen können, leisten bei der Brandbekämpfung hervorragende Dienste. Das Problem: In Nordrhein-Westfalen gibt es solche Maschinen bislang nicht.

Mit den immer heißeren und trockeneren Sommern wächst auch in NRW die Sorge vor großen Vegetationsbränden. Während Mittelmeerländer ihre Flotten ausgebaut haben, setzt Deutschland weiterhin vor allem auf Feuerwehrkräfte am Boden, Löschhubschrauber von Bundeswehr und Bundespolizei sowie auf Unterstützung über den europäischen Katastrophenschutz.

Hoher Nutzen, hohe Kosten

Der Unterschied zu anderen Ländern ist deutlich. Frankreich verfügt mit rund 23 Maschinen über die größte staatliche Löschflugzeugflotte Europas. Spanien hält 20 bis 22 Flugzeuge bereit, Italien und Griechenland jeweils etwa 18 bis 20.

Fachleute sehen in den Spezialmaschinen vor allem beim sogenannten Erstangriff große Vorteile. Gerade bei extremer Trockenheit kann sich ein kleines Feuer innerhalb weniger Minuten zu einem Großbrand entwickeln. Löschflugzeuge können unmittelbar nach der Alarmierung mehrere Tausend Liter Wasser oder Löschmittel über den Flammen abwerfen und so die Ausbreitung verlangsamen oder im besten Fall stoppen, bevor sich das Feuer unkontrolliert ausbreitet.

Hinzu kommt, dass sie Gebiete erreichen, in denen Feuerwehrfahrzeuge kaum oder gar nicht hinkommen – etwa steile Waldhänge, Moore oder unwegsames Gelände. Die Luftunterstützung verschafft den Einsatzkräften am Boden Zeit, Brandschneisen anzulegen und das Feuer einzukreisen. Drohen Flammen auf Ortschaften oder kritische Infrastruktur überzugreifen, kann jeder frühzeitige Löschangriff entscheidend sein.

Allerdings hat die Technik ihren Preis. Anschaffung, Wartung und Ausbildung kosten viele Millionen Euro. Zudem benötigen klassische Wasserflugzeuge geeignete Seen oder andere Gewässer, um ihre Tanks im Tiefflug schnell wieder zu füllen – Möglichkeiten, die in NRW deutlich begrenzter sind als etwa an den Küsten oder in Südeuropa.

Für die FDP-Landtagsfraktion ist das dennoch kein Argument gegen eine eigene Flotte. „Die Gefahr durch Vegetationsbrände reicht bis vor unsere Haustür: Nicht nur Wälder in Südeuropa, auch das südliche Limburg, das Hohe Venn in Belgien und unsere eigenen Wälder trocknen in heißen Sommern zunehmend aus“, sagt Werner Pfeil, Sprecher für Feuerwehr und Katastrophenschutz der Fraktion.

Der Liberale ist der Auffassung, dass NRW seine Vorsorge deutlich verstärken muss. Die Zahl der europaweit verfügbaren Löschflugzeuge müsse verdoppelt, die europäische Katastrophenschutzreserve ausgebaut und das Land selbst mit Löschflugzeugen ausgestattet werden, fordert Pfeil. „NRW muss eigene Löschflugzeuge anschaffen, statt sich auf die Kapazitäten anderer zu verlassen.“

Zugleich verlangt die FDP mehr Tempo bei der Waldbrand-Früherkennung. Das grenzüberschreitende Pilotprojekt „Fire Watch“ sei ein guter Ansatz, doch die Landesregierung müsse offenlegen, welche Ergebnisse das System bislang liefere und wie es auf weitere Regionen wie Eifel, Sauerland oder das Bergische Land ausgeweitet werden könne. Kameras, Drohnen sowie sensor-, KI- oder satellitengestützte Systeme könnten Brände früher erkennen.

Probleme in unwegsamem Gelände

Die neuen geländegängigen „Fire Fighter“ des Landes werden parteiübergreifend positiv bewertet. Die Möglichkeiten der Spezialfahrzeuge sind jedoch begrenzt. Im Nationalpark Eifel gibt es keine befestigten Wege. Löschfahrzeuge kommen an viele Brandherde gar nicht heran. Hier könnten nur Löschmaßnahmen aus der Luft helfen. Bis zur nächsten Waldbrandsaison müsse deshalb ein konkreter Ausbauplan vorliegen, verlangt die FDP.

Auch Christina Kampmann, Innenexpertin der SPD, fordert eine Überprüfung der Situation: „Die Klimakrise verändert auch in NRW die Gefahrenlage. Was vor einigen Jahren im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels noch als ausreichend galt, muss es heute nicht mehr sein“, sagte Kampmann. Deshalb gehöre die gesamte Ausstattung für die Waldbrandbekämpfung auf den Prüfstand – einschließlich der Frage, ob NRW ein eigenes Löschflugzeug brauche. „Entscheidend ist, dass das Land für größere und häufigere Waldbrände bestmöglich vorbereitet ist“, so die Innenexpertin.

Ob NRW tatsächlich in Zukunft eigene Löschflugzeuge kauft, ist angesichts der angespannten Haushaltslage fraglich. Mit jedem trockenen Sommer wird die Frage jedoch drängender. Während andere europäische Staaten ihre Flotten seit Jahren ausbauen, muss NRW im Ernstfall bislang darauf hoffen, dass Hilfe aus der Luft rechtzeitig von anderswo kommt. Ein Sprecher von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)  erklärte, das Land habe insgesamt vier „Bambi Buckets“, spezielle Außenlast-Behälter für Löschwasser, beschafft. Drei Systeme stünden ständig für den Einsatzfall zur Verfügung.

Das größte zusammenhängende Waldgebiet NRWs mit vielen Nadelwäldern und schwer zugänglichem Gelände ist der Nationalpark Eifel. Auch im Bergischen Land und im Hochsauerlandkreis gibt es stark bewaldete Höhenzüge mit zum Teil schwer zugänglichem Gelände. Bei einem Brand in Sundern-Stemel (Hochsauerlandkreis) gingen im Jahr 2022 etwa 11,5 Hektar Wald in Flammen auf.