Der Rückzug von Jens Spahn als Chef der CDU-Bundestagsfraktion könnte in einem Wechsel von Nathanael Liminski, dem Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, nach Berlin münden.
Wird Nathanael Liminski Chef des Bundeskanzleramts?NRW-CDU besorgt über Wechsel-Gerüchte

Nathanael Liminski im Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU).
Copyright: IMAGO/Andreas Gora
Im politischen Düsseldorf geht derzeit eine bange Frage um: „Hat er schon angerufen?“ Nein, bislang offenbar nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz soll sich nach Informationen unserer Zeitung noch nicht bei Nathanael Liminski gemeldet haben, um dem Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei einen Wechsel nach Berlin anzubieten. Der enge Vertraute von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wird als möglicher neuer Chef des Bundeskanzleramts gehandelt. „Das wäre ein Angebot, das Nathanael nicht ausschlagen könnte“, heißt es in der CDU-Landtagsfraktion.
Der Rücktritt von Jens Spahn als Chef der CDU-Bundestagsfraktion hat auch in der NRW-CDU für politische Erdstöße gesorgt. Ein mögliches Stühlerücken, in das Liminski involviert werden könnte, hätte erhebliche Konsequenzen für die Arbeit der Landesregierung in NRW. Liminski gilt als Motor, Chefmoderator und Konfliktlöser in der Zusammenarbeit von CDU und Grünen. Ihn zu verlieren, wäre für Wüst und Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur ein herber Verlust. Sollte der Anruf von Merz erfolgen, wäre der Abgang aber wohl kaum zu verhindern. In der Politik gibt es eine Weisheit, die auch Liminski kennt: „Wenn sich eine Tür öffnet, musst Du hindurchgehen, wenn Du im Geschäft bleiben willst.“
Gründe gegen Liminski
Ob sich die Tür aber tatsächlich öffnet, ist keineswegs sicher. In der Düsseldorfer CDU beruhigt man sich damit, dass es viele und gewichtige Gegenargumente für einen Wechsel gibt. Zwar wäre Liminski vielleicht die beste Besetzung für die Chefposition im Kanzleramt. Aber in der Politik spielt bekanntlich nicht immer die fachliche Eignung die wichtigste Rolle bei der Besetzung von Posten. Viel wichtiger sind persönliche Netzwerke und indirekte Faktoren.
Liminski verfügt als Bund-Länder-Koordinator in Berlin über einen ausgezeichneten Ruf. Auch der Bundeskanzler soll ihn als klugen Vermittler mit einem ausgeprägten politischen Instinkt schätzen. Eine besondere Nähe soll es aber nicht geben. Liminski war früher der Chefstratege von Ex-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der durch seine eigenen Ambitionen verhindert habe, dass Merz schon deutlich früher die Nummer eins in der CDU wurde. Seit 2021 unterstützt Liminski nun Laschet-Nachfolger Wüst, der ebenfalls kein politischer Freund des Sauerländers ist. Sollte Liminski nach Berlin wechseln, könnte das so ausgelegt werden, dass er dort den Vorposten für eine Machtübernahme durch Wüst bilden könnte, heißt es in Düsseldorf.
Außerdem gebe es noch einen zweiten Grund, der einem Wechsel im Weg stehen könnte. Markus Söder, Chef der CSU und Ministerpräsident Bayerns, mag den Chef der Staatskanzlei von NRW nicht. Schon bei der Regierungsbildung im vergangenen Jahr soll Söder – so berichten Insider – verkündet haben, eine Berufung Liminskis ins Bundeskabinett könne „nur über seine Leiche“ erfolgen. Liminski hatte sich wiederholt öffentlich gegen die Mütterrente, das Prestigeprojekt der CSU, ausgesprochen. Merz sei stets auffällig bemüht, Söder nicht zu verärgern, glaubt man in Düsseldorf zu wissen.
Zukunftsvisionen für den Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei
Liminski, der erst 40 Jahre alt ist, werden auch ohne sofortige Beförderung nach Berlin glänzende Karriereaussichten vorhergesagt. Sollte Wüst bei der Landtagswahl im April nächsten Jahres als Sieger hervorgehen, könnte der gebürtige Bonner und Chef des CDU-Bezirks Mittelrhein zunächst als Chef der Staatskanzlei weitermachen. Für den Fall, dass NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Laufe der nächsten Legislaturperiode sein Amt aus Altersgründen abgeben würde, könnte Liminski den Posten übernehmen. Dort könnte sich der Vater von vier Kindern einen Bekanntheitsgrad erwerben, mit dem er dereinst selbst den Posten des Ministerpräsidenten von NRW übernehmen könnte, spekulierte ein Mitglied des CDU-Landesvorstands.
So weit in die Zukunft zu blicken, ist im politischen Geschäft aber meistens wenig zielführend. Fest steht hingegen für die Christdemokraten in der Landeshauptstadt, dass die politische Karriere von Jens Spahn mit seinem Rückzug wohl endgültig beendet ist. „Der bekommt auch bei uns keinen Fuß mehr in die Tür“, sagte ein ehemaliges Mitglied der Landesregierung. Die Annahme, dass die Nachfolge von Friedrich Merz „im Kreis Borken entschieden“ werde, habe sich erledigt. Weder Wüst noch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), der ebenfalls aus dem Münsterland stammt, dürften an einem Comeback Spahns Interesse haben, hieß es. Als Kandidat für die Spahn-Nachfolge an der Spitze der Bundestagsfraktion wird Generalsekretär Carsten Linnemann genannt. Eine „glasklare Lösung“ dränge sich offenbar nicht auf: „Sonst würde die Entscheidung nicht erst nächste Woche fallen.“