Politische Erörterungen zur Repatriierung von Syrern stehen im Kontrast zu Daten, die eine hohe Arbeitsmarktintegration vieler Geflüchteter belegen.
Spürbare Auswirkungen drohenKrankenhausgesellschaft warnt vor Rückkehr syrischer Ärzte

Arbeitnehmer aus Syrien spielen eine wichtige Rolle auf dem deutschen Arbeitsmarkt. (Archivbild)
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Die öffentliche Auseinandersetzung über den Verbleib syrischer Geflüchteter in der Bundesrepublik hat neue Intensität erreicht. Friedrich Merz, der Vorsitzende der CDU, äußerte, dass innerhalb von drei Jahren 80 Prozent der syrischen Staatsangehörigen repatriiert werden sollten. Laut Berichten der dpa bezog er sich dabei auf ein Ziel, das vom syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa formuliert wurde. Bereits im Vorjahr hatte Merz die Möglichkeit von Repatriierungen angedeutet, mit der Begründung, es gäbe „keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland“. Aber wie stellt sich die tatsächliche Situation für die über 900.000 in Deutschland befindlichen Syrer dar?
Das Bundesinnenministerium teilte mit, dass sich Ende Oktober des Jahres 2025 circa 944.000 syrische Personen in der Bundesrepublik aufhielten. Nach den ukrainischen Staatsbürgern stellen sie somit die zweitgrößte Population an Schutzsuchenden dar. Allerdings ist die Anzahl der Neuankömmlinge aus Syrien seit dem Machtwechsel nach Baschar al-Assad Ende 2024 signifikant zurückgegangen. Im Zeitraum von Januar bis September 2025 registrierte das Statistische Bundesamt etwa 40.000 syrische Zuzüge, was einer Abnahme von 46,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gleichkommt.
Starke Verankerung im Arbeitsleben
Ein erheblicher Anteil der aus Syrien Geflüchteten hat sich fest auf dem deutschen Arbeitsmarkt etabliert. Aktuell gehen, so die Bundesagentur für Arbeit, 266.100 syrische Staatsangehörige einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Rechnet man geringfügige Beschäftigungen dazu, erhöht sich die Gesamtzahl auf 320.000 Personen. Nicht in dieser Erhebung berücksichtigt sind diejenigen, die mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Im März sank die Anzahl der als arbeitsuchend gemeldeten Syrer gegenüber dem Vorjahresmonat um über 33.500.
„Wir finden eigentlich aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit, dass sich die syrischen Geflüchteten gut in den Arbeitsmarkt integriert haben“, äußert die Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles. Ihre Tätigkeiten konzentrieren sich hauptsächlich auf Sektoren mit hohem Arbeitskräftebedarf, darunter das Gesundheitswesen, die Pflege, der Handel sowie die Logistikbranche. Für die Gesamtheit der syrischen Geflüchteten beträgt die Erwerbstätigenquote 47 Prozent. Gemäß Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beläuft sich diese Quote bei syrischen Männern auf circa 70 Prozent, was sie in die Nähe der Quote von Deutschen (71 Prozent) rückt.
Unverzichtbar für den deutschen Gesundheitssektor
Speziell im Gesundheitswesen nehmen syrische Fachkräfte eine zentrale Position ein. Wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mitteilt, stellen syrische Mediziner die umfangreichste Kohorte unter den Ärzten mit ausländischer Herkunft dar. Zum Jahresende 2024 waren 5.745 dieser Ärzte in Kliniken hierzulande tätig. „Sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung“, erklärte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer, im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Syrische Fachkräfte haben ebenfalls eine hohe Relevanz im Pflegebereich. Die DKG schätzt die Zahl syrischer Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern auf mehr als 2.000. „Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgung“, äußerte Neumeyer. Aus Sicht der Versorgung wäre eine erzwungene Repatriierung kontraproduktiv.
Situation in Syrien weiterhin fragil
Über ein Jahr nach dem Machtwechsel von Assad bleibt die Sicherheitslage in Syrien prekär. Immer wieder gab es Phasen der Gewalt mit hunderten Todesopfern, beispielsweise bei Auseinandersetzungen mit Minderheitengruppen oder von Kurden angeführten Milizen. Experten äußern außerdem die Befürchtung, dass die als Islamischer Staat (IS) bekannte Terrormiliz erneut an Einfluss gewinnen könnte. Zahlreiche Regionen, insbesondere jene der früheren Opposition, weisen schwere Zerstörungen auf, die eine Repatriierung komplizieren.
Wissenschaftler heben hervor, dass die hierzulande erlangten beruflichen Fähigkeiten für den Wiederaufbau Syriens nützlich sein könnten. Der IAB-Forscher Enzo Weber führt jedoch aus, dass umgekehrt auch die Bundesrepublik von den sich bildenden Verbindungen profitieren kann. „Es geht um die Zukunft eines Landes - und Deutschland hat die Chance, daran Anteil zu nehmen.“ (red)
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