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Martialische RhetorikPete Hegseth – Trumps treuer Krieger ist zunehmend umstritten

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Martialische Worte, imperiale Ausrichtung: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth.

Martialische Worte, imperiale Ausrichtung: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth.

Niemand verkörpert die Donald Trump geschätzte aggressive Männlichkeit besser als Verteidigungsminister Pete Hegseth. Doch die Kritik wird lauter.

Wer dem amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth dieser Tage zuhört, bekommt den Eindruck, dass dessen größter Traum wahr geworden ist. Seit mehr als zwei Wochen führt das US-Militär Krieg gegen den Iran – und Hegseth lässt keine Gelegenheit aus, um Gewalt, Tod und Zerstörung zu feiern. „Wir sind keine bloßen Verteidiger mehr“, sagte der 45-jährige Ex-Fox-News-Moderator kürzlich bei einer Pressekonferenz. „Wir sind Krieger – ausgebildet, um den Feind zu töten und seinen Willen zu brechen.“

Hegseth ist der Mann, den Trump an der Spitze von rund drei Millionen Soldaten und zivilen Angestellten sehen wollte – Berichten zufolge, weil dieser im Fernsehen die richtige Wirkung auf ihn hatte. Seine Reden triefen von totaler Dominanz. Die Last des Krieges, die Verantwortung für die Intervention in einem Land mit über 90 Millionen Menschen – sie scheinen kaum auf dem Mann mit den gegelten Haaren zu liegen. Hegseth genießt es, über den Feldzug gegen den Iran zu reden wie über einen Käfigkampf in Las Vegas: Man müsse „auf sie einschlagen, solange sie am Boden liegen – genau so, wie es sein sollte.“

Veteran mit TV-Appeal und Glauben

Peter Brian Hegseth wuchs in Minnesota in einer Familie mit norwegischen Wurzeln auf. Schon an der Universität Princeton sorgte er mit Artikeln in einer konservativen Studentenzeitung für Kontroversen – unter anderem erklärte er, dass „der homosexuelle Lebensstil abnormal und unmoralisch“ sei. 2003 trat Hegseth in die Armee ein und absolvierte binnen eines Jahrzehnts drei Auslandseinsätze: Guantánamo Bay in Kuba, Irak und Afghanistan. Er erhielt mehrfach Auszeichnungen.

Fox News wurde auf den lauten und zugleich eloquenten Hegseth aufmerksam, ab 2017 moderierte er die Frühstücksshow „Fox & Friends“ am Wochenende. Millionen schauten zu, Trump war Stammgast und fand Gefallen an ihm. Fox News gilt als die Schule, in der Hegseth lernte, mit zelebrierter Männlichkeit, Patriotismus und Kriegsbereitschaft ein Publikum zu finden.

Er feiert dabei nicht nur Stärke, sondern auch seinen Glauben. 2020 erschien Hegseths Buch „American Crusade“ („Amerikanischer Kreuzzug“), in dem er argumentiert, dass Christen Seite an Seite mit Israel gegen den Islamismus kämpfen müssten. Seine religiösen und umstrittenen Tattoos hatten ihm schon früher den Vorwurf eines christlichen Nationalismus eingebracht.

Veruntreuung, Alkoholismus, Missbrauchsvorwürfe

Als Trump Hegseth 2024 für den Posten des Verteidigungsministers nominierte, wurden weitere Vorwürfe gegen ihn laut: mutmaßliche sexuelle Übergriffe, Veruntreuung von Geldern einer Veteranenorganisation, Gewalt gegenüber seiner zweiten Frau. Immer wieder soll Hegseth zudem bei Arbeitsveranstaltungen betrunken gewesen sein.

Hinzu kommt die fehlende Erfahrung mit der Führung einer großen Organisation, geschweige denn mit der größten Streitmacht der Welt. Die Senatsanhörungen wurden zum Tribunal und endeten mit dem knappsten möglichen Ergebnis: 50:50. Vizepräsident J.D. Vance musste die entscheidende Stimme dazugeben.

Nach seiner Vereidigung krempelte Hegseth das Pentagon um. Sein Ziel sei es, das amerikanische „Krieger-Ethos wiederzubeleben“ – und das über „maximale Tödlichkeit, keine lauwarme Legalität“, wie er erklärte. Vor allem arbeitete er sich an der seiner Meinung nach „woken“ Ausrichtung des Militärs ab.

Hochrangige Generäle wurden aus aller Welt eingeflogen, damit der Minister ihnen eine Predigt halten konnte: „Schluss mit Identitätsmonaten, Vielfaltsbüros oder Typen in Kleidern. Schluss mit der Anbetung des Klimawandels. Schluss mit der Spaltung, Schluss mit der Ablenkung durch Gender-Wahnvorstellungen.“ Von nun an bevorzugte Hegseth die Bezeichnung „Kriegsminister“.

„Epischer Zorn“ und mögliche Kriegsverbrechen

Sein Führungsstil im Pentagon löste nicht nur wegen der harschen Rhetorik Kritik aus, sondern auch wegen der Nichtbeachtung militärischer Standards. Der Beschuss angeblicher Drogenschmuggler-Boote könnte Experten zufolge völkerrechtswidrig gewesen sein. Geheime Informationen über einen Angriff im Jemen teilte er in einer Chatgruppe, in der auch ein Journalist war. Das Ministerium lockerte zudem die Regeln zum Schutz von Zivilisten. Vor wenigen Tagen bombardierte das US-Militär im Iran eine Schule, über 170 Kinder starben.

Ende Februar hatte die Operation „Epischer Zorn“ begonnen, die USA und Israel griffen den Iran an – für Hegseth der Moment seines persönlichen „amerikanischen Kreuzzugs“. Was folgte, war eine Serie von Pressekonferenzen, in denen er über die Operation sprach, als habe er sein Leben lang darauf gewartet. Militärhistoriker und Juristen sind nicht zuletzt wegen der religiösen Aussagen alarmiert. „Die Vorsehung unseres allmächtigen Gottes beschützt diese Truppen“, meinte Hegseth.

Ihren Höhepunkt erreichte die Rhetorik mit der Ansage, „keine Gnade“ zu haben. Nach Einschätzung von Völkerrechtlern kommt die Anweisung, keine Gefangenen zu machen („no quarter“), einem Kriegsverbrechen gleich.

Der demokratische Senator Mark Kelly – selbst Veteran – verlangte Aufklärung. Hegseth hielt es bislang aber nicht für nötig, sich zu erklären.