Der Verein setzt sich seit 30 Jahren trotz schwieriger Bedingungen für Frieden und wohltätige Zwecke im Westjordanland ein.
Klage über AnfeindungenStädtepartnerschaft zwischen Köln und Bethlehem feiert 30-jähriges Jubiläum

Suraya Hoffmann, Albrecht Schröter und Maria Meiwes-Schmitz vom Städtepartnerschaftsverein vor Bildern der Kalligrafie-Ausstellung in St. Maternus.
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Als 1996 die offiziellen Vertreter Kölns und Bethlehems die Vereinbarung der Städtepartnerschaft unterzeichneten, begründeten sie die erste Beziehung dieser Art zwischen einer deutschen und einer palästinensischen Kommune. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens zieht Albrecht Schröter, der Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, eine gemischte Bilanz. Einerseits habe der Verein im Laufe der Jahre viel auf die Beine gestellt, andererseits bekomme er Gegenwind, indem ihm immer wieder einmal der Vorwurf einseitiger, israelkritischer Parteinahme für die Menschen in Palästina gemacht werde.
Maßgeblich zur Gründung trug der ehemalige Bundes- und Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski bei, der wegen seiner guten Kontakte in die arabische Welt oft „Ben Wisch“ genannt wurde und sich für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser einsetzte. In der Vereinbarung heißt es zum Zweck des Vereins, er solle „auf kommunaler Ebene einen Beitrag zur Stabilisierung und Förderung des Friedensprozesses in Nahost leisten“. Von 1996 bis 2012 war Wischnewski Vorsitzender. Ihm folgten der frühere Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger, Manfred Kock, ehemaliger Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Burgers Witwe Claudia nach. 2022 übernahm Schröter den Vorsitz.
Verein unterstützt Projekte im Westjordanland
Auf 17 Seiten sind die vielfältigen Aktivitäten des heute rund 140 Mitglieder starken Vereins dokumentiert. Dazu gehören unzählige persönliche Begegnungen, etwa von Stadtoberhäuptern, Schülerinnen und Schülern, Studierenden sowie Sportlern und Sportlerinnen. Dem besseren Kennenlernen und dem Abbau von Vorurteilen dienten auch die zahlreichen Bürgerreisen, ebenso Filmvorführungen, Lesungen, Ausstellungen, Seminare und Infoveranstaltungen in Köln. Überdies unterstützt der Verein Einrichtungen und Projekte in der Stadt im Westjordanland, darunter ein Seniorenheim, eine Behindertenwerkstatt, ein Kinderhospital und eine Musikschule.
Mit Blick auf den Vereinszweck, zum Frieden beizutragen, sagt Schröter, die Rahmenbedingungen hätten sich in den letzten 30 Jahren verschlechtert. Zunehmend werde deutlich, „dass die Kräfte, die die Palästinenser aus ihrer Heimat vertreiben wollen, an Einfluss gewinnen“. Häufig würden die palästinensischen Einwohner als „Menschen zweiter Klasse“ angesehen, „nicht ihrer Würde gerecht“. Der Verein versuche, ein „Gegengewicht“ zu schaffen, und mache sich für die „Rechte von Menschen in einer asymmetrischen Situation“ stark. Mit einer Ablehnung Israels oder Antisemitismus habe dies nichts zu tun.
Trotzdem sehe man sich immer wieder entsprechenden Angriffen und Diffamierungen ausgesetzt, nicht selten in den sozialen Medien. „Wir müssen uns immer rechtfertigen, das ist inakzeptabel“, sagt Suraya Hoffmann, die stellvertretende Vorsitzende. „Im Augenblick haben wir das Gefühl, dass wir eher geduldet als gefördert werden“, so Schröter. Er wünscht sich, dass Kritiker, statt Posts zu verfassen, „mit offenem Visier die Diskussion suchen und uns nicht feige bei der Stadt Köln denunzieren“. Und er erhofft sich eine stärkere Unterstützung durch die Stadt, „bis zum OB hinauf“.
Ausstellung in der Maternuskirche
Gerade habe der Verein das Gegenteil erlebt: Die Zusage, dass ein bestimmter Kulturraum der Stadt für eine Ausstellung zur Verfügung stehe, sei zurückgezogen worden – ähnlich wie im vorigen Jahr, als es um die Nutzung eines Raums der evangelischen Kirche in Porz gegangen sei. Die Ausstellung zum Vereinsjubiläum, kuratiert von Maria Meiwes-Schmitz, wird nun an einem alternativen Standort gezeigt: Bis zum 23. Mai sind in der Maternuskirche in der Südstadt Bilder zu sehen, die die deutsche Künstlerin Heidi Niehaus und der palästinensische Kalligraf Yasser Saymeh gemeinsam geschaffen haben. Inspirieren ließen sich beide von Gedichten aus dem Band „Jiddariya“ (Wandmalereien) des Lyrikers Mahmoud Darwish. Im Rahmen der Ausstellung findet am Samstag, 9. Mai, von 14 bis 18 Uhr im Gemeindesaal von St. Maternus ein Kalligrafie-Workshop mit der Künstlerin Sara Mousa statt.
Zu den Veranstaltungen des Vereins, die für das weitere Jahr geplant sind, zählen beispielsweise der Vortrag der palästinensischen Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser am 13. Mai, 19 Uhr, im Domforum, die Palästina-Filmtage im Oktober im Filmhaus und ein Konzert mit dem Violinisten Michael Barenboim, voraussichtlich im Dezember.
