Im Hürtgenwald lodern die Flammen – Fachleute fordern konkrete Maßnahmen. Karl Lauterbach betont indes die Rolle des Klimawandels.
Größter Waldbrand in NRW-Historie„Daran ändert auch der armselige Dauerhinweis der Klimaleugner nichts“

Dystopische Szenen: Im Hürtgenwald wütet ein Waldbrand – rund 1400 Kräfte sind im Einsatz. Gleichzeitig werden Rufe nach Konsequenzen laut.
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Angesichts von Waldbränden wie derzeit in der Gemeinde Hürtgenwald in der Eifel fordern Fachleute einen gezielten Waldumbau und eine bessere Früherkennung. Man werde aber zugleich akzeptieren müssen, dass Waldbrände in Deutschland wegen des Klimawandels künftig häufiger auftreten könnten, sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Christian Haase, der „Rheinischen Post“ am Samstag (15. August). Man müsse vom Wissen in den „klassischen Waldbrandländern“ profitieren. Nötig seien zum Beispiel auch moderne Frühwarnsysteme.
Das Feuer in der Eifel ist Berichten zufolge wohl der bisher größte Waldbrand in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des Landkreises Düren hat sich der Brand in der Nacht zu Samstag zunächst nicht weiter ausgebreitet. Die Menschen aus dem Hürtgenwalder Ortsteil Gey blieben evakuiert. Rund 1800 Menschen hatten ihre Häuser verlassen müssen. Insgesamt sind den Angaben zufolge mittlerweile 1400 Kräfte im Einsatz.
Merz und Wüst informieren sich über Lage in Hürtgenwald
Landrat Ralf Nolten telefonierte nach Kreisangaben am Morgen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Er hat sich persönlich zur aktuellen Lage informiert und sich ausdrücklich bei allen Helferinnen und Helfern bedankt“, hieß es. Die Düsseldorfer Staatskanzlei kündigte an, dass sich am Nachmittag NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im Brandgebiet ein Bild der Lage machen und sich auch mit Einsatzkräften treffen wolle.

Die Feuerwehr ist beim Waldbrand im Hürtgenwald im Einsatz. Mehrere Hundert Hektar Waldfläche stehen in Flammen.
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Bereits am Freitag hatte Wüst den Einsatzkräften gedankt. „Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen sind seit gestern Nachmittag im Hürtgenwald im Einsatz, viele von ihnen ohne Pause“, schrieb Wüst auf der Plattform X und fügte hinzu: „Den Einsatzkräften aus ganz NRW gilt mein großer Dank. Unser Land hält zusammen!“
Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur (Grüne), dankte den zahlreichen Helfern. „Dieser Waldbrand droht die Menschen vor Ort hart zu treffen“, schrieb Neubaur am Freitag bei X. „Ich danke den Einsatzkräften von Feuerwehr und Polizei, die seit Donnerstag mit großem Einsatz gegen die Flammen kämpfen und die Evakuierung besonnen durchführen.“
Deutscher Feuerwehrverband forderte bessere Kontrolle von Verboten
Damit Waldbrände erst gar nicht entstehen, forderte der Deutsche Feuerwehrverband indes eine bessere Kontrolle von Verboten für offenes Feuer. „Wir haben Feuer, weil Leute sich falsch verhalten“, sagte der Leiter des Verbandsarbeitskreises Waldbrand, Ulrich Cimolino, der „Rheinischen Post“, und fügte hinzu: „95 Prozent der brennenden Wälder entstehen durch menschlichen Einfluss: weil jemand im Wald raucht oder grillt beziehungsweise ein Lagerfeuer macht.“
Frankreich mache es vor. „Wer bei Brandgefahr durch den Wald geht und mit einer Zigarette im Mund erwischt wird, muss direkt zahlen“, so Cimolino. Ähnlich könne es in Deutschland laufen: „Die Strafen sind schon hoch genug. Man müsste es halt einfach kontrollieren.“
Hürtgenwald: Karl Lauterbach betont Rolle des Klimawandels
Auch der Kölner SPD-Politiker Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich zum großen Waldbrand nahe der Gemeinde Hürtgenwald – und betonte dabei die Rolle des Klimawandels. „Waldbrände werden mit dem Klimawandel stark zunehmen“, schrieb Lauterbach am Samstag auf der Plattform X. „Daran ändert auch der armselige Dauerhinweis der Klimaleugner nichts, dass Menschen den Wald anzünden. Wenn er brennt, brennt er jetzt richtig.“
Bereits Ende Juli hatte sich Lauterbach entsprechend geäußert. „Die Erderhitzung verursacht nicht den einzelnen Waldbrand, sondern erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es Waldbrände gibt“, erklärte der SPD-Politiker und zog einen Vergleich: „Beim Rauchen ist es ähnlich. Nicht jeder Raucher bekommt Lungenkrebs. Und Gene, andere Faktoren und Pech spielen auch eine Rolle. Aber das Risiko steigt.“
Fachleute: Grund für Waldbrände nahezu immer Brandstiftung
Auch Meteorologen wie Jörg Kachelmann betonen derzeit immer wieder, dass Waldbrände nahezu ausschließlich durch Brandstiftung entstehen würden. Die anhaltende Trockenheit schaffe dafür lediglich hochentzündliche Voraussetzungen. „Ich bin dankbar, dass die Informationen, wie Waldbrände entstehen, selbst bei Karl Lauterbach angekommen sind“, kommentierte der Wetterexperte nun die Worte des SPD-Politikers.
In einem weiteren Beitrag auf X zeigte sich Lauterbach indes am Samstag persönlich betroffen angesichts des Waldbrandes in NRW. „Im Hürtgenwald haben wir als Kinder gespielt“, berichtete der SPD-Politiker. „Er ist dunkel, dicht und uneben mit vielen Kratern. Für uns als Kinder ein Paradies.“ Dass der Wald jetzt abbrenne, sei „traurig“, fügte Lauterbach hinzu. „Hoffentlich bleiben die Dörfer verschont. Der Klimawandel muss endlich gestoppt werden.“
Grüne aus Kerpen fordert Tempolimit
Angesichts der schweren Waldbrände in Nordrhein-Westfalen fordert auch die Kerpener Landtagsabgeordnete Antje Grothus (Grüne), die Klimakrise entschiedener zu bekämpfen. Sie plädierte bereits am Freitag in einem Instagram-Beitrag für eine Reduktion von Emissionen.
„Raus aus den fossilen Brennstoffen, rein in den Ausbau der Erneuerbaren samt notwendiger Infrastruktur, statt Ausbremsen des Kohleausstiegs! Rein ins Tempolimit, in die Reduzierung der Verbrennermotoren, in Veränderungen im Bausektor und in der Tierhaltung, rein in attraktive klimafreundliche Alternativen im Fernverkehr“, schrieb Grothus. Zusätzlich müsse der Waldbau umgestellt werden, um Wälder mehrschichtig, kühler und widerstandsfähiger zu gestalten, forderte die Grünen-Politikerin. (mit kna)
